Die jüngsten Zahlen aus dem chinesischen E-Commerce zeigen, wie schnell die Plattformen Temu, TikTok Shop und Shein im Ausland wachsen. Temu ist inzwischen die zweitgrößte E-Commerce-Seite der Welt, TikTok Shop verkauft in vier Monaten für 6,75 Milliarden Dollar in den USA, und Shein baut sein Polen-Geschäft aus. Für deutsche Onlinehändler bedeutet das: Der Druck im Wettbewerb mit chinesischen Plattformen wächst weiter. Der Rundumblick zeigt die aktuellen Entwicklungen.
Inhaltsverzeichnis
- Temu hängt AliExpress und eBay ab und schiebt sich auf Platz 2
- Temu kehrt nach Vietnam zurück – mit 34-Dollar-Mindestbestellwert
- 215.000 US-Händler auf TikTok Shop – Amazon verliert beim Discovery
- 6,75 Milliarden Dollar in vier Monaten: TikTok Shop USA legt nach
- TikTok Shop öffnet Irland für alle Händler – Creator-Provisionen über 2 Millionen Euro
- Shein zieht in Polen Bilanz – 8.000 Jobs und 100 Millionen Käufer in Europa
- Chinas Marktanteil in Südkorea bröckelt – drittes Quartal in Folge rückläufig
- Suzhou wird zum Cross-Border-Hub – 15.000 Händler, 200 Firmen über 100 Millionen Yuan
- Yangtze-Delta knackt Rekord – 6,14 Billionen Yuan Handel in vier Monaten
- Wildberries: Chinesische Listings vervierzehnfacht – Beauty wächst um 3.109 Prozent
- Was die Zahlen für Onlinehändler bedeuten
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Temu hängt AliExpress und eBay ab und schiebt sich auf Platz 2
Temu ist laut Daten von We Are Social für den Zeitraum Dezember 2025 bis Februar 2026 die am zweithäufigsten besuchte E-Commerce-Seite der Welt – nur Amazon liegt davor. Die Plattform verzeichnete 366 Millionen Unique Visitors und 1,34 Milliarden Besuche pro Monat. AliExpress folgt mit deutlichem Abstand auf Platz drei (208 Millionen Unique Visitors, 591 Millionen Besuche). Auch Amazon.in, Etsy, Walmart.com, eBay, Shop.app, Ozon.ru und Target.com schaffen es in die globalen Top 10.
→ Quelle: Chinesellers / We Are Social
Temu kehrt nach Vietnam zurück – mit 34-Dollar-Mindestbestellwert
Nach rund anderthalb Jahren Sperre ist Temu in Vietnam still und leise wieder online. Die Plattform arbeitet nach eigenen Angaben mit dem vietnamesischen Industrie- und Handelsministerium an den nötigen E-Commerce-Lizenzen. Bestellungen sind wieder möglich, allerdings mit einem Mindestbestellwert von rund 34 US-Dollar (etwa 29 Euro). Bezahlt werden kann derzeit nur per Bankkarte oder Apple Pay, die lokalen E-Wallets sind noch nicht angebunden.
→ Quelle: Chinesellers / CoralGlobal
215.000 US-Händler auf TikTok Shop – Amazon verliert beim Discovery
TikTok Shop hat in den USA mehr als 215.000 aktive Händler, der Großteil davon kleine und mittelständische Unternehmen. Deren Umsätze legten 2025 um 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Bemerkenswert für die Wettbewerbslandschaft: 67 Prozent der Konsumenten entdecken neue Produkte über TikTok Shop – ein höherer Anteil als bei Amazon. Sieben von zehn Nutzern haben schon Produkte gekauft, die ihnen von Creators empfohlen wurden.
Die Shopping-Penetration der Nutzer liegt in Großbritannien bei 50 Prozent, in den USA bei 43 Prozent. Der E-Commerce verschiebt sich damit weiter in Richtung Content-getriebener Produktentdeckung – mit allen Konsequenzen für klassische Suchmaschinen-orientierte Händler.
→ Quelle: Chinesellers / Feiniao International
6,75 Milliarden Dollar in vier Monaten: TikTok Shop USA legt nach
TikTok Shop hat in den USA von Januar bis April 2026 einen Umsatz von 6,75 Milliarden Dollar (rund 5,8 Milliarden Euro) erzielt. Die Zahl der kleinen und mittleren Händler stieg um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ihre Umsätze um 66 Prozent. Trotz des Zustroms großer Marken werden die kleineren Anbieter laut Plattformangaben nicht verdrängt. 67 Prozent der Konsumenten entdecken regelmäßig neue Marken auf TikTok Shop, sieben von zehn Nutzern kaufen Creator-Empfehlungen. Die Plattform baut ihre Shopping-Features kontinuierlich aus.
TikTok Shop öffnet Irland für alle Händler – Creator-Provisionen über 2 Millionen Euro
TikTok Shop hat die Händler-Registrierung in Irland für alle Unternehmen geöffnet und verlässt damit das Einladungsmodell. Seit dem Start ist die Zahl aktiver Affiliate-Creator um 600 Prozent gestiegen, ausgezahlte Provisionen liegen bei mehr als 2 Millionen Euro. Creator-getriebene Umsätze wachsen weiter zweistellig. Ungewöhnlich ist die Altersstruktur: 37 Prozent der Nutzer sind zwischen 46 und 61 Jahre alt. Die Plattform positioniert sich als günstiger Vertriebskanal für irische KMU.
