Die Zoll-Bilanz 2025 zeigt, was Onlinehändler spüren: Der Paketdruck aus Drittländern steigt rasant. Im Bereich Post- und Kuriersendungen behandelte der Zoll 192 Millionen Warenpositionen mehr als im Vorjahr . Insgesamt fertigte der Zoll knapp 790 Millionen Warenpositionen mit einem Warenwert von rund 1,4 Billionen Euro ab. Der internationale Onlinehandel ist damit der zentrale Treiber des Mehraufkommens. Für deutsche Händler verschärft sich der Wettbewerb mit Shein, Temu und Co.

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192 Millionen Pakete mehr – und du sollst mithalten

Der Sprung ist gewaltig. Allein im E-Commerce verzeichnet der Zoll 192 Millionen zusätzliche Warenpositionen gegenüber 2024. Das sind Sendungen aus Nicht-EU-Staaten, vor allem aus China, die per Post oder Kurierdienst nach Deutschland kommen. Der Anteil von E-Commerce am internationalen Handel wächst seit Jahren rasant, so der Zoll.

Die Pressekonferenz fand am Flughafen Leipzig/Halle statt. Leipzig ist eines der größten Luftfrachtdrehkreuze Europas und der Knotenpunkt für viele Drittland-Sendungen, die täglich ins deutsche Marktgefüge drücken. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ließ sich den Abfertigungsprozess vor Ort erklären.

Kontrolle in der Praxis: schnell und risikoorientiert

Der Zoll beschreibt seine Linie selbst als „schnell und risikoorientiert“. Heißt im Klartext: Nicht jede Sendung wird geöffnet, sondern auf Basis von Risikoprofilen gezielt herausgegriffen. Bei 790 Millionen Warenpositionen ist eine Vollkontrolle technisch nicht leistbar. Stattdessen setzt der Zoll auf ein digitales Abfertigungssystem und ein bundesweites Personaleinsatzkonzept, das Zollämter gegenseitig unterstützen lässt.

Für Paketdienstleister wie DHL, DPD, UPS, GLS und Hermes bedeutet die Risikoanalyse mehr Schnittstellenarbeit. Sie liefern die Daten, der Zoll filtert. Die Abfertigung erfolgt elektronisch über das System ATLAS-IMPOST für Sendungen bis 150 Euro Wert. Was als verdächtig markiert wird, geht in die physische Prüfung.

4,6 Millionen Fälschungen – fast eine halbe Milliarde Schaden

Der Zoll stellte 2025 rund 4,6 Millionen Produktfälschungen mit einem geschätzten Wert von knapp 450 Millionen Euro sicher. Das trifft genau die Marken und Händler, die hierzulande mit Originalware konkurrieren. Wer Markenprodukte verkauft, sieht sich Plagiaten gegenüber, die über Drittland-Pakete in den Markt sickern.

Daneben zog der Zoll 256 Millionen Zigaretten, 7.500 illegale Waffen und 1,8 Millionen Stück Munition aus dem Verkehr. Auch 56.600 geschützte Tiere, Pflanzen oder daraus gefertigte Waren wurden beschlagnahmt. Der Verbraucherschutz-Aspekt wiegt schwer – aber für Onlinehändler ist die Fälschungs-Zahl die relevanteste.

Faire Wettbewerbsbedingungen – das Versprechen mit Lücken

Bundesfinanzminister Klingbeil betonte, der Zoll sorge für faire Wettbewerbsbedingungen. Das Versprechen klingt gut, hat aber Lücken. Bei 192 Millionen zusätzlichen Sendungen aus Drittländern lässt sich nur ein Bruchteil prüfen. Sendungen unter der 150-Euro-Schwelle sind zollfrei – Einfuhrumsatzsteuer wird über IOSS oder beim Empfang erhoben. Wer aus China direkt verschickt, hat strukturell andere Kostenpunkte als ein Händler aus Bayern.

Klingbeil kündigte 1.500 zusätzliche Kräfte für den Zoll an. Außerdem sollen neue rechtliche Befugnisse und technische Instrumente folgen. Der Präsident der Generalzolldirektion, Dr. Armin Rolfink, verweist auf die enge Verzahnung der Einheiten und die Zusammenarbeit mit Partnerbehörden.

157 Milliarden Euro Einnahmen – wer zahlt eigentlich?

Der Zoll nahm 2025 rund 157 Milliarden Euro ein. Davon entfielen rund 74 Milliarden Euro auf die Einfuhrumsatzsteuer, 65 Milliarden auf Verbrauchsteuern, 10 Milliarden auf die Kraftfahrzeugsteuer und 6 Milliarden auf Zölle, die an den EU-Haushalt fließen. 2 Milliarden Euro kamen aus der Luftverkehrsteuer.

Die Einfuhrumsatzsteuer trägt der Importeur – auch der Endkunde, der bei Temu oder Shein bestellt. Wer als deutscher Händler über die EU einkauft, hat die Steuer ohnehin im Vorsteuerabzug. Wer aus China direkt an den deutschen Konsumenten verschickt, sollte sie über IOSS abführen. Genau hier sehen Verbände und Politik die größte Hebelwirkung für mehr Wettbewerbsgleichheit.

Was die Bilanz für Onlinehändler wirklich heißt

Die nackten Zahlen lassen wenig Spielraum für Optimismus. Drittland-Pakete wachsen schneller als die Kontrollkapazitäten. Auch mit 1.500 zusätzlichen Kräften bleibt die Quote der physischen Prüfungen marginal. Die Hoffnung auf den großen Durchgriff wird durch die schiere Masse begrenzt.

Für dich als Onlinehändler bleibt der Druck hoch. Plagiate, Produktsicherheit, CE-Kennzeichnung – wer hier sauber arbeitet, hat Kostennachteile gegenüber Anbietern, deren Ware den Markt ohne vergleichbare Prüfung erreicht. Die Bilanz 2025 ist damit weniger eine Erfolgsmeldung als eine Zustandsbeschreibung: Der Onlinehandel verlagert sich. Wer darauf wartet, dass der Zoll es richtet, wartet zu lange. Im Grunde beschreibt der Zollbericht ein totalversagen. Klingt hart, ist aber genau so.

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