Amazon-CEO Andy Jassy hat bei CNBC bestätigt, dass Amazon die Einzelhandelspreise gegenüber dem Vorjahr gesenkt hat – und erklärt, warum das für Onlinehändler kein Marketing-Stunt ist. Wer auf dem Marketplace verkauft, konkurriert nicht nur mit anderen Händlern, sondern mit dem Cost-to-Serve-Vorteil von Amazon selbst. Jassy nennt die Hebel: Netzwerk-Umbau, kürzere Wege, weniger Pakete pro Bestellung. Das Ziel: Amazon Preise senken können, nicht nur senken müssen.
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Der Satz, den Bezos seit 20 Jahren wiederholt
Jassy zitierte im CNBC-Interview mit Jim Cramer einen internen Amazon-Spruch: Es sei einfach, Preise zu senken – schwer sei, sich niedrige Preise leisten zu können. Genau darin liege der Unterschied. Amazon investiere überproportional viel Zeit darin, die Cost-to-Serve im Fulfillment-Netzwerk zu drücken. Erst dann werden niedrige Preise dauerhaft tragfähig.
Übersetzt heißt der Satz für Onlinehändler: Rabatte aus der Marge sind kein Geschäftsmodell. Wer dauerhaft günstiger sein will, muss an die Stückkosten ran – Lager, Versand, Verpackung, Retouren. Quelle: aboutamazon.com .
Regionale Lager statt nationaler Hubs
Jassy beschreibt einen kompletten Umbau des US-Logistiknetzes. Artikel werden näher am Endkunden eingelagert, die Distanz zur Lieferadresse sinkt. Folge: kürzere Laufzeiten, niedrigere Versandkosten pro Sendung. Das ist das Modell, das Amazon in Europa über die regionalen Fulfillment-Center seit Jahren ausrollt – und der Grund, warum FBM-Händler bei der Liefergeschwindigkeit kaum noch mithalten.
Für deutsche Marketplace-Händler heißt das: Wer ohne Prime-Geschwindigkeit verkauft, verliert beim Buy-Box-Algorithmus weiter an Boden. Ohne FBA oder Seller Fulfilled Prime sinken die Klickraten weiter.
„Add to Order“ – warum dein Versand teurer wird
Jassy verweist auf die Funktion „Add to Order“, mit der Kunden Artikel zu einer bereits laufenden Bestellung hinzufügen können. Mehr Einheiten pro Karton, weniger Pakete, weniger Verpackungsmüll, niedrigere Logistikkosten. Für den Kunden weniger Pakete am Hauseingang, für Amazon ein direkter Margenhebel.
Onlinehändler mit eigenem Versand können das nicht abbilden. DHL, DPD, GLS rechnen pro Sendung ab, nicht pro Stückzahl im Karton. Wer im selben Kostensegment landen will, braucht entweder höhere Warenkörbe pro Bestellung oder eine andere Versandstrategie.
Was du als Händler jetzt rechnen musst
Wenn Amazon die Preise senkt, wandert die Preiserwartung der Kunden mit. Die Buy Box wird härter umkämpft, dynamische Repricer reagieren schneller, Margen werden dünner. Drei Punkte, die du heute durchrechnen solltest.
Erstens: Stückkosten pro Versand. Was kostet dich eine durchschnittliche Sendung wirklich – inklusive Verpackung, Pickzeit, Retourenquote?
Zweitens: Warenkorb-Optimierung. Welche Cross-Sells erhöhen den durchschnittlichen Bestellwert, ohne die Conversion zu killen?
Drittens: Lagerstandorte. Macht ein zweiter Logistikstandort näher am Kunden Sinn, oder reicht der zentrale Versand?
Das eigentliche Signal
Jassy redet nicht über Rabattaktionen, er redet über Infrastruktur. Amazon optimiert nicht den Verkaufspreis, sondern die Kostenbasis darunter. Solange das gelingt, bleibt der Preisdruck auf alle anderen Marketplace-Händler bestehen – Tag für Tag, Bestellung für Bestellung. Es wäre ja nice, wenn Amazon diese Vorteile auch einmal ihren FBA Partnern zugängig machen würde.





