Ein Jahr nach dem tödlichen Unfall an der Haltestelle Olgaeck in Stuttgart beginnt am 20. Mai 2026 das Verfahren gegen den Fahrer des Unfallwagens. Es geht um den fahrrad.de-Gründer, der mit seiner Mercedes-AMG-G-Klasse in den Wartebereich der Stadtbahn gefahren war. Eine Frau starb, acht Menschen wurden verletzt. wortfilter hatte im Mai 2025 als erstes Medium über die mutmaßliche Identität des Fahrers berichtet und den Beitrag auf anwaltliche Bitte später anonymisiert.
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Anklage: Tötung, Körperverletzung, Drogen
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat im Dezember 2025 Anklage erhoben. Dem 43-Jährigen werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung in acht Fällen und fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs vorgeworfen. Laut Anklage soll der Fahrer Betäubungsmittel konsumiert haben. Verhandelt wird vor dem Amtsgericht Stuttgart.
Der Unfall ereignete sich Anfang Mai 2025 an der Haltestelle Olgaeck im Stadtzentrum. Der Fahrer kam mit seinem AMG G63 von der Fahrbahn ab und steuerte in den Fußgängerbereich der Haltestelle. Eine 46-jährige Frau starb. Acht weitere Fußgänger wurden teils schwer verletzt.
Drogenmissbrauch in der Gründerszene – Kein Einzelfall
Der Verdacht des Drogenkonsums am Steuer rückt einen blinden Fleck in den Fokus: den Konsum leistungssteigernder Substanzen unter Gründern und Unternehmern. Die DAK-Studie zum Doping am Arbeitsplatz dokumentierte bereits 2015 einen Anstieg der Selbstmedikation zur Leistungssteigerung von 4,7 auf 6,7 Prozent. Ritalin, Modafinil, Amphetamine und Kokain sind in Beratungen, Agenturen und Startups verbreitete Mittel, um Deadlines, Pitch-Phasen und Dauerverfügbarkeit auszuhalten. Maximilian Deest, Chefarzt der Oberberg Fachklinik Weserbergland, beschreibt im Gespräch mit Business Insider Gründer und Selbstständige als wachsende Patientengruppe – mit einem Konsum, der aus innerem Leistungsdruck heraus geschieht.
Das ist zu verurteilen. Wer ein Unternehmen führt, trägt Verantwortung für Mitarbeiter, Familien und – wie der Fall am Olgaeck zeigt – am Steuer eines 2,5-Tonnen-SUV auch für das Leben Unbeteiligter. Selbstoptimierung mit Substanzen ist ein Verbrechen, ein Risiko, das andere mittragen müssen.
Der Mann hinter der anonymisierten Berichterstattung
Der Beschuldigte ist der Gründer von fahrrad.de. Das Unternehmen wurde 2003 gegründet, gehört heute zur fahrrad.de Bikester GmbH und ist laut eigener Darstellung einer der größten Online-Fachhändler für Fahrräder und E-Bikes in Europa. Sitz ist Stuttgart. Der Gründer hat das Unternehmen vor Jahren verkauft und wieder zurück gekauft, er gilt als Multimillionär.
wortfilter hatte am 4. Mai 2025 die in der Community diskutierte Verbindung zwischen dem Unfallwagen und dem fahrrad.de-Gründer recherchiert und veröffentlicht. Der Beitrag stützte sich auf öffentlich zugängliche Indizien: Alter, Fahrzeugtyp, Kennzeichen, ein Abgleich von Google-Maps-Aufnahmen vor der ehemaligen Privatadresse und die Wegstrecke zwischen Wohnort und Firmensitz. Am 7. Mai 2025 wurde der Beitrag auf Bitten des Rechtsanwalts des Fahrers, Dr. Ben Irle, anonymisiert. Die Recherche von damals ist weiterhin online.
Mit Prozessbeginn verschiebt sich die Berichterstattungsgrundlage
Die Anonymisierung des Fahrers war von Beginn an umstritten. In den Kommentaren zum wortfilter-Beitrag hatten Betroffene und Angehörige der Verletzten den Schutz der Identität kritisch hinterfragt. Mit dem Beginn des Strafverfahrens am 20. Mai 2026 verändert sich die Lage. Eine öffentliche Hauptverhandlung schafft eine andere Grundlage für die Berichterstattung als das laufende Ermittlungsverfahren ein Jahr zuvor.
Die Vorwürfe wiegen schwer. Bei fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe vor. Ob der Fahrer eine Bewährungsstrafe oder eine Haftstrafe erhält, hängt vom Verfahrensausgang ab.
Meine ganz persönliche Meinung
Wenn ich es recht in Erinnerung habe, hat der Gründer den Substanzkonsum eingeräumt, eine Auswirkung auf seine Fahrtüchtigkeit zum Unfallzeitpunkt aber bestritten. Solchen Selbstauskünften kann man Glauben schenken – oder eben nicht. Schlimm genug ist, dass diese Frage überhaupt im Raum steht.
Drogen gehören nicht in den Körper. Drogen gehören erst recht nicht in den Kontext des Straßenverkehrs. Ob ein Gutachten am Ende einen kausalen Zusammenhang zwischen Konsum und Unfall belegen kann oder nicht – nur weil sich das vor Gericht möglicherweise nicht mehr eindeutig klären lässt, macht es die Tat nicht kleiner. Der Fahrer hat einem Menschen das Leben genommen.





