Betrug im Onlinehandel trifft in Deutschland mehr Verbraucher, kostet sie im Schnitt aber weniger Geld. Der Zahlungsdienstleister Adyen beziffert den durchschnittlichen Einzelschaden auf 394 Euro – nach 763 Euro im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Anteil der Geschädigten von 23 auf 25 Prozent. Das Risiko wird damit breiter, nicht teurer. Zugleich verändert die Furcht vor Betrug das Einkaufsverhalten.
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394 statt 763 Euro – Betrug im Onlinehandel wird billiger
Nach der aktuellen Adyen-Auswertung lag der durchschnittliche Schaden pro geschädigtem Verbraucher zuletzt bei 394 Euro, nach 763 Euro ein Jahr zuvor. Damit bleibt Deutschland unter dem europäischen Mittelwert von 415 Euro. Höhere Einzelschäden meldet Adyen für Polen (560 Euro), Belgien (529 Euro) und Tschechien (477 Euro). Den niedrigsten Wert unter den untersuchten Ländern weist Spanien mit 277 Euro aus.
Der Rückgang der Schadenssumme fällt mit einer gegenläufigen Bewegung zusammen. Der Anteil der Geschädigten erhöhte sich im selben Zeitraum von 23 auf 25 Prozent. Mehr Verbraucher machen Betrugserfahrungen, die einzelne Schadenshöhe sinkt.
Gen Z wird häufiger getroffen, zahlt aber weniger
Zahlungsbetrug verteilt sich ungleich über die Altersgruppen. In der Generation Z berichtet fast jeder zweite Befragte von Betrugserfahrungen im Onlinehandel, bei den Millennials sind es 38 Prozent. Mit steigendem Alter sinkt die Häufigkeit: In der Generation X liegt der Wert bei 19 Prozent, bei den Babyboomern bei neun Prozent.
Bei der Schadenshöhe kehrt sich das Verhältnis um. Trotz häufigerer Vorfälle fällt der durchschnittliche Schaden in der Generation Z mit 376 Euro niedriger aus als bei den Babyboomern, die im Schnitt 511 Euro verlieren. Jüngere Kunden geraten öfter an Betrüger, ältere verlieren pro Fall mehr.
Jeder Fünfte flüchtet zurück in den Laden
Die Sorge vor Betrug verändert die Kanalwahl. Fast jeder fünfte Verbraucher in Deutschland meidet aus Angst vor Onlinebetrug inzwischen den digitalen Einkauf und wechselt in den stationären Handel – im Vorjahr war es etwa jeder achte. Besonders deutlich zeigt sich die Bewegung bei jüngeren Kunden, obwohl diese Gruppe dem Onlinekauf grundsätzlich zugewandt ist.
Im europäischen Vergleich bleiben deutsche Verbraucher zurückhaltender mit ihren Bedenken. Sorgen rund um digitale Zahlungsmethoden äußern hierzulande 20 Prozent, europaweit 29 Prozent. Bei gespeicherten Zahlungsdaten liegen die Vorbehalte in Deutschland bei 17 Prozent, im europäischen Durchschnitt bei 24 Prozent. Künstliche Intelligenz gilt aus Verbrauchersicht weiterhin als Risikofaktor, am stärksten bei den Babyboomern: Gut 26 Prozent dieser Gruppe fürchten KI-gestützten Betrug.
Auch Händler geraten stärker ins Visier
Betrug im Onlinehandel trifft auch die Unternehmen. Bei 24 Prozent der Händler in Deutschland ist die Zahl der Betrugsversuche in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen. Dazu zählen Cyberangriffe, betrügerische Retouren und weitere Missbrauchsformen. Jedes vierte Unternehmen verzeichnet mehr KI-gestützte Betrugsversuche, bei mehr als jedem fünften Händler schlägt sich das bereits in höheren Betriebskosten nieder.
Die Abwehr verschiebt sich entsprechend. Fast ein Drittel der Unternehmen setzt KI ein, um betrügerische Transaktionen früher zu erkennen, weitere 37 Prozent planen Investitionen in solche Lösungen. Die Risikobewertung wird stärker automatisiert, ohne die menschliche Prüfung vollständig zu ersetzen.
Vertrauen wird zur härtesten Währung
Die durchschnittliche Schadenssumme sinkt, die Zahl der Betroffenen wächst – und mit ihr die Gruppe der Verbraucher, die dem Onlinekauf misstraut. Das eigentliche Risiko für Onlinehändler liegt weniger im einzelnen Schadensfall als in jenen Kunden, die aus Vorsicht in den Laden zurückkehren.
Betrugsprävention wird damit zum Teil der Conversion. Wer Zahlungswege absichert, ohne den Checkout zu verkomplizieren, hält die Kunden, die andere an die Konkurrenz oder an die Ladentheke verlieren. Die Investitionspläne der Branche deuten in diese Richtung: Sicherheit verschiebt sich vom Kostenfaktor zum Verkaufsargument.




