Amazon übernimmt Globalstar – den Satellitenbetreiber, der bislang Apples Notfall-SOS-Funktion auf iPhone und Apple Watch betreibt. Das Unternehmen aus Seattle zahlt rund 11 Milliarden US-Dollar und integriert Globalstar in sein eigenes Satellitennetz Amazon Leo. Apple bleibt als Kunde an Bord.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Was ist Globalstar?

Globalstar ist ein US-amerikanisches Satellitenkommunikationsunternehmen, das in Covington, Louisiana, ansässig ist. Das Unternehmen betreibt eine Konstellation von Satelliten im niedrigen Erdorbit (LEO) und bietet Sprach-, Daten- und Asset-Tracking-Dienste für Unternehmens-, Behörden- und Privatkunden an. Gegründet 1991 als Joint Venture mehrerer Telekommunikationsunternehmen, durchlief Globalstar zweimal eine Insolvenz – 2002 und 2009 – bevor das Unternehmen unter dem Großaktionär Charles Ergen stabilisiert wurde.

Den entscheidenden Wandel brachte eine Partnerschaft mit Apple im November 2024: Apple investierte 1,5 Milliarden US-Dollar in Globalstar – davon 400 Millionen als Eigenkapitalbeteiligung (rund 20 Prozent der Anteile) und 1,1 Milliarden als Infrastruktur-Vorauszahlungen. Im Gegenzug reserviert Globalstar 85 Prozent seiner Netzkapazität für Apples Emergency SOS via Satellite -Funktion, die seit dem iPhone 14 in jedem iPhone und in der Apple Watch Ultra 3 verbaut ist. Der Umsatz von Globalstar stieg 2025 auf einen Rekordwert von 273 Millionen US-Dollar, ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Was ist Amazon Leo?

Amazon Leo – bis Ende 2025 unter dem Namen Project Kuiper bekannt – ist Amazons Programm zum Aufbau eines kommerziellen LEO-Satellitennetzes. Das Ziel: mehr als 3.200 Satelliten in den Erdorbit bringen und damit Breitband-Internet sowie Direct-to-Device-Dienste (D2D) anbieten – direkt auf Smartphones und andere Endgeräte, ohne terrestrische Mobilfunkmasten. Bis Dezember 2025 hatte Amazon rund 212 Produktionssatelliten gestartet. Die US-Regulierungsbehörde FCC verpflichtet Amazon, bis Mitte 2026 die Hälfte der genehmigten ersten Satellitengeneration in den Orbit gebracht zu haben.

Amazon Leo steht damit in direktem Wettbewerb mit SpaceX Starlink, das derzeit mit mehreren tausend aktiven Satelliten den Markt dominiert. CEO Andy Jassy hat für 2026 Investitionen von rund 200 Milliarden US-Dollar konzernweit angekündigt, mit Satelliten-Infrastruktur als explizit genanntem Schwerpunkt. Amazon hat bereits Verträge mit JetBlue und Delta Air Lines abgeschlossen, um ab 2027 bzw. 2028 Satelliten-Internet auf Flügen anzubieten.

Die Übernahme: Konditionen und Ablauf

Amazon und Globalstar haben am 14. April 2026 eine endgültige Fusionsvereinbarung unterzeichnet. Globalstar-Aktionäre erhalten je Aktie wahlweise 90 US-Dollar in bar oder 0,3210 Amazon-Aktien – der implizite Eigenkapitalwert liegt bei rund 11 Milliarden US-Dollar. Die Barkomponente ist auf maximal 40 Prozent der Gesamtaktien begrenzt. Eine separate Aktionärsabstimmung ist nicht erforderlich: Aktionäre mit mehr als der Mehrheit der Stimmrechte haben der Transaktion bereits per schriftlicher Zustimmung zugestimmt.

Die Übernahme bringt Amazon Globalstars L-Band- und S-Band-Spektrum sowie bestehende Bodenstationen und Betriebsexpertise. Analysten bewerteten den Deal als strategischen Zeitkauf: Statt jahrelange Spektrumlizenzverfahren und eigene Bodenstation-Infrastruktur aufzubauen, kauft Amazon fertige operative Kapazitäten.

Apple bleibt Kunde – mit neuer Konstellation

Parallel zur Globalstar-Übernahme haben Amazon und Apple einen separaten Vertrag unterzeichnet: Amazon Leo übernimmt künftig die Satellitendienste für iPhone und Apple Watch. Dazu zählen Emergency SOS via Satellite, Messages via Satellite, Find My, Roadside Assistance via Satellite und weitere Funktionen. Amazon sichert den Betrieb auf Basis der bestehenden Globalstar-Konstellation, die vom kanadischen Unternehmen MDA Space gebaut wird. Ab 2028 soll eine eigene Amazon-Leo-D2D-Satellitengeneration folgen, die erweiterte Sprach-, Daten- und Messaging-Dienste direkt auf Mobiltelefone und IoT-Geräte liefert.

Apples Anteil an Globalstar – rechnerisch auf Basis des Übernahmepreises rund 2,2 Milliarden US-Dollar wert, verglichen mit dem ursprünglichen Einsatz von 400 Millionen – wird im Rahmen der Transaktion aufgelöst. Apple bleibt über den neuen Vertrag operativ eingebunden, verliert aber die Beteiligung an der Infrastruktur.

Einordnung

Statt 2026 den FCC-Fristen hinterherzulaufen, sichert sich Amazon sofort ein einsatzfähiges Netz, harmonisierte Spektrumlizenz-Assets und einen prominenten Anker-Kunden in Apple. Das gibt Amazon Leo eine glaubwürdige Direct-to-Device-Story gegenüber SpaceX Starlink – und macht das Satellitennetz für Mobilfunkanbieter, Fluggesellschaften und IoT-Anwendungen attraktiver. Für Apple ist der Deal ambivalent: Das Unternehmen verliert die Kontrolle über kritische Infrastruktur an einen direkten Wettbewerber im Smartphone- und Streaming-Markt.

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