Shein zieht in Polen Bilanz – 8.000 Jobs und 100 Millionen Käufer in Europa
Ein Jahr nach dem Start der polnischen E-Commerce-Plattform hat Shein seine Händler-Services erweitert. Über 330 polnische Unternehmen sind dem Marketplace beigetreten und erreichen damit mehr als 100 Millionen Konsumenten in Europa. Das Shein-Logistikzentrum in Polen hat 5.000 neue Stellen geschaffen, zusätzlich zu 3.000 bereits zuvor entstandenen Jobs. Im Vollausbau wird das Zentrum eine Gesamtfläche von 740.000 Quadratmetern haben.
Chinas Marktanteil in Südkorea bröckelt – drittes Quartal in Folge rückläufig
AliExpress, Temu und Shein haben in Südkorea von Januar bis April zusammen 1,67 Billionen Won (rund 1,05 Milliarden Euro) umgesetzt – ein Plus von 67,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil chinesischer Plattformen an Südkoreas grenzüberschreitenden Direktkäufen fiel im ersten Quartal aber auf 62 Prozent und sinkt damit zum dritten Quartal in Folge. Verkäufe von Bekleidung und Kosmetik gingen um 9,4 beziehungsweise 15,8 Prozent zurück. Als Gründe gelten nachlassende Niedrigpreis- und Subventionseffekte, Defizite bei Logistik und After-Sales-Service sowie wachsende lokale Konkurrenz.
Suzhou wird zum Cross-Border-Hub – 15.000 Händler, 200 Firmen über 100 Millionen Yuan
Suzhous Cross-Border-E-Commerce wächst rasant. Derzeit sind 15.000 lokale Händler aktiv, mehr als 200 Unternehmen erwirtschaften jährlich über 100 Millionen Yuan (rund 12 Millionen Euro). Die Stadt rangiert in der Bewertung der Pilotzonen des Handelsministeriums in der Spitzengruppe. Statt auf Masse setzt Suzhou auf wertschöpfungsstarke Kategorien wie smarte Reinigung und Elektrowerkzeuge. Marken wie Dreame, Ecovacs und Positec gehören zu den treibenden Kräften der Auslandsexpansion.
→ Quelle: Chinesellers / Haichuangquan
Yangtze-Delta knackt Rekord – 6,14 Billionen Yuan Handel in vier Monaten
Die Yangtze-Delta-Region erreichte in den ersten vier Monaten 2026 ein Handelsvolumen von 6,14 Billionen Yuan (rund 737 Milliarden Euro) – ein Rekord für den Zeitraum und ein Plus von 15,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Region steht damit für 37,8 Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels. Exporte erreichten 3,83 Billionen Yuan (rund 460 Milliarden Euro) (plus 13,6 Prozent), Importe 2,31 Billionen Yuan (rund 277 Milliarden Euro) (plus 20,1 Prozent). Auf die Region entfallen 41 Prozent der nationalen Exporte und 33,5 Prozent der Importe.
→ Quelle: Chinesellers / Economic Daily
Wildberries: Chinesische Listings vervierzehnfacht – Beauty wächst um 3.109 Prozent
Russlands größte E-Commerce-Plattform Wildberries hat auf dem Ecomday 2026 China E-Commerce Festival aktuelle Zahlen zum Cross-Border-Geschäft veröffentlicht. Stand Mai 2026 listen chinesische Händler zweistellige Millionen SKUs auf der Plattform – ein Plus von Faktor 13 gegenüber dem Vorjahr. Am schnellsten wuchsen Beauty (plus 3.109 Prozent), Smartphones (plus 1.373 Prozent), Sicherheitsprodukte (plus 1.357 Prozent), Bekleidung (plus 1.283 Prozent) sowie Haushalt und Küche (plus 1.232 Prozent).
→ Quelle: Chinesellers / Ebrun
Was die Zahlen für Onlinehändler bedeuten
Temu auf Platz 2 weltweit, TikTok Shop mit 6,75 Milliarden Dollar in vier US-Monaten, Shein mit 100 Millionen erreichbaren Konsumenten in Europa – die chinesischen Plattformen sind im Mainstream angekommen. Sie sind nicht mehr Nischenanbieter, sondern direkte Wettbewerber zu Amazon, eBay und nationalen Marktplätzen. Auffällig ist die zunehmende Branchenbreite: Von Beauty über Elektronik bis Haushalt und Küche werden inzwischen praktisch alle Kategorien angegriffen.
Der Südkorea-Effekt deutet aber auch eine Grenze an. Wo Niedrigpreis und Subvention nachlassen und Logistik sowie After-Sales nicht mithalten, verlieren die chinesischen Plattformen Marktanteil. Wo lokale Anbieter konsequent auf Service und Verfügbarkeit setzen, bleibt Wettbewerb möglich. Ob das auch in Deutschland trägt, hängt davon ab, wie schnell die Onlinehändler hier ihre eigenen Stärken ausspielen.




