Eine Betrugsmasche verbindet eBay, Amazon und manipulierte Retourenlabels miteinander. Sie trifft nicht nur Händler, sondern nach Informationen von Wortfilter auch große Marken. Bei einer Marke summiert sich der Schaden inzwischen auf einen guten sechsstelligen Betrag. Der Käufer merkt davon nichts: Er bestellt, zahlt und bekommt seine Ware. Den Verlust trägt am Ende der Händler bzw. Marke, über dessen Amazon-Angebot die Ware läuft.
Inhaltsverzeichnis
- 20 Prozent unter Marktpreis – und die Ware kommt wirklich
- Amazon zahlt den Einkauf zurück, der Kunde behält die Ware
- Ein Retourenlabel, das nie beim Händler ankommt
- Ein Händler testet es selbst – DHL und Hermes fallen durch
- Bekannt, aber zu aufwendig? Was der Händler von DHL und Hermes hört
- Woran du die Masche im eigenen Konto erkennst
- Drei Systeme, eine Lücke
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20 Prozent unter Marktpreis – und die Ware kommt wirklich
Der betrügerische Verkäufer bietet bei eBay Markenware deutlich unter dem üblichen Marktpreis an. Meist liegt der Abstand bei 10 bis 20 Prozent. Für Käufer ist das attraktiv. Und anders als bei klassischen Fake-Shops folgt auf die Bestellung tatsächlich eine Lieferung.
Die Produkte besitzt der Verkäufer allerdings gar nicht. Sobald eine Bestellung eingeht, kauft er dieselbe Ware bei Amazon und lässt sie direkt an seinen eBay-Kunden versenden. Zunächst wirkt das wie klassisches Dropshipping: Der eBay-Kunde bestellt, der Täter ordert bei Amazon, Amazon liefert an den Kunden. Damit sieht die Transaktion auch für eBay völlig normal aus.
Amazon zahlt den Einkauf zurück, der Kunde behält die Ware
Der Verkäufer erhält seine eBay-Auszahlung. Das Konto liegt nach den Wortfilter vorliegenden Informationen häufig im Ausland. Anschließend startet er den zweiten Teil der Masche.
Dazu meldet er bei Amazon eine Retoure (Safe-T) an und stößt den Erstattungsprozess an. Amazon schickt ihm daraufhin ein Retourenlabel. Eigentlich müsste die Ware nun zurück zum Händler gehen. Sie liegt aber längst beim eBay-Kunden.
Ein Retourenlabel, das nie beim Händler ankommt
Statt die Ware zurückzuschicken, manipuliert der Täter das Retourenlabel. Er liefert ein Paket beim Paketdienstleister ein. Dieses Paket läuft jedoch nicht zur vorgesehenen Retourenadresse, sondern zu einer anderen Anschrift.
Entscheidend ist der Trackingstatus. Am Ende steht im System: zugestellt. Damit liegt gegenüber Amazon ein scheinbar sauberer Nachweis der Rücksendung vor, und die Erstattung läuft durch.
Das Ergebnis: Der eBay-Kunde hat seine Ware. Der Täter hat das Geld des eBay-Kunden und zusätzlich den Kaufpreis seines Amazon-Einkaufs. Den Schaden trägt der Händler beziehungsweise die Marke, über deren Amazon-Angebot die Ware lief. Amazon nennt das Erstattungsverfahren für Verkäufer SAFE-T (Seller Assurance for E-Commerce Transactions). Auch dort zählt am Ende der Trackingstatus, und der spricht gegen den Händler.
Ein Händler testet es selbst – DHL und Hermes fallen durch
Funktionieren manipulierte Retourenlabels wirklich? Diese Frage stellte sich ein betroffener Händler. Deshalb testete er es nach eigenen Angaben selbst.
Sein Ergebnis: Die Manipulation klappte bei DHL und bei Hermes. Bei DHL wanderte das Testpaket zunächst längere Zeit zwischen mehreren Zustellzentren hin und her. Am Ende landete es trotzdem an der manipulierten Adresse. Bei Hermes spielen laut seiner Darstellung die Adressdaten im QR-Code des Labels die entscheidende Rolle.
Damit wäre die zentrale Voraussetzung für die Masche erfüllt. Ein Retourenpaket durchläuft den kompletten Zustellprozess, ohne dass die eigentliche Retourenadresse es je erhält.
Bekannt, aber zu aufwendig? Was der Händler von DHL und Hermes hört
Nach Darstellung des Händlers sprach er beide Zusteller auf das Problem an. Dabei entstand bei ihm der Eindruck, die Schwachstelle sei durchaus bekannt. Eine kurzfristige technische Lösung sieht er trotzdem nicht. Er berichtet gegenüber Wortfilter, dass auch der Aufwand eine Rolle spiele, den eine zuverlässige Absicherung erfordern würde.
Das ist zunächst die Schilderung eines Betroffenen. DHL und Hermes sollten sie selbst einordnen. Bestätigt sie sich allerdings, bleibt die Lücke nicht auf die Paketbranche beschränkt. Sie taugt dann als Werkzeug für Betrug gegenüber Händlern und Marktplätzen.
Woran du die Masche im eigenen Konto erkennst
Auffällig wird das Muster meist erst im Rückblick. Prüfe deshalb Bestellungen, bei denen die Lieferadresse nicht zum Namen des Bestellers passt. Ebenso auffällig sind Bestellungen, die kurz darauf eine Erstattung auslösen.
Gleiche anschließend den Zustellstatus der Retoure mit deinem Wareneingang ab. Ein Paket gilt als zugestellt, taucht aber nie im Lager auf. Das ist das entscheidende Signal. Dokumentiere solche Fälle, melde sie an Amazon und an den Paketdienstleister. Bei größeren Summen lohnt zusätzlich eine Strafanzeige.
Drei Systeme, eine Lücke
Die Masche nutzt drei legitime Prozesse gleichzeitig aus. eBay sieht einen Verkäufer, dessen Kunden ihre Bestellungen erhalten. Amazon sieht einen Kunden, der bestellt und anschließend eine Retoure anmeldet. Der Paketdienstleister sieht ein Paket, das er eingeliefert, transportiert und zugestellt hat.
Jeder Vorgang wirkt für sich plausibel. Erst die Verbindung aller drei Informationen macht den Betrug sichtbar. Diese Lücke zwischen Marktplatz, Händler und Zusteller nutzen die Täter aus. Und solange niemand die Daten zusammenführt, bleibt die Masche für sie ein Geschäft mit kalkulierbarem Risiko.




