Wer im internationalen Onlinehandel mitspielt, kommt um China nicht herum – und um seine Logistikinfrastruktur erst recht nicht. SHEIN baut in Großbritannien ein neues 35.000-Quadratmeter-Lager, Cainiao startet in Deutschland und den USA eine Liefergarantie mit automatischer Entschädigung, und Alibaba.com baut sein DDP-Netz aus. Die Konkurrenz aus Fernost wird schneller, günstiger und planbarer. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen der letzten Tage.
Inhaltsverzeichnis
- SHEIN macht UK zur Festung – 35.000 m² Lager, 1.000 Jobs
- Cainiao verspricht 8 Tage nach Deutschland – sonst Geld zurück
- Alibaba.com pusht DDP – Zoll und Steuern erledigt der Verkäufer
- SF Express: 6,99 Milliarden Yuan – plus 18 Prozent im Ausland
- 68 neue Frachtflugrouten in vier Monaten – Europa führt
- JD.com bringt zum 618 erstmals eigene Roboter nach Europa
- UniUni geht an die Börse – 1 Milliarde Dollar Bewertung
- Seefracht-Preise steigen – Reedereien drehen an der Schraube
- JD Property kooperiert mit ZEAL – Übersee-Lager für Sperrgut
- COSCO rüstet US-Westküste auf – 14 Direktrouten
- GOFO: Lieferung in 1 bis 5 Tagen quer durch die USA
- Was das für deutsche Onlinehändler bedeutet
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SHEIN macht UK zur Festung – 35.000 m² Lager, 1.000 Jobs
SHEIN hat in Cannock in den britischen Midlands ein neues E-Commerce-Logistikzentrum mit 35.000 Quadratmetern Fläche eröffnet. Dort entstehen 450 zusätzliche Arbeitsplätze, sodass SHEIN in Großbritannien jetzt insgesamt 1.000 Logistikmitarbeiter beschäftigt. Das neue Lager arbeitet mit robotergestützter Kommissionierung und automatischer Sortierung und ist bereits das dritte SHEIN-Lager im selben Logistikpark.
SHEIN baut die Lieferzeiten weiter runter und positioniert UK als Hub für den europäischen Markt. (Quelle: EEN )
Cainiao verspricht 8 Tage nach Deutschland – sonst Geld zurück
Cainiao hat seinen Service „Late Delivery Compensation“ zeitgleich in den USA und in Deutschland gestartet. Für Pakete bis 2 Kilogramm garantiert Cainiao Lieferzeiten von 8 Tagen nach Deutschland und 10 Tagen in die USA. Wer länger warten muss, bekommt automatisch eine Entschädigung. In Deutschland sind die schnellsten Lieferungen nach 5 Tagen da, in den USA nach 4 Tagen.
Bisher gab es die Garantie nur in Großbritannien mit 5 Tagen Zustellung. Damit wandert das Service-Level von Cross-Border-Sendungen aus China weiter in Richtung dessen, was deutsche Onlinehändler bisher als Inlandsstandard betrachtet haben. (Quelle: Cainiao )
Alibaba.com pusht DDP – Zoll und Steuern erledigt der Verkäufer
Alibaba.com hat sein grenzüberschreitendes Logistiknetz aufgebohrt und konzentriert sich dabei auf zwei Bereiche: Paketsendungen von 0 bis 2 Kilogramm und DDP-Versand (Delivered Duty Paid). Beim DDP-Modell übernimmt der Verkäufer Zollabwicklung, Einfuhrabgaben und Last-Mile-Zustellung komplett – der Käufer zahlt am Ende nur einen Endpreis ohne Nachgebühren.
Das Upgrade zielt vor allem auf Europa und Nordamerika und deckt allgemeine Konsumgüter, Elektronik und leichte Waren ab. Für deutsche B2B-Käufer auf Alibaba.com bedeutet das: weniger Überraschungen beim Import, kalkulierbarere Margen. Für deutsche Händler, die selbst aus China importieren, steigt der Wettbewerbsdruck. (Quelle: Alibaba.com )
SF Express: 6,99 Milliarden Yuan – plus 18 Prozent im Ausland
SF Holding, einer der größten chinesischen Logistikkonzerne, hat im April 2026 einen Gesamtumsatz von 25,38 Milliarden Yuan erzielt – ein Plus von 6,11 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Bereich Supply Chain und International legte besonders stark zu: plus 18,25 Prozent auf 6,99 Milliarden Yuan (umgerechnet rund 880 Millionen Euro).
Auffällig: Das Paketvolumen im klassischen Express-Geschäft ging um 3 Prozent zurück, der Erlös pro Paket stieg aber um 5,26 Prozent auf 14,2 Yuan. SF setzt damit auf Qualität statt Masse – ein Muster, das deutsche Onlinehändler aus der eigenen Versandkostendebatte kennen. (Quelle: Caiwen )
68 neue Frachtflugrouten in vier Monaten – Europa führt
China hat in den ersten vier Monaten 2026 insgesamt 68 neue internationale Frachtflugrouten gestartet, allein 21 davon im April. Pro Woche kommen damit über 160 zusätzliche Hin- und Rückflüge in die Luft. Auf Europa entfallen 30 der neuen Routen, gefolgt von Asien mit 27, Nordamerika mit 9 sowie je einer Verbindung nach Südamerika und Afrika.
