Drohnenangriffe auf Amazon AWS-Rechenzentren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain legen Amazons Cloud-Regionen Naher Osten seit Wochen lahm. Amazon hat am 30. April mitgeteilt, dass die Wiederherstellung weitere Monate dauert. Die Abrechnung in den betroffenen Regionen bleibt ausgesetzt. Für Onlinehändler mit Cloud-Setup im Mittleren Osten ist das ein Stresstest – und für alle anderen ein Lehrstück über Cloud-Risiken in Kriegszeiten.
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Drei Rechenzentren, ein halbes Jahr Reparatur
Iranische Drohnen haben Anfang März drei AWS-Standorte getroffen: zwei Rechenzentren in den VAE wurden direkt erfasst, ein Standort in Bahrain durch Splitter und Druckwelle einer nahen Detonation beschädigt. Amazon hat Schäden, ausgefallene Stromversorgung und Wasserschäden durch ausgelöste Brandlöschanlagen bestätigt. In einem Rechenzentrum fielen 14 EC2-Server-Racks komplett aus, fünf weitere wurden in Mitleidenschaft gezogen.
Die Cloud-Regionen ME-CENTRAL-1 (VAE) und ME-SOUTH-1 (Bahrain) laufen seitdem nicht mehr im Normalbetrieb. Reparaturen dauern laut Amazon noch mehrere Monate – die Gesamtausfallzeit nähert sich also einem halben Jahr. Für eine Hyperscaler-Region ist das beispiellos.
150 Millionen Dollar weg – und es geht weiter
Amazon hatte alle nutzungsabhängigen Gebühren für März 2026 erlassen. Geschätzte Kosten: 150 Millionen Dollar. Auch April, Mai und vermutlich die Folgemonate werden den Kunden nicht in Rechnung gestellt. Amazon empfiehlt seinen Kunden ausdrücklich, Workloads in andere Cloud-Regionen zu verschieben und auf Backups zurückzugreifen.
Der Dubai-Konzern Careem – Super-App für Mitfahrdienste, Lieferungen und Haushaltshilfen – hat seine Systeme über Nacht migriert und lief schnell wieder. Wer keine solche Notfall-Architektur vorhält, sitzt fest.
Was Onlinehändler aus dem Vorfall lernen müssen
Die meisten deutschen Onlinehändler hosten in Frankfurt oder Irland und sind vom konkreten Ausfall nicht direkt betroffen. Trotzdem ist der Fall für jeden wichtig, der einen Shop, ein ERP, ein WMS oder Marketing-Tools in der Cloud betreibt. Cloud-Ausfälle gehörten bisher in die Schubladen „Hardware-Defekt“, „Konfigurationsfehler“ oder „DDoS“. Jetzt kommt eine neue Schublade dazu: Krieg. Die Schublade Anschläge fehlt noch. Zum Glück.
Wer kritische Systeme nur in einer Region laufen lässt, hat keinen Plan B. Multi-Region-Setup, regelmäßige Backup-Tests und ein dokumentiertes Migrationsverfahren sind operative Pflicht. Genau das, was Careem in einer Nacht durchgezogen hat, müssen Händler vorher geübt haben.
Rechenzentren werden zum militärischen Ziel
Es ist der erste öffentlich bestätigte Fall, in dem ein Rechenzentrum eines US-Hyperscalers im echten Kriegsgeschehen physisch getroffen wurde. Das wirft eine Frage auf, die Branche und Politik bisher umschifft haben: Sollen Cloud-Rechenzentren wie militärische Anlagen geschützt werden? Der Londoner Entwickler Pure Data Centre Group hat angekündigt, neue Investitionen im Mittleren Osten bis auf Weiteres auszusetzen.
Damit wird Cloud-Geografie zum Risikofaktor. Konzentriert sich Cloud-Kapazität in geopolitisch instabilen Regionen, sind Ausfälle keine Ausnahme mehr, sondern eingepreist. Bei der Wahl von Cloud-Anbietern und Regionen lohnt der Blick nicht nur auf Latenz und Preis, sondern auch auf Bedrohungslagen.
Digitale Souveränität war noch nie greifbarer
Der Vorfall liefert ein konkretes Argument für die Debatte um digitale Souveränität. Wer alle Eier in einen Hyperscaler-Korb legt, ist von dessen Reparaturplänen, Versicherungen und Krisenmanagement abhängig. Mehr-Anbieter-Strategien, europäische Cloud-Optionen und lokale Backups sindMerke: Keine Aufwertungsfloskeln Risikominimierung.
Die Strait-of-Hormuz-Krise hat zudem eine Energiekrise ausgelöst, deren Auswirkungen auf Stromkosten, Lieferketten und IT-Infrastruktur weltweit spürbar werden. Wer jetzt nicht beginnt, Resilienz strikt nach Szenarien zu planen, holt das später unter höherem Druck nach.
Quelle: Ars Technica – Amazon stuck with months of repairs after drone strikes on data centers





