eBay Cyberstalking hat jetzt einen Preis: 55,7 Millionen Dollar. So viel zahlen der Konzern und drei ehemalige Top-Manager an Ina und David Steiner, die Betreiber des E-Commerce Blogs EcommerceBytes . Die beiden berichteten kritisch über eBay und wurden 2019 mit lebenden Spinnen, Kakerlaken und einer blutigen Schweinemaske terrorisiert. Nach mehr als sechs Jahren Straf- und Zivilverfahren ist der Fall beendet.
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Kakerlaken, ein Sargbuch und ein Transporter vor der Haustür
Im Sommer 2019 begann eBays miese Kampagne. An die Adresse der Steiners in Natick, Massachusetts, gingen lebende Spinnen, Kakerlaken, Fliegenlarven und eine blutige Schweinemaske. Dazu ein Buch über das Überleben nach dem Tod des Ehepartners. Pornohefte, adressiert an David Steiner, landeten bei den Nachbarn. Auf Craigslist tauchte das Wohnhaus als nächtlicher Treffpunkt für Singles, Paare und Swinger auf.
Auslöser war die Berichterstattung von EcommerceBytes über eBay. Ein Mietwagen verfolgte David Steiner, die Polizei von Natick führte das Kennzeichen zu einem eBay-Mitarbeiter zurück. 2020 klagte das US-Justizministerium sieben Personen an: den früheren Sicherheitschef Jim Baugh, David Harville, Brian Gilbert, Stephanie Popp, Stephanie Stockwell, Philip Cooke und die externe Mitarbeiterin Veronica Zea. Alle bekannten sich schuldig. eBay selbst schloss ein Deferred Prosecution Agreement (Verfahrensaussetzung gegen Auflagen) und zahlte die maximal mögliche Geldstrafe von drei Millionen Dollar.
46,15 Millionen von eBay – und Devin Wenig zahlt aus der eigenen Tasche
Die Kanzlei Scalli Murphy Law hat die Aufteilung der Summe offengelegt. An Entschädigung fließen 48,7 Millionen Dollar direkt an die Steiners:
- 46,15 Millionen Dollar von eBay
- 2 Millionen Dollar von Ex-CEO Devin Wenig
- 500.000 Dollar von Ex-Managerin Wendy Jones
- 50.000 Dollar von Ex-Kommunikationschef Steve Wymer
Dazu kommen sechs Millionen Dollar, die eBay an gemeinnützige Organisationen zahlt. Devin Wenig überweist eine weitere Million an eine Organisation zum Schutz der Meinungsfreiheit – ausgestellt auf den Namen von Ina Steiner. Macht in Summe 55,7 Millionen Dollar. Mit den übrigen früheren eBay-Mitarbeitern, die in der Zivilklage genannt waren, gibt es separate Vergleiche. Deren Konditionen bleiben unter Verschluss.
Keine Verschwiegenheitsklausel – das ist der eigentliche Preis
Der Vergleich enthält keine Vertraulichkeitsvereinbarung. Die Steiners dürfen weiter über den Fall reden, über die Beweise aus sechs Jahren Discovery (Beweisermittlung im US-Zivilprozess) und über die Einigung selbst. Bei Summen dieser Größenordnung ist das die Ausnahme.
Dazu verpflichtet sich eBay zu einer öffentlichen Erklärung über das Verhalten von Devin Wenig, Steve Wymer und Wendy Jones – und über die Unternehmenskultur des Jahres 2019. Gegenüber CBS Boston erklärte der Konzern, was die Steiners erlebt hätten, sei falsch, verwerflich und hätte nie passieren dürfen. Man entschuldige sich weiterhin bei den beiden.
700 Millionen gefordert, 55,7 Millionen bekommen
Die Steiners hatten 2021 vor dem Bundesgericht in Boston geklagt. Gefordert waren Schadenersatz und Strafschadenersatz von zusammen 700 Millionen Dollar. Der Vergleich liegt deutlich darunter. Und der Weg dorthin war nicht gerade: Anfang 2026 platzte eine bereits verkündete Einigung, weil sich die Parteien nicht auf einen schriftlichen Vertrag verständigen konnten. Richterin Patti Saris öffnete das Verfahren wieder, ein Prozess stand im Raum.
Anwalt Christopher Murphy sagt, es sei nie nur um Geld gegangen. Seine Mandanten hätten die Wahrheit aufdecken, Journalisten und Publisher schützen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen wollen. Seine Kanzlei war 2019 die erste Anlaufstelle der Steiners – noch während die Kampagne lief. Sie brachte Polizei und FBI ins Spiel.
Warum das jeden trifft, der über Marktplätze schreibt
Ina Steiner macht seit 1999 dasselbe wie ich: über Marktplätze berichten, auch wenn es den Plattformen nicht gefällt. Der Unterschied ist, dass in ihrem Fall ein Konzern die eigene Sicherheitsabteilung auf sie angesetzt hat. Nicht Anwälte, nicht Unterlassungserklärungen – Einschüchterung an der Haustür. Und im übrigen passieren ähnliche Sachen auch hier in Deutschland und auch mir. Zwar nicht von einem Plattformbetreiber, aber von einem großen ERP/Wawi-Anbieter über den ich kritisch berichte. Dazu aber demnächst mehr.
Er zeigt, wie eine Plattform reagieren kann, wenn Kritik an Gebühren, Sperren oder Bugs öffentlich wird. Und er zeigt, was das kostet, wenn es auffliegt: 55,7 Millionen Dollar, eine öffentliche Erklärung und keine Verschwiegenheitsklausel, die den Fall zudeckt. Der Versuch, zwei Blogger zum Schweigen zu bringen, ist gescheitert. Die Rechnung kommt jetzt.




