eBay ändert zum 1. Juli 2026 die eBay Verkaufsprovision für gewerbliche Verkäufer. In ausgewählten Kategorien sinkt die variable Provision für gebrauchte, generalüberholte und refurbished Artikel auf einheitlich fünf Prozent – bis zu 60 Prozent weniger. Zugleich fällt in denselben Kategorien die bisherige Staffelung weg, und der reguläre Prozentsatz steigt. Wer dort hochpreisige Neuware verkauft, zahlt ab Juli teils mehr.
Inhaltsverzeichnis
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Bis zu 60 Prozent runter – aber nur für Re-Commerce
eBay senkt die Provision auf fünf Prozent für Artikel mit den Zuständen „Neu: Sonstige“, „Zertifiziert/Hervorragend/Sehr gut/Gut – Refurbished“, „Vom Verkäufer generalüberholt“, „Gebraucht“ sowie „Gebraucht – Hervorragend/Gut/Akzeptabel“. Damit werden diese Angebote nach Angaben des Konzerns bis zu 60 Prozent günstiger. eBay verbindet den Schritt mit seinen Investitionen in Re-Commerce und in Formate wie eBay Live.
Der Rabatt gilt nur in den Kategorien, die eBay ohnehin umbaut. Wer dort Neuware außerhalb der genannten Zustände anbietet, profitiert nicht – im Gegenteil.
Die Staffelung fällt – und teure Neuware verliert ihren Schutz
Bislang arbeitet eBay in den betroffenen Kategorien mit einer Staffelung: Der hohe Prozentsatz gilt nur bis zu einer Schwelle, darüber sinkt die Provision auf drei Prozent. Diese Staffelung entfällt. Künftig erhebt eBay einen einheitlichen Satz auf den gesamten Verkaufspreis. Die aktuell gültigen Sätze listet eBay auf seiner Gebühren-Hilfeseite .
Für die Geräte-Kategorien – Computer & Netzwerk, Drucker, Foto & Camcorder, Handys, Haushaltsgeräte, Konsolen, Scanner sowie TV, Video & Audio – steigt der Satz von 6,5 auf 7 Prozent. Die Zubehör-Kategorien, etwa Handy-Zubehör, Kabel, Notebook-Zubehör oder Tastaturen und Mäuse, klettern von 11 auf 12 Prozent. Auf 14 Prozent erhöht eBay unter anderem Business & Industrie, Büro & Schreibwaren, Sport, Baby, Feinschmecker, Haustierbedarf sowie Möbel & Wohnen – ein Sprung von zuvor 12 Prozent, bei Reisen und Verschiedenes sogar von 11 Prozent. Garten & Terrasse und Heimwerker liegen künftig bei 13 Prozent. Bei Musikinstrumenten bleibt der Satz mit 11 Prozent gleich, doch auch hier verschwindet die Staffelung.
Weil die Drei-Prozent-Stufe oberhalb der Schwelle wegfällt, trifft der volle Satz nun auch hochpreisige Artikel.
Rechenbeispiel: Aus 179 Euro werden 420
Ein Beispiel aus Business & Industrie: Für einen Artikel zu 3.000 Euro zahlt ein Händler bislang 12 Prozent auf die ersten 990 Euro und drei Prozent auf den Rest, zusammen rund 179 Euro. Ab Juli berechnet eBay 14 Prozent auf den vollen Preis, also 420 Euro. Die Provision steigt damit.
Je höher der Verkaufspreis und je niedriger die frühere Schwelle, desto größer der Sprung. Bei günstiger Ware unterhalb der alten Schwelle fällt die Erhöhung dagegen moderat aus, oft nur ein halber bis zwei Prozentpunkte.
Schlechter Service wird teurer – und bleibt es
Verkäufer mit dem Servicestatus „Unterdurchschnittlich“ und einem sehr hohen Anteil an Rückgabeanfragen wegen nicht wie beschriebener Artikel zahlen weiterhin eine abweichende, höhere Provision. Auch sie folgt künftig der neuen Logik. Hält der Status über vier aufeinanderfolgende Monate an, legt eBay einen weiteren Prozentpunkt drauf.
