Das Amazon Logistikzentrum Zweibrücken geht zum Weihnachtsgeschäft in Betrieb. Ich habe die Halle heute mit einer kleinen Gruppe Journalisten vor der Inbetriebnahme gesehen, intern läuft der Standort unter dem Kürzel SCN4. Auf 51.000 Quadratmetern arbeiten künftig 2.500 Transportroboter, 32.000 mobile Regale und rund zehn Kilometer Fördertechnik zusammen. Zudem können über 400.000 Produkte das Lager täglich verlassen. Wer im Südwesten ein eigenes Lager betreibt oder FBA nutzt, bekommt damit ab Herbst einen Nachbarn mit enormer Kapazität.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Sieben Fußballfelder: So groß ist das Amazon Logistikzentrum Zweibrücken

Die Halle misst 354 Meter in der Länge, 144 Meter in der Breite und 15 Meter in der Höhe. Das entspricht rund sieben Fußballfeldern. Ein Neubau ist das Gebäude allerdings nicht: Es stand nach dem Weihnachtsgeschäft 2024 fast durchgehend leer . Amazon hat es innen komplett umgebaut und dabei eine zweite Etage plus ein Mezzaningeschoss eingezogen. Dazu kam ein Anbau mit Kantine, Betriebsratsbüro und Gebetsräumen.

Auf dem Dach liegt eine Photovoltaik-Anlage, außerdem klimatisiert Amazon die komplette Halle. Allein in Zweibrücken investierte der Konzern mehrere hundert Millionen Euro. Damit betreibt Amazon sein viertes Logistikzentrum in Rheinland-Pfalz nach Koblenz, Frankenthal und Kaiserslautern.

2.500 Roboter fahren nach QR-Code über den Hallenboden

Die 2.500 Transportroboter kamen aus Boston und laufen derzeit durch die Programmierung. Sie orientieren sich an QR-Codes im Hallenboden und schieben die gelben Regale direkt zu den Mitarbeitenden. Ein festes Sortiersystem gibt es dabei nicht: In jedem Regal kann alles stehen (chaotische Lagerhaltung). Zudem sind die Regale größer als an vielen anderen Standorten und wiegen beladen jeweils über 450 Kilogramm.

Zehn Kilometer Fördertechnik, die Paketrutschen sowie alle Be- und Entladestationen stecken bereits in der Halle. Aktuell stellen die Monteure die 32.000 mobilen Regale auf. Eingelagert wird künftig alles bis Postkistengröße, was ein Förderband trägt. In Summe passen mehrere Millionen Artikel in das Zentrum.

400.000 Einzelsendungen am Tag – das ist die eigentliche Leistung

Über 400.000 Produkte verlassen den Standort künftig pro Tag, überwiegend als Single-Item-Sendung (eine Bestellung, ein Artikel, ein Karton). Jede dieser Sendungen braucht deshalb einen eigenen Pick, eine eigene Verpackung und ein eigenes Label. Neu in Zweibrücken sind außerdem die „Made to fit“-Stationen, die den Karton auf die Größe des Inhalts anpassen. Diese Technik gibt es bislang erst an zwei weiteren deutschen Standorten.

Dazu kommen sogenannte Receive-Stationen, die das Auspacken angelieferter Ware erleichtern, sowie Hebestationen für die Warenboxen. Eine Lagerlogistik dieser Größenordnung im Rohbau zu sehen, gelingt selten. Die Ingenieursleistung dahinter ist beachtlich.

16,96 Euro Einstiegslohn – da kommt kaum ein KMU mit

Der niedrigste Einstiegslohn liegt bei 16,69 Euro brutto pro Stunde, dazu kommen etliche Zulagen. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-Betrieb, der nur sonntags pausiert. Außerdem legt Amazon die Arbeitsplätze ergonomisch aus und klimatisiert die Halle. Für den Werksverkehr gibt es eine eigene Bushaltestelle, die Zweibrücken, Homburg, Saarbrücken und Pirmasens anbindet.

Im Endausbau entstehen rund 1.500 Arbeitsplätze. Von zunächst 1.000 Stellen sind bereits 800 besetzt, darunter etwa 170 Fach- und Führungskräfte, die derzeit in Kaiserslautern lernen. Mit dem Hochlauf zum Jahresende kommen wöchentlich 100 bis 150 Arbeitskräfte dazu. Die meisten Bewerber stammen im Übrigen aus Pirmasens.

Wer im Südwesten ein Lager betreibt, spürt Zweibrücken zuerst

Lohnniveau und Arbeitsbedingungen setzen im Umkreis eine Marke. Wenn du in Pirmasens, Zweibrücken, Homburg oder Saarbrücken Lagerkräfte suchst, konkurrierst du ab Herbst mit einem klimatisierten Dreischichtbetrieb und 16,96 Euro Einstieg. Die wenigsten mittelständischen Händler zahlen diesen Lohn, Zulagen und bieten zusätzlich diese Arbeitsplätze.

Auf der Fulfillment-Seite bringt der Standort zusätzliche Kapazität in den Südwesten, und zwar kurz vor dem Weihnachtsgeschäft. Mehr Fläche im Netz bedeutet für FBA-Händler in der Regel entspanntere Einlagerungslimits und kürzere Wege zum Kunden. Wie stark der Effekt ausfällt, zeigt allerdings erst das vierte Quartal.

Der zehnte Standort in RLP – und die Kritiker sind leiser geworden

An den Logistikstandorten in Rheinland-Pfalz arbeiten mehr als 6.000 Menschen. Neben den Logistikzentren betreibt Amazon Verteilzentren in Neuwied, Trierweiler, Grolsheim, Kaiserslautern, Frankenthal und Ramstein-Miesenbach. Zweibrücken wird damit der zehnte Standort im Land. Wie wortfilter.de bereits im April berichtete , läuft die Personalsuche seit Monaten über ein eigenes Büro in der früheren Postfiliale.

Für Pirmasens, aus dem die meisten Bewerber kommen, ist das Amazon Logistikzentrum Zweibrücken die beste Arbeitsmarktnachricht seit Jahren.

Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!