Amazon-Pakete kommen an – aber wer dahinter steckt, wechselt gerade im Wochentakt. Mehrere Amazon Delivery Service Partner (DSP) haben in den USA innerhalb weniger Wochen ihren Betrieb eingestellt, teils von heute auf morgen und ohne Vorankündigung. Amazon ist nicht der Arbeitgeber, also ist Amazon auch nicht zuständig.
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Taunton, Tennessee, Wisconsin – überall dasselbe Spiel
Am 17. April 2026 schloss Aloha Logistics LLC seinen Standort im Myles Standish Industrial Park in Taunton, Massachusetts. Rund zehn Beschäftigte verloren ihren Job. Die Kündigung war formal korrekt: Ein WARN-Bescheid wurde am 15. April eingereicht, zwei Tage vor Schließung. Mehr gab es nicht – keine öffentliche Erklärung, keine Rückmeldung auf Medienanfragen. (Hoodline, April 2026 )
Zwei Wochen früher, am 31. März, traf es „Pave it Forward Logistics“ in Lebanon, Tennessee. Über 50 Fahrer kamen morgens zur Arbeit und erfuhren, dass die Firma geschlossen hatte. Letzter Lohn? Ausstehend. Der DSP-Inhaber erklärte gegenüber Medien, es habe Amazon Gelder einbehalten, deshalb könne er nicht zahlen. Amazon sagte: Das sei Sache des DSP-Eigentümers. (WSMV, April 2026 )
In Weston, Wisconsin schloss Blue Thunder Logistics am 3. April mit zwei Tagen Vorwarnung. Zwischen 80 und 100 Fahrer standen von einem Tag auf den anderen ohne Job da. (WAOW, April 2026 )
Amazon haftet nicht – und das ist Absicht
Das DSP-Programm funktioniert nach einem klaren Prinzip: Amazon gibt Routen, Zeitfenster und Qualitätsstandards vor. Der DSP-Partner trägt Personalverantwortung, Versicherung, Fahrzeugkosten. Wenn ein DSP schließt, ist Amazon laut eigenem Statement lediglich bereit, Verbindungen zu anderen DSPs herzustellen. Lohnzahlungen, Abfindungen, WARN-Fristen – das ist Sache des jeweiligen Unternehmers.
In Kalifornien hat das National Labor Relations Board (NLRB) festgestellt, dass Amazon als gemeinsamer Arbeitgeber gelten kann, gemessen am tatsächlichen Kontrollgrad über die Fahrer. Amazon fechtet das an. Parallel dazu hat New York City einen „Delivery Protection Act“ in der Beratung, der Anbieter wie Amazon verpflichten würde, Last-Mile-Fahrer direkt anzustellen – oder zumindest Verantwortung bei DSP-Schließungen zu übernehmen.
Teamsters greifen an: DSP-Kündigung als Waffe gegen Gewerkschaft
Am 24. April 2026 weiteten die Teamsters ihre Streikposten aus: Fahrer des Amazon-Standorts DAX7 in Los Angeles hatten sich gewerkschaftlich organisiert. Amazon reagierte mit der Kündigung des DSP-Vertrags mit dem Betreiber „Next Stop“. Formal war Amazon damit wieder raus aus der Verantwortung – der Vertrag lief mit dem DSP, nicht mit den Fahrern. Die Teamsters werten das als illegale Vergeltungsmaßnahme. (Yahoo Finance, April 2026 )
Das Muster erinnert an den Fall DBK4 in Queens (September 2025): Auch dort wurden 100 Teamsters-Mitglieder über Nacht aus dem Job gedrängt, als Amazon den DSP-Vertrag beendete. Genau dieser Fall war der Auslöser für den New Yorker Delivery Protection Act.
Amazons Logistik in den USA ist fragiler als sie wirkt
Wer als Händler auf Amazon Logistics in den USA setzt, verlässt sich auf ein Netz aus Hunderten kleiner DSPs. Wenn einzelne davon wegbrechen – wegen schlechter Margen, interner Konflikte oder einfach weil der Betreiber aufgibt – entstehen Lücken in der Last-Mile-Zustellung. Amazon füllt diese Lücken in der Regel schnell. Aber das Risiko bleibt: Die Zustellung liegt in den Händen von Unternehmen, die unter erheblichem Kostendruck stehen und keine echte Absicherung haben.
Gleichzeitig steigt der politische Druck auf das DSP-Modell – nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Wer in der Logistikplanung eng mit Amazon zusammenarbeitet, sollte das im Blick behalten.
Amazons DSP-Modell steht vor einer Zerreißprobe
Die Häufung der DSP-Schließungen im April 2026 ist kein Zufall. Marktdruck, Gewerkschaftsorganisierung und politische Regulierung treffen gleichzeitig auf ein Geschäftsmodell, das bewusst auf dünner Haftungsbasis gebaut wurde. Ob Amazon das DSP-System langfristig in seiner jetzigen Form halten kann, wird spätestens dann eine Frage, wenn Gesetzgeber in New York – oder anderswo – anfangen, Antworten zu erzwingen.