Meier-Andrae: „Was eBay groß gemacht hat“
Dr. Saskia Meier-Andrae, Geschäftsführerin von eBay Deutschland, ordnet die Anpassung gegenüber Wortfilter ein:
„Der E-Commerce entwickelt sich rasant weiter. Wir besinnen uns dabei bewusst auf das, was eBay groß gemacht hat: einen Marktplatz von Menschen für Menschen, geprägt von Community, Leidenschaft und Vertrauen. Genau deshalb fokussieren wir uns auf Re-Commerce, Live Commerce, das Verkaufen zwischen Privatpersonen und Fokus-Kategorien wie Motors, Sammeln und Seltenes, Pre-Loved Mode sowie Luxusuhren und Taschen. Was diese Bereiche verbindet, ist eBays Ur-DNA. Mit den Gebührenanpassungen richten wir unsere Investitionen noch konsequenter auf diese Wachstumsfelder aus. Die reduzierte Verkaufsprovision für Produkte mit den Artikelzuständen „Neu: Sonstige“, „Zertifiziert/Hervorragend/Sehr gut/Gut – Refurbished“, „Vom Verkäufer generalüberholt“, „Gebraucht“, „Gebraucht – Hervorragend/Gut/Akzeptabel“ ist Teil dieser Strategie und stärkt zugleich die Kreislaufwirtschaft auf unserem Marktplatz.“
Dr. Saskia Meier-Andrae, Geschäftsführerin eBay Deutschland
Der Rabatt hat einen Preis
Die Botschaft ist zweigeteilt. Wer gebrauchte und generalüberholte Ware verkauft, zahlt ab Juli deutlich weniger und bekommt einen Anreiz, sein Sortiment in Richtung Kreislaufwirtschaft zu drehen. Wer dagegen hochpreisige Neuware in den umgebauten Kategorien anbietet, zahlt mehr in den ausgewählten Kategorien.
Die Anpassung trifft jeden gewerblichen Verkäufer in den betroffenen Kategorien gleichermaßen. Niemand verliert dadurch Boden gegenüber der Konkurrenz auf eBay, weil alle denselben Satz zahlen. Der Vergleich verschiebt sich nach außen. Wer die Erhöhung spürt, prüft deshalb besser die Rechnung gegen andere Kanäle – den eigenen Shop und andere Marktplätze. Dort entscheidet sich, ob eBay für die jeweilige Ware noch der günstigste Weg bleibt.
Händler sollten ihre Preise, Margen und ihren Servicestatus vor dem 1. Juli prüfen. eBay rät dazu.
Einordnung: eBay steuert sein Inventar um
Die Senkung auf fünf Prozent ist hoch, in einigen Kategorien sehr hoch. Auf der anderen Seite langt eBay bei Neuware kräftiger zu. Was heißt das? eBay steuert sein Inventar. Mehr Re-Commerce, weniger Neuware, und damit eine neue Position im Markt.
Amazon verschwindet dabei als eigentlicher Gegner. Der neue Wettbewerb heißt Kleinanzeigen und Vinted. Deshalb geht es eBay nicht darum, Händler auszupressen. Die Gebühr wird als Lenkungsinstrument eingesetzt. Und jeder reine Neuware-Seller kann das als Chance begreifen. Die wenigsten Händler beschäftigen sich aktiv mit ihren Retouren – eBay öffnet hier ein neues, lukratives Geschäftsfeld. Auch Sonderposten lassen sich künftig attraktiver über eBay handeln, weil „Neu: Sonstige“ ebenfalls unter die günstigeren Gebühren fällt.
Alles in allem stehe ich neutral bis positiv zu der Veränderung. eBay macht den Handel mit Neuware in den benannten Kategorien weniger attraktiv und öffnet im Gegenzug das Tor weit für den Re-Commerce. Ein nicht unkluger strategischer Schwenk.




