Bei ECOMMERCE ONE geht eine prägende Gründer- und Aufbauphase zu Ende: Valentin Schütt hat seine verbliebenen Anteile an der ECOMMERCE ONE Group vollständig an Oakley Capital, einem Private-Equity Fonds aus London, verkauft und gleichzeitig sein Mandat als Board Member niedergelegt.

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Inhaltsverzeichnis

Schütt hatte 2016 Afterbuy von eBay übernommen und 2021 auf dieser Basis ECOMMERCE ONE gegründet. Wortfilter hat mit ihm über die Entstehung der Gruppe, die Entwicklung der vergangenen Jahre und seinen vollständigen Ausstieg gesprochen.

Wortfilter: Valentin, du hast jetzt deine verbliebenen Anteile vollständig an Oakley Capital verkauft. Ist damit das Kapitel ECOMMERCE ONE für dich abgeschlossen?

Valentin Schütt: Ja. Damit endet für mich eine spannende unternehmerische Geschichte. Wenn ich zurückblicke, bin ich sehr zufrieden damit, dass der Plan, den wir damals hatten, tatsächlich aufgegangen ist: Aus der ursprünglichen Idee zur Konsolidierung in unserem Marktumfeld ist eine der führenden Buy-and-Build-Plattformen für E-Commerce-Software entstanden.

Wortfilter: Wie ist die Idee für ECOMMERCE ONE damals entstanden?

Valentin Schütt: Der E-Commerce-Software-Markt war extrem fragmentiert. Es gab viele gute mittelständische Softwareunternehmen, aber kaum wirklich große Player. Für uns war deshalb relativ schnell klar, dass sich dieser Markt sehr gut für eine Buy-and-Build-Strategie eignet. Ich hatte Afterbuy 2016 über meine Investmentgesellschaft von der eBay Inc. übernommen und aus einem Konzernunternehmen wieder eine eigenständige Firma gemacht. Der nächste logische Schritt war dann: Warum bleiben wir bei einem Unternehmen? Warum bringen wir nicht mehrere starke E-Commerce-Softwareanbieter zusammen? DreamRobot war 2021 der erste konkrete Akquisitionskandidat für diese Idee. Es folgten Baygraph, Gambio, Marmelade und Makaira. Damit gehörte ECOMMERCE ONE zu den frühen Konsolidierern dieses Marktes.

Wortfilter: Es ging also um mehr als reine Akquisitionen?

Valentin Schütt: Absolut. Die Firmen sollten nicht einfach nur unter einer Holding nebeneinanderstehen. Die Idee war, sie in der Marke ECOMMERCE ONE miteinander zu vernetzen, voneinander lernen zu lassen und gleichzeitig ihre jeweiligen Stärken und ihre Identität zu erhalten. Unser Slogan „Wir leben E-Commerce“ beschreibt das eigentlich sehr gut. Wir wollten gemeinsam eine Plattform schaffen, die E-Commerce aus unterschiedlichen Perspektiven versteht und Händlern ein breites Spektrum an Lösungen anbieten kann.

Wortfilter: Du selbst warst zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr im operativen Tagesgeschäft?

Valentin Schütt: Genau. Seit der Übernahme von Afterbuy 2016 hatte ich die entsprechenden Weichen gestellt und mich zwischenzeitlich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Die Buy-and-Build-Strategie ab 2021 war für mich der nächste unternehmerische Schritt – nicht der Wiedereinstieg als operativer Geschäftsführer.

Wortfilter: Warum war Oakley Capital dafür der richtige Partner?

Valentin Schütt: Für eine solche Strategie braucht man irgendwann einen Partner, der neben Kapital auch viel Erfahrung mit Buy-and-Build und der Skalierung größerer Plattformen mitbringt. Wir kannten den E-Commerce-Markt, die Produkte und die Unternehmer sehr gut. Oakley Capital – insbesondere der damalige Partner Sascha Günther – konnte uns hier gut ergänzen. Das hat professionell wie persönlich sehr gut zusammengepasst.

Wortfilter: 2024 hast du dich dann für ein halbes Jahr noch einmal intensiver eingebracht. Warum?

