Otto hat im Geschäftsjahr 2025/26 seinen Plattformumsatz (GMV) um 6 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro gesteigert – und damit nach eigenen Angaben schneller gewachsen als der deutsche E-Commerce-Markt insgesamt. Doch der direkte Vergleich mit eBay und Amazon zeigt: Otto bleibt hinter den Wachstumsraten der globalen Marktplatzbetreiber zurück.

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Ottos Zahlen im Detail

Der Plattformumsatz (GMV) stieg um 6 Prozent auf rund 7,5 Milliarden Euro. Gemäß IFRS-Rechnungslegung legte der Umsatz um 7 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro zu. Das eigene Handelsgeschäft wuchs um 3 Prozent, der Marktplatz mit rund 6.100 Partnern um 9 Prozent.

Besonders stark legten Fashion & Sports (+9 % GMV) und Home & Living (+7 % GMV) zu. Das Retail-Media-Geschäft von OTTO Advertising steigerte den werbeinduzierten GMV um 49 Prozent. Die Zahl der aktiven Käufer wuchs auf 12,6 Millionen – ein Plus von 4 Prozent. Bis 2028 peilt Otto 10 Milliarden Euro Umsatz an.

Zum Vergleich: Der deutsche E-Commerce-Markt wuchs laut bevh insgesamt um rund 3 Prozent. Otto übertraf diesen Schnitt – liegt aber unter den Wachstumsraten seiner internationalen Wettbewerber.

eBay wächst schneller als Otto

eBay erzielte im Gesamtjahr 2025 einen globalen GMV von 79,6 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im vierten Quartal 2025 beschleunigte sich das Wachstum auf 10 Prozent (FX-neutral: 8 %), mit einem Quartal-GMV von 21,2 Milliarden Dollar.

Damit wuchs eBay im Jahresvergleich prozentual stärker als Otto. Maßgebliche Treiber waren das C2C-Segment, das nach Jahren der Investitionen wieder Fahrt aufnahm, sowie das Recommerce-Geschäft mit gebrauchten und aufgearbeiteten Waren – beide zusammen machen inzwischen über 40 Prozent des eBay-GMV aus.

Amazon: Anderer Maßstab, höheres Tempo

Amazon veröffentlicht keinen GMV im klassischen Sinne, gibt aber die Umsätze aus dem Produktgeschäft separat aus. Im vierten Quartal 2025 legte das Online-Store-Segment um 8 Prozent zu. Das Drittanbieter-Marktplatzgeschäft wuchs im Gesamtjahr 2025 um 15 Prozent auf geschätzte 575 Milliarden US-Dollar.

Amazon ist 2025 in Deutschland zweistellig gewachsen: Je nach Quelle lag das Plus bei rund 12% auf 45,9 Mrd. US-Dollar Umsatz oder bei +8% auf etwa 40,6 Mrd. Euro umgerechnet. Beide Angaben beschreiben denselben Trend: Deutschland blieb für Amazon 2025 der größte europäische Markt und wuchs stärker als im Vorjahr.

Der gesamte Amazon-GMV – Eigen- und Fremdverkäufe zusammen – wird auf rund 830 Milliarden US-Dollar für 2025 geschätzt. Drittanbieter stellen inzwischen 69 Prozent davon. Zum Vergleich: Ottos gesamter GMV entspricht weniger als einem Prozent des Amazon-Volumens.

Otto wächst – aber nicht am schnellsten

PlattformGMV-Wachstum (letztes Geschäftsjahr)
Otto+6 % (GJ 2025/26)
eBay+7 % (Gesamtjahr 2025)
Amazon (Online Stores)+8 % (Q4 2025)
Amazon (3P Marketplace)+15 % (Gesamtjahr 2025)

Otto wächst schneller als der deutsche Marktschnitt – das ist die Kernbotschaft des Unternehmens. Aber eBay legte auf Jahresbasis einen Prozentpunkt mehr zu, und Amazon übertrifft Otto im reinen Marktplatzgeschäft mehr als doppelt so stark. Das relativiert das Bild deutlich.

KI und Internationalisierung als nächste Wachstumsstufe

Otto hat im März den Rollout eines eigenentwickelten KI-Assistenten gestartet, der auf Google-Technologie basiert. Das System soll Kunden durch gesprochene Beratungsgespräche zum passenden Produkt führen – und dabei das klassische stationäre Beratungserlebnis digital replizieren.

Parallel öffnet Otto seinen Marktplatz schrittweise für internationale Anbieter: Zunächst dürfen Händler aus den Niederlanden ihre Sortimente listen, später folgen Polen, Österreich, Frankreich und Spanien. Das soll das Sortiment weiter ausbauen – aktuell sind 19 Millionen Artikel auf der Plattform verfügbar.

Das Wachstum kostet

Otto wächst nicht kostenlos. Um die Kostenbasis bis 2027/28 auf 500 Millionen Euro zu senken, baut das Unternehmen rund 460 Stellen ab. Das Sparprogramm läuft parallel zur Wachstumsstrategie – ein Balanceakt im Plattformgeschäft.

Für Online-Händler, die auf Otto verkaufen oder einen Einstieg erwägen: Die Plattform wächst, der Marktplatz-Anteil nimmt zu. Gleichzeitig zeigt der Vergleich mit eBay und Amazon, dass Otto strukturell ein anderes Wettbewerbsfeld bespielt – und dort noch Luft nach oben hat.

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