Amazon AWD Europa startet am 20. August in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien. Der Dienst lagert deine Ware pauschal in Amazon-Verteilzentren und füllt die FBA-Logistikzentren automatisch nach. Damit umgehst du die Mengenbegrenzungen, die dich vor Prime Day und Black Friday ausbremsen. Zwei Tage vor dem Start fehlt allerdings die Gebührentabelle für Europa. Und der Blick in die USA zeigt, wohin die Preise laufen.
Inhaltsverzeichnis
- Das Lager vor dem Lager – Amazon hält jetzt beide Schlüssel
- Ein Preis, egal wie lange – hier liegt der Köder
- Zwei Tage vor dem Start kennt niemand die Europa-Preise
- Der US-Blick: AWD wurde im Januar 19 Prozent teurer
- In Europa endet AWD an Amazons Grenze
- Was du vor dem 20. August durchrechnen solltest
- 100.000 Händler, ein Vermieter
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Das Lager vor dem Lager – Amazon hält jetzt beide Schlüssel
Amazon Warehousing & Distribution, kurz AWD, schiebt eine zusätzliche Ebene zwischen deinen Lieferanten und das FBA-Netz. Du schickst Paletten und Umkartons an ein Amazon-Verteilzentrum. Dort liegt die Ware langfristig. Sobald der Bestand im Logistikzentrum sinkt, füllt Amazon nach Nachfrage automatisch auf. Der Dienst startet in den fünf größten E-Commerce-Märkten Europas.
Dafür nutzt Amazon vorerst die vorhandene Verteilzentren-Infrastruktur. In der Ankündigung im Seller Central beschreibt der Konzern AWD als pauschale Langzeitlagerung mit automatischer Nachfüllung ins europäische FBA-Netz. Neben der Lagergebühr berechnet Amazon zusätzlich die Bearbeitung der Kartons und den Transport zu den Logistikzentren. Amazon will also auch das Pre-FBA-Geschäft haben.
Ein Preis, egal wie lange – hier liegt der Köder
Amazon wirbt mit einem Pauschalpreis ohne Mindestlaufzeit. Die Lagerdauer beeinflusst die Höhe der Gebühr nicht. Hier liegt der Unterschied zu FBA: Dort steigt die monatliche Lagergebühr von Oktober bis Dezember deutlich an, und ab 181 Tagen kommt ein Aufschlag für Altbestand obendrauf.
Zusätzlich stellt Amazon Rabatte auf Lagerung und Transport in Aussicht, wenn du AWD zusammen mit anderen Amazon-Diensten nutzt. Wer den Nachschub von Amazon steuern lässt, zahlt weniger als der, der ihn selbst auslöst. Das Preismodell belohnt also die Händler, die möglichst viele Entscheidungen abgeben.
Zwei Tage vor dem Start kennt niemand die Europa-Preise
Eine Gebührentabelle in Euro hat Amazon bislang nicht veröffentlicht. Im europäischen Seller-Forum melden Händler, dass die verlinkten Hilfeseiten weiterhin US-Gebühren und US-Standorte anzeigen. Auch die Frage, ab wann sich eine Sendung nach Deutschland anlegen lässt, blieb dort unbeantwortet.
Kalkulieren lässt sich AWD damit aktuell nicht. Wer Ware aus Asien einplant, sitzt zudem in der Zeitfalle: Eine Sendung, die Mitte August China verlässt, erreicht Deutschland frühestens Mitte September. Bis dahin läuft die Hochsaison bereits an.
Der US-Blick: AWD wurde im Januar 19 Prozent teurer
In den USA läuft AWD seit vier Jahren. Zum 15. Januar 2026 hat Amazon dort die Preise angehoben . Die Lagergebühr in der West-Region stieg von 0,48 auf 0,57 US-Dollar pro Kubikfuß und Monat, ein Plus von 19 Prozent. Die Bearbeitungsgebühr je Karton kletterte von 1,35 auf 1,40 Dollar – beim Wareneingang wie beim Warenausgang.
Auch der Transport ins FBA-Lager wurde teurer. Dazu kommt ein Saisonzuschlag zwischen dem 15. Oktober und dem 14. Januar. Pauschal heißt demnach nicht eingefroren. Amazon setzt den Satz jährlich neu und hat das in den USA bereits vorgeführt.
In Europa endet AWD an Amazons Grenze
In den USA dürfen Verkäufer ihre AWD-Bestände inzwischen auch für andere Vertriebskanäle nutzen. Diese Option fehlt beim europäischen Start. Deine Ware liegt bei Amazon und geht von dort ausschließlich ins Amazon-Netz. Der eigene Shop, eBay oder Kaufland bleiben außen vor.
Ob AWD über die fünf großen Märkte hinaus ausgerollt wird, hat der Konzern offengelassen. Händler in Polen, den Niederlanden, Schweden oder Belgien warten vorerst ab.
Was du vor dem 20. August durchrechnen solltest
Vergleiche die Gesamtkosten, nicht die Lagergebühr allein. Zur Lagerung kommen die Bearbeitung je Karton, der Transport ins FBA-Lager und die Vorbereitung der Ware. Ein externer Logistikdienstleister wirkt auf dem Papier teurer, übernimmt dafür aber häufig Etikettierung, Bündelung und Qualitätskontrolle.
Prüfe außerdem deine Umschlagsgeschwindigkeit. AWD rechnet sich für Pufferbestände mit langsamem bis mittlerem Abverkauf. Für Schnelldreher, die du ohnehin wöchentlich nachschiebst, addiert die Zwischenstation nur Kosten und Laufzeit.
100.000 Händler, ein Vermieter
Über 100.000 Drittanbieter verkaufen in Europa über Amazon, und sie erzeugen den Großteil des Umsatzes in den europäischen Amazon-Stores. Mit AWD greift der Konzern nun auch auf die Stufe davor zu: auf die Bevorratung. Amazon nimmt dir Arbeit ab und rückt dabei ein Glied näher an deinen Lieferanten.
Wer Einkaufslager, Nachschub, Versand und Retouren in eine Hand legt, hat am Ende keinen Dienstleister mehr. Sondern einen Eigentümer seiner Lieferkette.