Transportiert werden vor allem Cross-Border-E-Commerce-Waren, High-End-Industrieprodukte, hochwertige Frachten und Frischwaren. Konkrete Beispiele: Der Flughafen Ezhou Huahu eröffnete zwei neue Routen – eine wöchentlich nach Prag mit knapp 100 Tonnen Kapazität und eine zweimal wöchentlich nach Frankfurt-Hahn mit über 10.000 Tonnen Jahreskapazität via Boeing 777F. Hahn wird damit für chinesische Onlinehändler zum festen Brückenkopf nach Deutschland. (Quelle: EEN / Huangshi Daily )
JD.com bringt zum 618 erstmals eigene Roboter nach Europa
JD Logistics setzt zum „618″-Shopping-Festival – Chinas zweitgrößtem Online-Shopping-Event nach dem Singles‘ Day – erstmals seinen eigenen europäischen Zustelldienst JoyExpress für die Auslandslogistik ein. Start ist am 30. Mai um 20 Uhr Pekinger Zeit. JoyExpress liefert in mehreren europäischen Ländern Same-Day, Next-Day und bis an die Haustür.
Zusätzlich wird ein KI-Großmodell in mehr als 1.000 Logistik- und Supply-Chain-Szenarien eingesetzt. Neue Roboterarme und autonome Lieferfahrzeuge kommen in großem Stil zum Einsatz. JD baut die eigene Last-Mile in Europa damit aus – ein direkter Angriff auf DHL, Hermes und Co. (Quelle: China Storage & Transport News )
UniUni geht an die Börse – 1 Milliarde Dollar Bewertung
Die Last-Mile-Plattform UniUni, einer der größten E-Commerce-Zusteller in Nordamerika, geht an die Börse. Über eine Reverse-Merger-Transaktion mit MAK Acquisition Corp. soll UniUni an der Toronto Stock Exchange gelistet werden – Ticker „UN“. Ein Zweitlisting an der Nasdaq ist geplant. Bewertung: rund 1 Milliarde US-Dollar (etwa 1,37 Milliarden kanadische Dollar).
Damit reiht sich ein weiterer chinesischstämmiger Logistikanbieter in die wachsende Liste börsennotierter Cross-Border-Player ein – und sammelt Kapital für den weiteren Ausbau. (Quelle: Yuanjing Capital )
Seefracht-Preise steigen – Reedereien drehen an der Schraube
Die großen Reedereien erhöhen die Frachtraten. MSC zieht die FAK-Tarife (Freight All Kinds) auf der Asien-Europa-Route ab 1. Juni an. Die Erhöhung gilt bis 14. Juni. Besonders steil steigen die Preise auf Nordafrika-Routen, dazu kommen weitere Treibstoff- und CO2-Zuschläge. CMA CGM erhebt Peak-Season-Zuschläge auf Ostafrika-Routen, ab 21. Mai für südchinesische Häfen, ab 25. Mai für nord- und zentralchinesische Häfen.
Wer als Onlinehändler Container aus Fernost ordert, muss bei den Sommerbestellungen mit höheren Einkaufspreisen kalkulieren. Wer kann, sollte Aufträge vorziehen oder Luftfracht über die neuen Hahn- und Prag-Routen prüfen. (Quelle: KJWLBXS )
JD Property kooperiert mit ZEAL – Übersee-Lager für Sperrgut
JD Property und ZEAL Network Technology haben eine strategische Partnerschaft geschlossen. JD stellt ZEAL Standardlager, Sperrgut-Lager und maßgeschneiderte Übersee-Warenlager in wichtigen Märkten in Europa und Nordamerika bereit. Die Kooperation umfasst auch integrierte Cross-Border-Services wie Zollabwicklung, Wareneingangsprüfung und lokale Zustellung.
Sperrgut-Kapazitäten in Europa waren bisher ein Engpass für chinesische Anbieter. Mit dem Deal können Möbel, Elektrogeräte und große Artikel künftig schneller aus europäischen Lagern statt direkt aus China geliefert werden. (Quelle: JD Property )
COSCO rüstet US-Westküste auf – 14 Direktrouten
COSCO Shipping Lines hat sein Far-East-zu-US-West-Coast-Netz komplett überarbeitet und betreibt jetzt 14 Direktrouten. Davon verbinden 10 Routen Fernost mit der südwestlichen US-Küste und 4 Routen die nordwestliche US-Küste.
Auch wenn das deutsche Onlinehändler nicht direkt betrifft, ist es ein Indikator: COSCO setzt auf die USA – und das in einem politisch instabilen Umfeld mit Zoll-Drohungen und Lieferketten-Streits. Wer aus China nach Übersee verkauft, sollte die Westküste auf dem Schirm haben. (Quelle: Logistics Insight )
GOFO: Lieferung in 1 bis 5 Tagen quer durch die USA
GOFO Express hat sein nordamerikanisches Liefernetz aufgerüstet und will die Gesamtzustellzeit auf 1 bis 5 Tage drücken. Next-Day-Delivery deckt nach eigenen Angaben rund 55 Prozent des US-Marktes ab, Two-Day-Delivery erreicht etwa 99 Prozent. Erreicht werden soll das durch optimierte Hauptverkehrslinien, ausgebaute Last-Mile-Kapazitäten und intelligente Disposition.
Branchenbeobachter sehen darin einen klaren Trend: Der Preiskampf in der nordamerikanischen E-Commerce-Logistik weicht einem Wettbewerb um Tempo und Servicequalität. (Quelle: GOFO Express )
Was das für deutsche Onlinehändler bedeutet
Die chinesischen Player investieren massiv in europäische und nordamerikanische Logistik. Eigene Lager, eigene Zustelldienste, eigene Frachtflüge, eigene KI. Wer bisher dachte, der Standortvorteil deutscher Onlinehändler liege in schneller Lieferung und sauberer Zollabwicklung, muss seine Annahmen prüfen.
Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann SHEIN, Temu, Alibaba und JD in deutschen Innenstädten genauso schnell liefern wie Amazon Prime.




