Was 2001 als RTL Shop startete, endet 25 Jahre später mit einem Insolvenzantrag: Channel21, Deutschlands drittgrößter Teleshopping-Sender, ist zahlungsunfähig. Das Amtsgericht Hannover ordnete am 23. März 2026 ein vorläufiges Insolvenzverfahren über die Channel21 GmbH an. Für rund 200 Beschäftigte beginnt eine ungewisse Phase – und für die gesamte Teleshopping-Branche ist es ein weiterer Sargnagel.
Inhaltsverzeichnis
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Von RTL Shop zu Channel21 – eine kurze Geschichte
Channel21 wurde 2001 unter dem Namen RTL Shop gegründet. 2008 wurde bekannt, dass RTL den Sender verkaufen will. Zum 1. Januar 2009 wurde der Teleshopping-Kanal dann in Channel21 umbenannt. Zu RTL-Zeiten moderierten bekannte Gesichter wie Walter Freiwald und Harry Wijnvoord die Sendungen.
In den folgenden Jahren wechselten die Eigentümer mehrfach. Trotz dieser Turbulenzen konnte sich Channel21 als feste Größe in der deutschen Teleshopping-Landschaft behaupten – bis jetzt.
Gerade erst hatte der Sender sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Anlässlich des Geburtstags gab es zuletzt auch einen Musterverkauf vor Ort in Hannover, mit dem der Sender noch einmal Geld in die Kassen bekommen wollte. Dann der Gang in die Insolvenz.
Was die Zahlen sagen
Laut Northdata bewegte sich der Umsatz von Channel21 zwischen 2019 und 2023 konstant im Bereich von rund 65 bis 90 Millionen Euro. Den Höhepunkt erreichte das Unternehmen 2022 mit fast 90 Mio. Euro Umsatz, 2023 fiel er wieder auf rund 82 Mio. Euro. Auf den ersten Blick solide – doch der Blick auf die Gewinnseite erzählt eine andere Geschichte.
Schon 2018 schrieb Channel21 einen Verlust von rund 6,5 Mio. Euro, 2019 folgten weitere −2,5 Mio. Euro. Lediglich 2020 und 2021 gelang es dem Unternehmen, knapp über die Nulllinie zu kommen. 2023 brach der Gewinn dann dramatisch ein: ein Verlust von rund 14 Mio. Euro – der schlechteste Wert der vergangenen Jahre.
Das zeigt das Problem: Der Umsatz war stabil, aber die Kosten fraßen alles auf. Ein Geschäftsmodell, das nicht mehr funktioniert.
Der Amazon-Effekt trifft die ganze Branche
Die Entwicklung zeigt, wie angespannt die Lage ist und wie stark der Druck auf klassische TV-Verkaufsformate geworden ist. Erst vor wenigen Wochen hatte der österreichische Teleshopping-Anbieter Mediashop ebenfalls Insolvenz angemeldet. Diese Entwicklungen sind ein Symptom für den sogenannten Amazon-Effekt: Während das lineare Fernsehen an Reichweite verliert, wandert die Kaufkraft zu Online-Plattformen ab.
Der Sender leidet wie die gesamte Branche unter der sinkenden Bedeutung des linearen Fernsehens. Auch E-Commerce-Plattformen machen dem Anbieter starke Konkurrenz. Zudem verlagert sich das Prinzip Shopping-Fernsehen immer mehr in soziale Medien.
Als Grund für seine Insolvenz nannte Mediashop Umsatzrückgänge infolge tiefgreifender Veränderungen im Konsumverhalten, einem hohen Wettbewerbsdruck und einer Verschiebung hin zu globalen Online-Plattformen. Die Diagnose trifft auf Channel21 genauso zu.
Sendebetrieb läuft vorerst weiter
Wichtige Entscheidungen können beim Sender ab sofort nur noch mit Zustimmung der vorläufigen Insolvenzverwalterin getroffen werden. Als solche wurde Rechtsanwältin Dr. Stefanie Zulauf eingesetzt. Schuldner wurden aufgefordert, offene Zahlungen nur noch gemäß der gerichtlichen Anordnung zu leisten.
Für Kunden ändert sich kurzfristig nichts: Bestellungen werden weiterhin bearbeitet. Langfristig hängt alles davon ab, ob ein Investor das Modell weiterentwickeln will – oder ob Channel21 endgültig vom Sender zum Archiveintrag wird.
Teleshopping hat keine Zukunft mehr
Channel21 ist kein Einzelschicksal, sondern das Ende eines Geschäftsmodells, das die Digitalisierung überrollt hat. Wer heute spontan ein Produkt kaufen will, öffnet Amazon, TikTok Shop oder Instagram – nicht den Fernseher. Zwei Insolvenzen in der Teleshopping-Branche innerhalb weniger Wochen sprechen eine klare Sprache. Das Modell RTL Shop, egal unter welchem Namen, hat keine Zukunft mehr.





