Die Existenzangst im Einzelhandel erreicht im April 2026 einen neuen Höchststand: 17,4 Prozent der Händler sehen den eigenen Fortbestand gefährdet. Das ergab die jüngste ifo Konjunkturumfrage . Über alle Branchen hinweg fürchtet jedes zwölfte Unternehmen in Deutschland um seine wirtschaftliche Existenz. Im gesamten Handel sind es 11,6 Prozent. Und das ifo nennt den Online-Handel offen als einen der Treiber.

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17,4 Prozent – und der Online-Handel sitzt mit auf der Anklagebank

17,4 Prozent ist der höchste je gemessene Wert im Einzelhandel. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo Umfragen, benennt die Ursachen klar: Kaufzurückhaltung der Verbraucher, wachsender Online-Handel und Billiganbieter aus dem Ausland. Damit steht erstmals offiziell aus einem führenden Wirtschaftsforschungsinstitut, was der stationäre Handel seit Jahren behauptet.

Im gesamten Handel – also Groß- und Einzelhandel zusammen – liegt der Anteil bedrohter Betriebe bei 11,6 Prozent. Auch Großhändler bekommen Druck, weil ihre Kunden im Einzelhandel sparen oder ganz aufgeben. Der Effekt zieht sich entlang der Lieferkette nach oben.

Drei Probleme, die jeden Händler betreffen

Branchenübergreifend nennt das ifo drei Belastungen: fehlende Aufträge und schwache Nachfrage, steigende Betriebs- und Energiekosten sowie eine zunehmend belastende Bürokratie. Dazu kommen Liquiditätsengpässe, weil Kunden zahlungsunfähig werden oder Rechnungen verzögert begleichen.

„Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten“, so Wohlrabe. Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister direkt. Für Onlinehändler heißt das: Auch ein scheinbar stabiles Lieferanten-Netzwerk kann kippen, wenn ein einzelner B2B-Kunde insolvent geht.

Gastgewerbe nahe 20 Prozent – Werbung mit 14,3 Prozent

Bei den Dienstleistern sehen sich 7,6 Prozent der Unternehmen in ihrer Existenz bedroht. In Beherbergung und Gastronomie liegt der Wert bei fast 20 Prozent. Werbung und Marktforschung kommen auf 14,3 Prozent – ein Hinweis für jeden Onlinehändler, der mit Agenturen, Performance-Dienstleistern oder Marktforschern arbeitet: Die Partner stehen selbst unter Druck und werden zunehmend ausfallen.

In der Industrie ist die Existenzbedrohung leicht auf 7,5 Prozent zurückgegangen. Trotzdem bleibt der Druck hoch, weil Energie- und Rohstoffkosten sowie die Konkurrenz aus Asien drücken. Für Hersteller, die ihre Ware über Onlinehändler vertreiben, bedeutet das knappere Margen und härtere Konditionsverhandlungen.

Insolvenzwelle ist noch nicht durch

Wohlrabes Prognose ist deutlich: „Die Insolvenzzahlen dürften vor dem Hintergrund der geopolitischen Unsicherheit in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau bleiben.“ Damit deckt sich die ifo-Einschätzung mit den Zahlen von Creditreform und Destatis, die für 2026 weiter steigende Insolvenzfälle melden.

Im Bauhauptgewerbe stieg der Anteil leicht auf 7,3 Prozent. Der Wohnungsbau bricht weiter ein, Genehmigungen ziehen sich, Banken halten Baufinanzierungen zurück. Für Onlinehändler im DIY-, Möbel- und Wohnsegment ist das ein direkter Frühindikator: Wer kein Haus baut oder renoviert, bestellt auch keine neue Einrichtung.

Was die Zahlen für deinen Shop bedeuten

Die ifo-Daten kommen aus der gleichen Umfrage, die das viel zitierte Geschäftsklima liefert. Wenn dort 8,1 Prozent aller Unternehmen ihre Existenz akut bedroht sehen, ist das ein Realitätscheck für jeden Onlinehändler: Forderungsmanagement, Lieferantenbonität und Lagerquoten müssen jetzt strenger gefahren werden. Eine einzelne große Insolvenz auf der Kunden- oder Lieferantenseite kann sonst durchschlagen.

Bemerkenswert bleibt die offene Nennung des Online-Handels als Druckfaktor durch das ifo. Wer onlinehandelt, profitiert von genau der Verschiebung, an der der stationäre Handel zerbricht. Politisch ist das Thema damit gesetzt: Forderungen nach schärferer Regulierung von Plattformen und Billiganbietern aus Drittländern werden lauter werden.

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