eBay hat heute offiziell bestätigt, das unaufgeforderte Übernahmeangebot von GameStop erhalten zu haben. Der Vorstand des Marktplatzes will den Vorschlag mit Finanz- und Rechtsberatern prüfen. GameStop-CEO Ryan Cohen bietet 125 US-Dollar je Aktie, je zur Hälfte in Cash und in GameStop-Aktien – eine Bewertung von rund 56 Milliarden Dollar. Cohen hat bereits einen Proxy Fight in Aussicht gestellt, falls der Vorstand mauert. Die GameStop eBay Übernahme entscheidet darüber, wer den Marktplatz künftig steuert.

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Aus Gerücht wird Pressemitteilung – in 72 Stunden

Am Freitagabend hatte das Wall Street Journal über die Pläne berichtet, am Sonntag legte Cohen das Angebot per Brief an den eBay-Vorstand vor. Heute Morgen reagierte eBay mit einer Pflichtmitteilung: Das Unternehmen habe vor Erhalt des Vorschlags keinerlei Kontakt zu GameStop gehabt. Der Vorstand werde den Vorschlag prüfen und sich erst nach abgeschlossener Bewertung weiter äußern. Aktionäre sollen vorerst nichts unternehmen.

Was wir auf wortfilter.de am Sonntag eingeordnet haben , ist damit aus dem Status „Gerücht“ raus. Es liegt ein konkretes Angebot vor, eBay bestätigt das, und Cohen geht über CNBC und Wall Street Journal in die Offensive.

125 Dollar je Aktie – und 20 Prozent Aufschlag

Das Angebot liegt bei 125 US-Dollar je eBay-Aktie, ausgezahlt zu 50 Prozent in Bargeld und zu 50 Prozent in GameStop-Aktien. Bezogen auf den Schlusskurs vom Freitag entspricht das einem Aufschlag von rund 20 Prozent. Gegenüber dem 4. Februar 2026 – dem Tag, an dem GameStop laut Reuters mit dem Aktienkauf begann – sind es 46 Prozent. Aus diesem heimlichen Einstieg ist inzwischen ein wirtschaftlicher Anteil von rund fünf Prozent entstanden, größtenteils über Derivate.

Die Finanzierung steht laut Cohen weitgehend. Auf der GameStop-Bilanz lagen Ende Januar 9,4 Milliarden Dollar an Cash und liquiden Mitteln. Hinzu kommt eine Kreditzusage – ein „highly-confident letter“ – von TD Securities über bis zu 20 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Wall Street Journal sprach Cohen offen über zusätzliche Eigenkapitalgeber: Staatsfonds aus dem Nahen Osten seien eine Option. Die Rechnung bleibt eng. Bei einem Volumen von 56 Milliarden Dollar fehlen auch nach Cash und Bankzusage noch rund 26 Milliarden, die über Aktienemissionen oder externe Investoren gedeckt werden müssten.

Der Markt glaubt nicht an den Deal

Die Reaktion der Börse fällt nüchterner aus, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die eBay-Aktie kletterte am Montag nur auf rund 109 Dollar – deutlich unter den gebotenen 125 Dollar. Diese Lücke ist die ehrlichste Stimmungsanzeige: Der Markt rechnet damit, dass der Deal in dieser Form nicht zustande kommt. GameStop selbst gab am Montag rund zehn Prozent ab. Wer Cash und Aktien als Gegenleistung verspricht, dessen eigenes Papier muss den Verwässerungseffekt mittragen.

Bernstein hat in einer Investorennotiz darauf hingewiesen, dass eBays eigener Turnaround bereits Wirkung zeigt. Im vierten Quartal 2025 und im ersten Quartal 2026 lieferte der Marktplatz zweistelliges Wachstum beim Bruttowarenwert (GMV). Für das zweite Quartal 2026 prognostiziert eBay einen Umsatz über den Erwartungen der Wall Street. CEO Jamie Iannone setzt auf Sammlerstücke, Autoteile, gebrauchte Mode und Live-Auktionen. Die offene Frage: Warum jetzt einen feindlichen Übernahmekampf starten, wenn das Geschäft endlich läuft?

Cohen droht offen mit Proxy Fight

Er sagte CNBC am Montag, GameStop habe noch keinerlei Gespräche mit eBays Management geführt – „we are just starting“. Mit fünf Prozent zähle GameStop bereits zu den größten Aktionären, der Vorstand habe deshalb eine treuhänderische Pflicht, das Angebot zu prüfen. Falls eBay blockiert, will Cohen direkt zu den Aktionären gehen. Die nächste eBay-Hauptversammlung ist im Juni geplant. Bis dahin ist die Plattform im Übernahmemodus.

