Die GameStop eBay Übernahme wird zur offenen Schlacht: GameStop-CEO Ryan Cohen will den Online-Marktplatz für 125 US-Dollar pro Aktie schlucken, insgesamt 56 Milliarden US-Dollar. eBay hat das Angebot am Dienstag als „weder glaubwürdig noch attraktiv“ zurückgewiesen. Cohen reagiert mit einer Drohung: feindliche Übernahme, direkter Gang zu den Aktionären. Für Onlinehändler heißt das: einer der beiden zentralen westlichen Marktplätze könnte einem neuen Eigentümer gehören, der ein Viertel der Größe hat. Hier berichtet Wortfilter bisher zur GameStop eBay Übernahme.
Inhaltsverzeichnis
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Der Zwerg will den Riesen kaufen – mit fremdem Geld
GameStop ist an der Börse rund 10,3 Milliarden US-Dollar wert. eBay liegt bei etwa 45 Milliarden. Trotzdem hat Cohen ein Angebot vorgelegt, das eBay viermal so hoch bewertet wie das eigene Unternehmen. Die Engadget-Quelle beziffert das Gesamtvolumen auf 56 Milliarden US-Dollar bei 125 US-Dollar pro Aktie – ein Aufschlag von 20 Prozent auf den eBay-Kurs.
Die Struktur: halb Cash, halb GameStop-Aktien. Für den Bargeld-Teil plant Cohen 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital aufzunehmen. Auf die Frage, woher das restliche Geld kommen soll, konnte er bisher keine Antwort liefern. Genau das ist einer der Punkte, die der eBay-Vorstand in seiner Ablehnung anführt.
eBay-Chef: drei Argumente, ein Nein
Verwaltungsratschef Paul Pressler hat das Angebot in einem Brief abgelehnt, der laut Bloomberg vorliegt. Drei Kritikpunkte stehen darin: die Finanzierung, die Schuldenlast eines fusionierten Unternehmens und die Governance- sowie Vergütungsstrukturen bei GameStop. Pressler verweist auf eine Turnaround-Strategie bei eBay, die das Unternehmen wieder wettbewerbsfähig gegen Amazon mache, und auf die laufende Kapitalrückgabe an Aktionäre.
Die Zahlen, die Pressler im Rücken hat: 136 Millionen aktive Nutzer auf eBay, 80 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen pro Jahr, 11,6 Milliarden US-Dollar Umsatz aus Verkäuferprovisionen, Werbung und Payment.
Cohen kontert mit 144-Millionen-Vorwurf
Cohen hat am Mittwoch einen zweiten Brief an Pressler geschickt. Inhalt: scharfe Kritik an der eBay-Führung. Der GameStop-Chef wirft eBay vor, sein Angebot ohne substanzielle Diskussion abgelehnt zu haben. Sein Hebel: eBay-CEO Jamie Iannone habe in seiner Amtszeit 144 Millionen US-Dollar Vergütung erhalten, während die aktive Käuferbasis von eBay zurückgegangen sei. Das berichtet Investing.com unter Berufung auf die Financial Times.
Der eBay-Vorstand hat ein Treffen mit Cohen abgelehnt. Cohen hat daraufhin angekündigt, das Angebot direkt den Aktionären zu unterbreiten – der klassische erste Schritt einer feindlichen Übernahme.
5 Prozent in der Tasche – das Druckmittel
GameStop hat in den vergangenen Wochen eine Beteiligung von 5 Prozent an eBay aufgebaut. Diese Position dient als Sprungbrett für mehrere Optionen: Stimmen auf der Hauptversammlung, Antrag auf Austausch des Verwaltungsrats per Proxy Fight, öffentlicher Druck auf andere Großaktionäre.
Cohen selbst hat einen finanziellen Anreiz, das Ganze durchzuziehen. Laut einem Bericht des Wall Street Journal kann er bei GameStop Aktien im Wert von 35 Milliarden US-Dollar bekommen, wenn er den Börsenwert des Spielwarenhändlers auf 100 Milliarden US-Dollar hebt. Eine Übernahme von eBay wäre dafür die Abkürzung.
Was Händler jetzt im Auge behalten müssen
Ein Eigentümerwechsel hätte Folgen für Gebührenmodell, Plattformregeln, Werbeprodukte und die Roadmap. GameStop schließt selbst gerade Filialen – über 400 Läden in den USA wurden in diesem Jahr dicht gemacht. Wer einen solchen Schrumpfkurs fährt, hat selten Geld für teure Plattform-Investitionen übrig.
Ein zweiter Aspekt: Cohen müsste 20 Milliarden US-Dollar Fremdkapital aufnehmen. Wenn das fusionierte Unternehmen diese Schuldenlast bedienen muss, geht das in der Regel zu Lasten der Margen – und damit oft auch zu Lasten der Konditionen für Marktplatz-Verkäufer.
Vom Meme-Stock zum Marktplatz-Käufer
GameStop war der Ur-Meme-Stock. Im Januar 2021 hat ein Short Squeeze den Kurs in Wochen vervielfacht. Seitdem hat das Unternehmen mehrere Strategiewechsel hinter sich: NFTs, dann Retro-Gaming, jetzt der Versuch, ein Plattform-Konzern zu werden. Eine eBay-Übernahme wäre die größte Wette, die Cohen je gewagt hat. Eine Wette mit fremdem Geld, gegen einen Vorstand, der nicht reden will, und mit einem Hebel von eins zu vier.
Wie es weitergeht, hängt jetzt an drei Punkten: ob Cohen Banken findet, die ihm die 20 Milliarden geben; wie eBay-Aktionäre auf ein öffentliches Angebot reagieren; und ob die Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa eine Fusion überhaupt zulassen würden. Yahoo Finance bestätigt, dass Cohen jetzt direkt zu den Aktionären gehen will. Der nächste Schritt ist damit gesetzt.
Ein Aspekt scheint bei vielen Berichterstattungen ins Vergessen zu geraten: Die teilweise identische Aktionärsstruktur!





