Amazon hat das eigene Amazon Preisverlauf Tool ausgebaut: Käufer sehen jetzt direkt in der App, wie sich ein Produktpreis über 30, 90 und – neu – 365 Tage entwickelt hat. Es legt jede Preisstrategie der letzten zwölf Monate offen, von Rabattaktion bis zu Prime-Day-Vorbereitung. Wer im Marketplace verkauft, muss seine Preissetzung neu denken – und das wenige Wochen vor dem nächsten Prime Day. Jedenfalls dann, wenn er vom Verbraucher oder Wettbewerber nicht entdeckt werden möchte.
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Amazon legt deine Preise der letzten zwölf Monate offen
Der „Price history“-Button erscheint direkt neben dem Preis in der Amazon-App. Ein Tipp – und der Käufer sieht den Preisverlauf über 30, 90 oder 365 Tage. Alternativ liefert Rufus, der KI-Assistent, dieselben Daten auf Sprachbefehl. Verfügbar ist die Funktion bislang in den USA, Großbritannien und Indien (Quelle: The Verge ).
Eingeführt wurde der Tracker bereits 2024, damals begrenzt auf 30 und 90 Tage. Mit der Erweiterung auf ein volles Jahr verschiebt sich die Spielregel. Der Käufer erkennt auf einen Blick, ob ein Rabatt echt ist oder nur eine Rückkehr zum Normalpreis nach künstlicher Erhöhung. Drittanbieter-Tools wie CamelCamelCamel oder Keepa hatten dieses Wissen jahrelang exklusiv – jetzt liefert Amazon es selbst.
Streichpreis-Theater fliegt jetzt sofort auf
Wer kennt es nicht: Der Preis steigt zwei Wochen vor Prime Day, am Aktionstag fällt er auf das ursprüngliche Niveau – und Amazon zeigt einen fetten Rabatt. Genau diese Mechanik wird durch die 365-Tage-Ansicht entlarvt. Käufer sehen die Spitze und das Tal in einer Kurve. Der Streichpreis verliert seine Wirkung, weil der Vergleichspunkt nicht mehr der UVP ist, sondern der reale Preis vor sechs Monaten. In diesem Zusammenhang dürfte auch die Erweiterung des Tools zu sehen sein. Amazon geht strenger gegen solche Manipulationen vor. Wortfilter berichtete hier darüber.
Für Onlinehändler heißt das: Künstliche Preiserhöhungen vor Aktionsphasen funktionieren nicht mehr. Kunden vergleichen direkt im Produktlisting. Wer das ignoriert, riskiert nicht nur Vertrauensverlust, sondern auch eine niedrigere Conversion-Rate während der Aktion.
Bonta-Klage gibt dem Feature eine politische Note
Kalifornien hat Amazon mit einer Klage wegen Preisabsprachen überzogen. Generalstaatsanwalt Rob Bonta wirft dem Konzern vor, andere Händler zu zwingen, Produktpreise bei konkurrierenden Anbietern hochzusetzen oder die Produkte dort ganz aus dem Sortiment zu nehmen – um den eigenen Prime-Day-Rabatt größer aussehen zu lassen.
Das jetzt freigeschaltete 365-Tage-Fenster wirkt wie eine vorbeugende PR-Maßnahme. Amazon kann argumentieren: Wir machen alles transparent. In der Praxis verschiebt sich die Beweislast aber nach unten – auf die Marketplace-Händler. Denn ihre Preisbewegungen sind es, die in der Kurve sichtbar werden.
Was du als Händler jetzt konkret prüfen musst
Drei Punkte gehören auf den Tisch: Erstens die eigene Preishistorie der letzten zwölf Monate. Wer sprunghafte Preiserhöhungen direkt vor Aktionsphasen fährt, muss damit rechnen, dass sie sichtbarer werden. Zweitens die Repricer-Einstellungen. Automatische Preisanpassungen, die nur auf Wettbewerb reagieren, erzeugen Zickzack-Kurven, die Käufer abschrecken können. Drittens die Aktionspreis-Strategie für Prime Day. Ein „Rabatt“, der unter dem Niveau der Vormonate liegt, wirkt nicht mehr wie ein Schnäppchen.
Wer transparent bleibt und einen ehrlichen Aktionspreis fährt, gewinnt in der neuen Sichtbarkeit sogar Vertrauen. Wer trickst, verliert es schneller als bisher.
Der Marketplace wird transparenter – ob du willst oder nicht
Deutschland ist im aktuellen Rollout nicht dabei. Aber das ist eine Frage von Wochen, nicht von Jahren. Amazon rollt solche Features in der Regel zügig in alle Hauptmärkte aus, schon weil eine inkonsistente Käufererfahrung der Plattform mehr schadet als nutzt. Die EU-Kommission dürfte zudem Druck machen – Preistransparenz ist ein politisches Dauerthema.
Für deutsche Onlinehändler bleibt also wenig Zeit. Die Preisstrategie der letzten zwölf Monate wird in Kürze für jeden Käufer einsehbar sein. Wer jetzt nicht aufräumt, präsentiert Kunden bald die eigene Preis-Choreografie – mit allen Stolpersteinen.





