Produktbilder gewichten Konsumenten im Onlinehandel inzwischen höher als den Preis. Diese These steht im Zentrum eines Factsheets von Canon, das Marktdaten zur Bilderfassung im E-Commerce zusammenträgt. Die zentrale Zahl: 90 Prozent der Käufer halten die Bildqualität für wichtiger als Kosten und Bewertung eines Produkts. Zugleich liefert jeder vierte Shop zu wenige Aufnahmen, damit Kunden eine Ware seriös prüfen können. Weil die Daten aus einer Hersteller-Publikation stammen, lohnt eine nüchterne Lesart – die Richtung der Zahlen bleibt für Onlinehändler trotzdem aufschlussreich.
Inhaltsverzeichnis
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Produktbilder verlagern den Kauf ins Netz
Der Handel verschiebt sich ins Digitale, und zwar bis in Branchen, die lange als Vor-Ort-Geschäft galten. 90 Prozent der Autokäufer prüfen ihre Optionen zuerst online, bevor sie ein Autohaus betreten. Bei jungen Käufern von Schmuck greift fast die Hälfte – 45 Prozent – direkt zum Smartphone. Canon rechnet zudem damit, dass bis 2024 rund 24 Prozent aller Einzelhandelskäufe online ablaufen, mit weiterem Wachstum in den Folgejahren.
Einen Teil dieses Wachstums treibt der Social Commerce. Der über soziale Medien erschlossene Markt soll laut Factsheet bis Jahresende ein Volumen von 1,3 Billionen US-Dollar erreichen – ein Plus von 30,8 Prozent gegenüber 2021. Wer hier auffallen will, kämpft gegen die schiere Masse: Ein durchschnittlicher Online-Shop führt 999 Artikel, und viele aktualisieren ihr Sortiment wöchentlich. Das Produktbild wird damit zum knappen Moment, in dem ein Angebot überzeugt oder untergeht.
Das Bild schlägt den Preis
Die auffälligste Zahl des Factsheets betrifft die Gewichtung. 90 Prozent der Konsumenten stufen die Bildqualität höher ein als Preis und Bewertung eines Produkts. Eine starke Aufnahme trägt damit den ersten Eindruck, noch bevor Rabatte oder Sterne überhaupt wirken.
Dem steht ein klares Defizit gegenüber. 25 Prozent der E-Commerce-Websites zeigen zu wenige Bilder, damit Kunden ein Produkt genau betrachten und bewerten können. 14 Prozent der Einzelhändler sehen darin sogar ein Risiko, denn schwach fotografierte Ware wirke minderwertig, und in vielen Fällen schade ein schlechtes Bild mehr als gar kein Bild. Die Lücke zwischen dem Anspruch der Käufer und der Praxis vieler Shops bleibt damit groß.
Wer drehen darf, kauft eher
Viele Anbieter reagieren mit Automatisierung. 76 Prozent der Marken setzen sie bereits in der Vermarktung ein – vom Testing bis zum Targeting –, um Zeit zu sparen und Abläufe zu beschleunigen. Die Produktfotografie selbst gilt laut Canon noch als Wachstumsfeld, in dem Automatisierung bislang seltener greift.
Parallel rücken dreidimensionale Darstellungen nach. 38 Prozent der Vermarkter nutzen Augmented Reality (AR) bereits für ihre Produkte. Und 66 Prozent der Online-Käufer geben an, dass 3D- und AR-Visualisierungen auf Produktseiten ihre Kaufentscheidung erleichtern. Die Technik verschiebt damit die Messlatte, denn wer ein Produkt drehen, zoomen oder im Raum platzieren kann, beurteilt es sicherer und bestellt eher.
Eine Hersteller-Zahl ist noch kein Marktgesetz
Bei aller Deutlichkeit verlangen die Zahlen eine vorsichtige Lesart. Das Factsheet stammt von Canon , einem Anbieter von Bilderfassungstechnik, und es bündelt Quellen unterschiedlicher Herkunft, von Branchenblogs bis zu Marktforschern. Einzelne Werte beziehen sich zudem auf ältere Prognosen, denn die 24-Prozent-Marke zielte auf 2024, und der Social-Commerce-Wert vergleicht mit dem Basisjahr 2021. Die Größenordnungen taugen deshalb als Richtungsanzeige, weniger als tagesaktuelle Messung.
Die Stoßrichtung bleibt für Onlinehändler dennoch belastbar. Bildqualität wirkt als Verkaufsargument mit messbarem Gewicht, und der Abstand zwischen den Erwartungen der Käufer und der Praxis vieler Shops ist real. Wer seine Produktbilder konsequent verbessert, bewegt damit eine der wenigen Stellschrauben, die Conversion und Retourenquote gleichzeitig beeinflussen.




