GameStop hat seinen Anteil an eBay auf rund 6,55 Prozent erhöht und damit nur wenige Tage nach der Absage des 56-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebots die nächste Eskalationsstufe gezündet. Die GameStop EBay Anteil Aufstockung ist als 13D-Filing kommuniziert und basiert überwiegend auf Derivaten mit Strike-Preisen zwischen 84,74 und 114,96 US-Dollar. CEO Ryan Cohen verschafft sich damit Verhandlungsmasse für einen Proxy Fight.
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Aus 5 Prozent werden 6,55 – und die Hebelwirkung steckt im Derivat
Laut Filing hält GameStop direkt 25.000 eBay-Aktien und zusätzliche wirtschaftliche Exposure über mehr als 29 Millionen Aktien. Anfang Mai waren es noch rund 22,2 Millionen Aktien. Der Sprung von 5,0 auf 6,55 Prozent erfolgt also nicht über klassischen Aktienkauf, sondern über Optionskonstrukte. Die Strike-Spanne von 84,74 bis 114,96 Dollar liegt unter dem aktuellen eBay-Kurs und unter den 125 Dollar je Aktie, die Cohen geboten hatte.
Der Vorteil dieser Struktur: GameStop bindet weniger Kapital und sichert sich Stimmrechte-Optionen, ohne sofort die ganze Position physisch zu halten. Der Nachteil: Direkte Stimmrechte aus Derivaten sind in einem Übernahmekampf nicht eins zu eins nutzbar. Cohen baut also primär ökonomischen Druck und Verhandlungshebel auf, wie Stocktwits berichtet .
„Neither credible nor attractive“ – eBay-Board bleibt hart
Das eBay-Board hatte das Angebot von 125 Dollar je Aktie als „weder glaubwürdig noch attraktiv“ zurückgewiesen. Die Begründung: Zweifel an der Finanzierung und am strategischen Fit. GameStop selbst ist mit rund 10 bis 12 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung deutlich kleiner als das Übernahmeziel eBay (rund 50 Milliarden). Die geplante Struktur sah laut Reuters etwa 20 Milliarden Dollar Fremdfinanzierung vor, der Rest sollte aus Cash und neuen GameStop-Aktien kommen.
Auch prominente Investoren sind skeptisch. Michael Burry verkaufte seine GameStop-Position, nachdem Cohen die Finanzierungsdetails in einem TV-Interview nicht klar erklären konnte. Burry warnte, man dürfe „Schulden nicht mit Kreativität verwechseln“. eBay verweist auf den eigenen Turnaround-Plan und besseres Wachstum als Argument gegen den Verkauf.
Cohen droht öffentlich – und kündigt Personalumbau an
Cohen geht in die Offensive. Im Interview mit Piers Morgan sagte er, die eBay-Direktoren hätten eine Pflicht, das Angebot zu prüfen, wenn es im Interesse der Aktionäre liege, und GameStop werde „tun, was nötig ist“, falls das Board nicht verhandle. In einem Gespräch mit Anthony Pompliano nannte er eBay „fettleibig bis zur Unangemessenheit“ und forderte, das Unternehmen müsse „auf Ozempic“. Cohen kündigt offen einen weitreichenden Führungsumbau an, falls er die Kontrolle übernimmt.
Sein Plan: rund 2 Milliarden Dollar jährliche Kostensenkungen bei eBay, vor allem in Marketing, Verwaltung und Produktentwicklung. Zudem schlägt er vor, das GameStop-Filialnetz als Paketannahme- und Authentifizierungsstandort für eBay-Verkäufer zu nutzen. Analysten halten genau das für die einzig nachvollziehbare strategische Logik des Deals.
Die nächsten Wochen entscheiden über den Eskalationsweg
Drei Pfade sind realistisch. Cohen erzwingt ein Treffen mit dem Board und verhandelt einen verbesserten Preis. Oder GameStop reicht einen formalen Tender Offer ein und geht direkt an die Aktionäre. Oder der Übernahmeversuch versandet, und Cohen kassiert mit seiner Derivate-Position im Idealfall einen Buchgewinn aus dem gestiegenen eBay-Kurs.
Die Tatsache, dass Cohen trotz der Absage nachlegt statt zurückzuziehen, deutet auf Variante zwei. Die Marktreaktion zeigt allerdings, dass Anleger an einen Deal-Abschluss nicht recht glauben: Der eBay-Kurs liegt unter den gebotenen 125 Dollar. eBay ist damit für GameStop zur strategischen Wette geworden, deren Ausgang an einem Wochenende vor einer Hauptversammlung kippen kann.




