Mehr als die Hälfte der Soloselbständigen und Kleinstunternehmen setzt KI inzwischen im Geschäftsalltag ein. Eine Erhebung des ifo Instituts beziffert die KI-Nutzung unter Selbständigen auf 51,2 Prozent, nach 30,4 Prozent ein Jahr zuvor. Damit ist der Abstand zur Gesamtwirtschaft, in der 54,5 Prozent KI verwenden, fast verschwunden. Für Onlinehändler, die in dieser Gruppe stark vertreten sind, beschreibt die Zahl den Übergang von der Option zum Standard. Zugleich zeigen die Daten, dass die wirtschaftliche Lage dieser Betriebe angespannt bleibt.

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Von 30 auf 51 Prozent in zwölf Monaten

Der Anstieg ist deutlich. Innerhalb eines Jahres kletterte die KI-Nutzung unter Selbständigen von 30,4 auf 51,2 Prozent, wie das ifo Institut in seiner Auswertung für Mai 2026 mitteilt. Weitere 16,2 Prozent der Befragten planen den Einstieg. Rechnet man diese Gruppe hinzu, umfasst der Kreis aus Anwendern und Interessenten binnen kurzer Zeit gut zwei Drittel der Selbständigen.

Bemerkenswert ist die Annäherung an die Gesamtwirtschaft. Lange galten kleine Betriebe als Nachzügler bei digitalen Werkzeugen. Der verbleibende Abstand von gut drei Prozentpunkten lässt diese Lesart kaum noch zu. „KI ist für Selbständige kein Zukunftsthema mehr“, ordnet ifo-Expertin Katrin Demmelhuber ein. „KI-Tools sind in ihrem Alltag angekommen.“

Bezahlte Dienste vor kostenlosen Tools

Bei der Auswahl der Werkzeuge dominieren externe Angebote. Knapp 59 Prozent der Selbständigen greifen auf kostenpflichtige KI-Dienste zurück, 53 Prozent nutzen kostenlose Tools, beides teils parallel. Nur 7 Prozent setzen auf selbst entwickelte Systeme. Die Bereitschaft, für KI zu zahlen, deutet darauf hin, dass die Anwendungen einen messbaren Nutzen liefern und nicht bloß ausprobiert werden.

Die Einsatzfelder decken sich weitgehend mit dem Arbeitsalltag im Onlinehandel. Genutzt wird KI vor allem für Recherche und Informationsbeschaffung, zur Ideenfindung, für Text- und Content-Erstellung, für Übersetzungen sowie im Marketing und Vertrieb. Produktbeschreibungen, Newsletter, fremdsprachige Listings und die Aufbereitung von Marktdaten zählen zu den Aufgaben, die sich mit diesen Werkzeugen beschleunigen lassen.

Was die Zahlen für Onlinehändler bedeuten

Wer Texte, Übersetzungen oder Recherche weiter vollständig manuell erledigt, konkurriert mit Wettbewerbern, die dieselben Aufgaben in einem Bruchteil der Zeit bearbeiten. Der Vorsprung, der sich aus reiner Fleißarbeit ergab, schmilzt, sobald die Mehrheit auf vergleichbare Werkzeuge zugreift.

Was bleibt, ist die Qualität der Anwendung. KI senkt die Kosten für Standardtexte, ersetzt aber weder Sortimentsentscheidungen noch die Kenntnis der eigenen Zielgruppe. Der Wettbewerbsvorteil verlagert sich von der Frage, ob KI eingesetzt wird, zur Frage, wie präzise sie in bestehende Abläufe eingebettet ist. Ein automatisch erzeugter, aber ungeprüfter Produkttext kann auf Marktplätzen mehr schaden als nützen.

Aufgehellt, aber nicht erholt

Die wachsende KI-Nutzung trifft auf eine angespannte Geschäftslage. Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Selbständige stieg im Mai von -29,9 auf -27,7 Punkte. Die Unzufriedenheit mit den laufenden Geschäften ging zurück, der Blick auf die kommenden Monate fiel etwas weniger pessimistisch aus.

Eine Erholung lässt sich daraus nicht ableiten. Der Index bleibt deutlich tiefer im Minus als der Wert für die Gesamtwirtschaft. „Die Situation für Selbständige hat sich leicht stabilisiert, bleibt aber fragil“, sagt Demmelhuber. Vor diesem Hintergrund erscheint die Hinwendung zur KI weniger als Experimentierfreude denn als Versuch, mit knappen Mitteln produktiv zu bleiben.

Standard statt Sonderfall

Die Erhebung markiert einen Wendepunkt: KI ist bei Selbständigen keine Frage der Vorreiter mehr, sondern Teil der Grundausstattung. Für Onlinehändler folgt daraus weniger ein Zwang zur Eile als die Notwendigkeit, den Einsatz gezielt zu steuern. Wer KI sauber in Recherche, Content und Übersetzung einbindet, gewinnt Zeit. Wer sie ungeprüft laufen lässt, verlagert das Risiko nur an eine andere Stelle.

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