Die neuen EU-Zollregeln gelten seit dem 1. Juli 2026, und DHL gibt Entwarnung: Einen Importstopp gibt es nicht. Pakete aus Nicht-EU-Ländern erreichen deutsche Kunden weiter – vorausgesetzt, die Zolldaten stimmen. Die 150-Euro-Freigrenze fällt, pro Warengruppe wird eine Pauschale von drei Euro fällig. Vor allem Billigversender wie Temu und Shein trifft die Umstellung. Aber haben die China-Buden schon reagiert?
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Die 150-Euro-Grenze ist Geschichte
Bis Ende Juni blieben Sendungen bis zu einem Warenwert von 150 Euro von der Zollabfertigung befreit. Diese Freigrenze ist weg. Seit dem 1. Juli fällt eine pauschale Zollabgabe von drei Euro pro Warengruppe in einer Sendung an. Die Reform richtet sich vor allem gegen Online-Billigversender aus Fernost wie Temu oder Shein.
Die Abgabe klingt gering, summiert sich bei Kleinstsendungen aber schnell. Wer mehrere Warengruppen in einem Paket bündelt, zahlt pro Gruppe. Für Plattformen mit Millionen Einzelsendungen ändert das die Kalkulation der neuen EU-Zollregeln spürbar.
DHL: Kein Stopp, aber härtere Regeln
„Es gibt keinen Importstopp“, teilte DHL mit. Bestellungen von Privatkunden bei Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern bleiben möglich. Voraussetzung ist, dass die Zollvorschriften erfüllt werden. Der Bonner Konzern erklärt, vorbereitet zu sein und seine Prozesse angepasst zu haben.
Für die Einfuhr setzt die Post auf zwei Verfahren. Zentral ist das PDDP-Verfahren (Postal Delivered Duties Paid), das die logistische Abwicklung regelt. Absender und Partnerpostgesellschaften stellen die Zolldaten vorab bereit und übernehmen Steuern und Abgaben. Für zwei Monate gilt eine Übergangsregelung, weil noch nicht alle Partner umgestellt haben.
4,7 Milliarden Euro: Warum Händler profitieren
Der Handelsverband HDE hat die neuen EU-Zollregeln ausdrücklich begrüßt. Bestellungen von Billigartikeln über Plattformen außerhalb der EU werden teurer – ein Schritt Richtung fairer Wettbewerb. Der Umsatzanteil ausländischer Onlineanbieter in Deutschland liegt laut HDE bei knapp elf Milliarden Euro.
Auf Temu und Shein entfallen davon geschätzt rund 4,7 Milliarden Euro, etwa fünf Prozent des Marktes. Steigende Kosten bei diesen Anbietern verschieben das Preisgefüge – zugunsten von Händlern, die in der EU sitzen und Zoll sowie Steuern ohnehin abführen.
Pakete ohne Zolldaten fliegen zurück
Die neuen Anforderungen treffen Händler und Plattformen direkt. Sendungen ohne die erforderlichen Angaben verarbeitet die Post nicht mehr. Solche Pakete gehen zurück an die Absender außerhalb der EU.
Die DHL-Tochter Express hat ihre Kunden über die Anforderungen informiert und will Störungen gering halten. Wer aus Drittländern importiert oder dort einkauft, prüft jetzt, ob Zolldaten und Warengruppen korrekt hinterlegt sind. Fehlt etwas, bleibt die Ware liegen oder kehrt um.
Kurz vor Start warnten die Logistiker noch
Kurz vor dem Stichtag hatten DHL, Fedex und UPS vor Hürden für den Warenverkehr in die EU gewarnt. Jetzt lautet die Botschaft: Der Betrieb läuft, die Pflichten steigen. Beides gilt gleichzeitig.
Für heimische Händler soll die Reform ein Vorteil sein: Der Preisvorsprung der Fernost-Plattformen schmilzt, ohne dass sie selbst etwas tun müssen. Die 150-Euro-Lücke, die jahrelang Billigimporte begünstigte, ist zu. Aber stimmt diese Annahme?
These: Diese Regel wird umgangen
Wie bereits aus anderen Ländern berichtet, suchen die China-Buden nach einer Lösung. Sie wählen Länder, die keine Zollgrenzen eingeführt haben. Deshalb hat Frankreich zum Beispiel gerade die eigenen Beschränkungen fallengelassen. China-Ware ist wie Wasser, sie sucht sich den Weg des geringsten Widerstands (Kosten). Eine weitere Feststellung ist die, dass ihr auf Plattformen wie Temu immer mehr Ware seht, die aus lokalen Lagern versendet wird. Auch das ist eine Reaktion. China-Händler lagern direkt in Deutschland und umgehen damit diese Zoll-Regularien. Und: Die Waren sind schneller beim deutschen Verbraucher. Sind die neuen Zollregeln nicht sogar ein Eigentor? Das ist eine Annahme, die nicht ganz unrealistisch klingt, oder?