Eine Information aus dem Cohen-Papier ist für Onlinehändler aufschlussreich. Cohen wirft eBay vor, in den letzten Jahren rund 2,5 Milliarden Dollar pro Jahr für Marketing ausgegeben zu haben – und damit die Zahl der aktiven Käufer trotzdem nicht zu wachsen. Tatsächlich liegt eBays aktive Käuferzahl seit 16 Quartalen unter dem Wert von Q1 2018. Aus dieser Lücke leitet Cohen die These ab: 2 Milliarden Dollar an jährlichen Kosten lassen sich innerhalb von zwölf Monaten nach Closing herausschneiden, ohne dass das Geschäft leidet. Der Gewinn je Aktie würde laut GameStop-Rechnung von 4,26 auf 7,79 Dollar steigen.

1.600 GameStop-Filialen als eBay-Annahmestellen

Cohens operatives Argument ist die Filialdichte. GameStop betreibt in den USA rund 1.600 Standorte. Diese sollen nach einer Übernahme als Annahme- und Authentifizierungspunkte für eBay-Verkäufer dienen, dazu für Versandabwicklung und Live Commerce. Die Schnittmenge ist gut: eBay hat sich zuletzt auf Sammelkarten, Sneaker und Collectibles fokussiert, GameStop ist über Trading Cards und Retro-Konsolen denselben Weg gegangen. Authentifizierungsstationen vor Ort sind das, was der hochpreisige Sammlermarkt braucht.

Der Marktplatzbetreiber bringt plötzlich eigene physische Infrastruktur mit. eBay würde aufhören, eine reine Software-Plattform zu sein. Wer als Händler heute Sammelkarten oder Sneaker auf eBay verkauft, hätte es künftig mit einem Plattformbetreiber zu tun, der selbst über Filialen, Lagerlogistik und eine eigene Käufer-Community verfügt. Der Trennstrich zwischen Marktplatz und Marktteilnehmer wird schmaler.

Das Depop-Problem hängt mit dran

Ein Detail, das in den Schlagzeilen untergeht: eBay hat eine eigene laufende Übernahme. Für 1,2 Milliarden Dollar will der Marktplatz die Second-Hand-Mode-App Depop kaufen. Dieser Deal ist noch nicht abgeschlossen. Sollte GameStop Erfolg haben, steht die Depop-Übernahme strategisch zur Disposition. Cohens Fokus liegt auf Collectibles und Live Commerce, nicht auf Mode-Wiederverkauf an Gen-Z. Für Händler in der Mode-Nische hängt damit zusätzlich die Frage in der Luft, ob eBay seinen Kurs auf Fashion und Resale überhaupt fortsetzt.

Cohens 35-Milliarden-Bonus läuft im Hintergrund mit

Ein Punkt, der den Übernahmekampf befeuert: Cohens neues Vergütungspaket sieht vor, dass er bis zu 35 Milliarden Dollar in Aktienoptionen erhalten kann – vorausgesetzt, GameStop erreicht einen Börsenwert von 100 Milliarden Dollar. Aktuell liegt der Wert bei rund 12 Milliarden. Eine eBay-Übernahme wäre der schnellste denkbare Weg dahin. Cohen hält rund 9 Prozent an GameStop und bezieht weder Gehalt noch Cash-Bonus. Das Paket ist ausschließlich an die Performance der Firma gekoppelt. Wer das Angebot bewertet, sollte diese Anreizstruktur mitlesen.

Was das jetzt für Onlinehändler heißt

Drei Punkte sind unmittelbar relevant. Erstens: eBay ist im Übernahmemodus. Der Vorstand muss sich auf Monate mit dem Angebot, der Verteidigung und einer möglichen Hauptversammlungs-Schlacht im Juni beschäftigen. Größere strategische Schritte – Plattform-Updates, Gebührenmodelle, Tools – werden in dieser Phase eher gebremst als beschleunigt.

Zweitens: Wenn der Deal kommt, kommt mit Cohen ein Eigentümer mit Geduld und E-Commerce-Erfahrung. Er hat Chewy gegründet und 2017 für 3,35 Milliarden Dollar an PetSmart verkauft. Das ist ein anderes Kaliber als das bisherige eBay-Management, das Milliarden in Aktienrückkäufe statt in Plattform-Investitionen gesteckt hat. Mehr Geld für Suche, KI, Bezahlung und Händlertools wäre die Folge.

Drittens: Wenn der Deal scheitert, ist eBay trotzdem nicht mehr dieselbe Plattform. Ein Fünf-Prozent-Aktionär, der eine feindliche Übernahme angestoßen hat, bleibt als Druckfaktor an Bord. Iannone und sein Vorstand werden sich rechtfertigen müssen, warum sie eine Prämie von 20 Prozent ausgeschlagen haben. Der Druck, mehr in die Plattform zu investieren statt in Aktienrückkäufe, steigt – mit oder ohne Cohen am Steuer.

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