Valentin Schütt: Ich wurde gefragt, ob ich mich noch einmal stärker als Berater einbringen würde. Dabei ging es nicht darum, wieder operativ einzusteigen, sondern gemeinsam mit dem Team einige strategische Themen sehr konsequent anzugehen und die Wachstumsdynamik weiterzuentwickeln.

Wortfilter: War 2024 dann auch wirtschaftlich das stärkste Jahr der Unternehmensgeschichte?

Valentin Schütt: Ja, 2024 war das beste Jahr der bisherigen Unternehmensgeschichte. Entscheidend war für mich aber nicht nur das Wachstum, sondern vor allem dessen Qualität: Durch einen Ausbau der werttreibenden Recurring Revenues auf über 80 % konnten wir die EBITDA-Marge um fast 50 % steigern. Damit lagen wir beim Anteil der wiederkehrenden Umsätze auf einem sehr starken Top-Tier-Niveau. Bei attraktivem Umsatzwachstum konnten wir die Profitabilität überproportional verbessern. Das hat dem Team zusätzliche Motivation gegeben, diesen Kurs weiter voranzutreiben.

Wortfilter: Ende 2024 hast du den Staffelstab wieder an Oakley und das Management übergeben. Ist der jetzige Anteilsverkauf damit der konsequente Abschluss dieses Übergangs?

Valentin Schütt: Der Plan war nie, diese intensive Rolle dauerhaft zu übernehmen, schließlich habe ich noch weitere Unternehmen, die ebenfalls meine Aufmerksamkeit benötigen. Ende 2024 war meine Aufgabe erfüllt: Die wichtigsten strategischen Themen waren umgesetzt und die Basis geschaffen, um das zukünftige Wachstum weiter zu skalieren. Deshalb habe ich die weitere Entwicklung vollständig an Oakley Capital und das Management übergeben. Auch deshalb macht die vollständige Übernahme für Oakley Capital strategisch einen großen Sinn.

Wortfilter: Mit einigen Mitarbeitern aus der Gruppe arbeitest du bereits sehr lange zusammen. Was bleibt besonders hängen?

Valentin Schütt: Ganz klar die vielen grandiosen gemeinsamen Momente. Mit einigen Kollegen verbindet mich eine Zusammenarbeit über viele Jahre, teilweise sogar seit mehr als zwei Jahrzehnten. Deshalb gilt mein Dank dem gesamten Team, unseren Partnern und allen Mitarbeitern in den verschiedenen Unternehmen.

Wortfilter: Gibt es jemanden, den du besonders hervorheben möchtest?

Valentin Schütt: Auf jeden Fall Daliah Salzmann. Daliah hat mich nach der Akquisition von Afterbuy unterstützt. Nach dem Verkauf unserer damaligen gemeinsamen Firma übernahm sie die Geschäftsführung bei Afterbuy. 2021 wurde sie dann CEO der ECOMMERCE ONE Group. Sie hat einen großen Anteil am Erfolg. Für ihren außergewöhnlichen Einsatz und ihre Unterstützung über all die Jahre bin ich ihr sehr dankbar. Aber wie gesagt – einen solchen Erfolg  baut niemand allein. Dazu gehören sehr viele Menschen. Allen gebührt großer Dank.

Wortfilter: Apropos Menschen: Mit Friedhelm Tauber führt jetzt ein neuer CEO die Gruppe. Was wünschst du ihm und ECOMMERCE ONE?

Valentin Schütt: Ich wünsche Friedhelm und dem gesamten Team sehr viel Erfolg. Ich werde die Entwicklung mit großem Interesse weiter verfolgen – ab jetzt aus einer anderen Perspektive.

Wortfilter: Und was kommt jetzt für Valentin Schütt?

Valentin Schütt: Ich freue mich, dass ich dieses wichtige unternehmerische Projekt so erfolgreich abschließen konnte. Technologisch erleben wir gerade eine extrem spannende Zeit. ECOMMERCE ONE war ein spannendes und erfolgreiches Kapitel. Jetzt beginnt für mich das nächste.

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