Die Inflation April 2026 liegt bei 2,9 % und damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2024. Treiber sind Energie und Kraftstoffe, ausgelöst durch den Iran-Krieg und den daraus resultierenden Druck auf den Rohölmarkt. Diesel verteuerte sich allein gegenüber März um 6,1 %, Kraftstoffe insgesamt um 4,3 %. Für Onlinehändler wird das doppelt teuer: Versand und Verbraucherlaune geraten zugleich unter Druck. Auch die Kerninflation hat sich auf 2,3 % erhöht.
Inhaltsverzeichnis
- Zweiter Sprung in Folge – die Teuerungswelle ist zurück
- Kraftstoffe +26 % – die Versandkosten-Rechnung wird länger
- Schokolade +9,7 %, Butter -25 % – das Konsumklima zerfasert
- Gebrauchsgüter im Sinkflug – Margendruck im Onlinehandel
- Kerninflation 2,3 % – der Preisdruck sitzt tiefer als gedacht
- Was jetzt zu tun ist – Pricing, Versand, Liquidität
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Zweiter Sprung in Folge – die Teuerungswelle ist zurück
Das Statistische Bundesamt meldet für April 2026 eine Teuerung von 2,9 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Im März lag der Wert noch bei 2,7 %, im Februar bei 1,9 %. Innerhalb von zwei Monaten ist die Inflationsrate also um einen vollen Prozentpunkt geklettert. Auch gegenüber dem Vormonat März stiegen die Verbraucherpreise um 0,6 %.
Destatis-Präsidentin Ruth Brand benennt den Grund ohne Umschweife: Der Anstieg der Energiepreise infolge des Iran-Kriegs treibt die Gesamtteuerung. Die Pressemitteilung Nr. 161 vom 12. Mai 2026 liefert die Details.
Kraftstoffe +26 % – die Versandkosten-Rechnung wird länger
Energieprodukte verteuerten sich binnen Jahresfrist um 10,1 %. Besonders heftig trifft es Kraftstoffe mit einem Plus von 26,2 % gegenüber April 2025. Diesel allein verteuerte sich gegenüber März um 6,1 %, leichtes Heizöl sogar um 55,1 % im Jahresvergleich.
Für den E-Commerce-Versand bedeutet das einen direkten Kostendruck. DHL, DPD, GLS, Hermes und UPS kalkulieren ihre Sendungspreise auf Basis von Diesel-Indizes. Steigt der Dieselpreis um 6 % innerhalb eines Monats, ziehen die Versanddienstleister mit Treibstoffzuschlägen oder Preisrunden nach. Wer seine Versandkosten an den Kunden weitergibt, riskiert Conversion-Einbußen. Wer sie schluckt, sieht die Marge schwinden.
Die zum 1. Mai 2026 in Kraft getretene Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe wird im Mai-Index erstmals sichtbar – eine kleine Entlastung, kein Trendbruch.
Schokolade +9,7 %, Butter -25 % – das Konsumklima zerfasert
Nahrungsmittel verteuerten sich mit 1,2 % moderat. Innerhalb dieser Zahl steckt aber ein heterogenes Bild: Schokolade +9,7 %, Süßwaren +6,6 %, Eier +14,6 %, Fleisch und Obst je +3,6 %. Auf der anderen Seite Butter -25,4 %, Speiseöle -13,9 %, Kartoffeln -14,4 % und Molkereiprodukte -5,6 %.
Konsumgüter-Händler im FMCG-Bereich müssen ihre Preise also nicht nur nachjustieren, sondern auch in beide Richtungen kommunizieren. Wer Schokolade verkauft, hat ein anderes Gespräch mit dem Kunden zu führen als wer Butter verkauft.
Gebrauchsgüter im Sinkflug – Margendruck im Onlinehandel
Während Verbrauchsgüter um 4,2 % zulegten, lagen Gebrauchsgüter nur 0,6 % über Vorjahr. Unterhaltungselektronik verlor 6,1 %, Haushaltsgroßgeräte 2,4 %. Das klingt verbraucherfreundlich, drückt aber auf die Margen im Onlinehandel.
Wer Fernseher, Waschmaschinen oder Smartphones verkauft, sieht sinkende Durchschnittsbons bei gleichzeitig steigenden Versand- und Energiekosten. Die Schere zwischen Einkaufspreis und realisierbarem Verkaufspreis öffnet sich. Preiskämpfe auf Amazon und in den Vergleichsportalen verschärfen das Bild zusätzlich.
Kerninflation 2,3 % – der Preisdruck sitzt tiefer als gedacht
Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei 2,3 %. Das ist die eigentlich brisante Zahl: Sie zeigt, dass sich Preisdruck auch jenseits von Rohöl und Lebensmitteln aufgebaut hat. Dienstleistungen verteuerten sich um 2,8 %, soziale Einrichtungen sogar um 6,8 %, Fahrzeugreparaturen um 5,0 %.
Onlinehändler spüren das in ihren Fixkosten: Steuerberater, Werbeagenturen, IT-Dienstleister, Logistik-Partner kalkulieren ihre Honorare neu. Die EZB hat damit kaum Argumente für eine schnelle Zinssenkung – die Finanzierungskosten für Warenlager und Wachstum bleiben hoch.
Was jetzt zu tun ist – Pricing, Versand, Liquidität
Drei Hebel sind kurzfristig wirksam. Pricing: Versandkostenpauschalen prüfen und gestaffelte Freigrenzen einziehen, statt die Kosten unsichtbar in die Marge zu verschieben. Sortiment: Margenstarke Eigenmarken und nicht-preissensible Nischen stärken, während preisaggressive Marktplatz-Konkurrenz weiter wächst. Liquidität: Lagerreichweiten kritisch durchgehen, denn jeder Tag Vorrat kostet bei 2,9 % Inflation real mehr als noch im Februar.
Der nächste VPI-Termin im Juni wird zeigen, ob die Energiesteuersenkung den Anstieg bremst – oder ob 2,9 % erst der Anfang sind.





