eBay beendet die Zusammenarbeit mit JP Kraemer. Das erklärte eine eBay-Sprecherin heute exklusiv gegenüber Wortfilter. Nur Stunden zuvor hatte der Dortmunder Auto-Influencer in einem YouTube-Video angekündigt, JP Performance nicht weiterzuführen und seine geschäftlichen Aktivitäten einzustellen. Vorausgegangen waren Überwachungsaufnahmen, die körperliche Gewalt-Übergriffe auf seine Noch-Ehefrau zeigen – Kraemer hat sie eingeräumt. Ein Firmengeflecht mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz bricht damit weg, weil die Personenmarke, auf der alles stand, nicht mehr trägt.
Inhaltsverzeichnis
- eBay zieht den Stecker: „Wir verurteilen Gewalt jeglicher Form“
- 18 Firmen, 80 Mitarbeiter, 100 Millionen Umsatz – und jetzt Schluss
- Gönrgy, BVB, Joyn, Porsche – die Partner fallen im Stundentakt
- Personenmarke heißt: ein Klumpenrisiko mit Puls
- Die Fanboys entschuldigen die Gewalt – und das ist widerwärtig
- „Ich bin kein böser Mensch“ – doch, das ist er
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eBay zieht den Stecker: „Wir verurteilen Gewalt jeglicher Form“
Die Aussage der eBay-Sprecherin gegenüber Wortfilter im Wortlaut: „Wir haben die Partnerschaft mit JP Performance beendet. Die Handlungen, die öffentlich bekannt geworden sind, stehen nicht im Einklang mit den Standards und Werten, die wir von unseren Partnern erwarten. Wir verurteilen Gewalt jeglicher Form.“
Die Verbindung reichte weit. Seit April 2024 war Kraemer das Gesicht der eBay-Motors-Markenkampagne „Life of a car“, entwickelt mit der Berliner Agentur DEPT. Dazu kam das Videoformat „eBay Fixers“, in dem Projektfahrzeuge über eBay Motors beschafft und aufgebaut wurden – mit eigenen Hashtags und fester Serienlogik. Auf der Essen Motor Show stand 2024 und 2025 jeweils ein gemeinsam mit der Community aufgebautes Showcar am eBay-Stand, zuletzt ein BMW 325i von 1992. JP Kraemer war für eBay eine zentrale Reichweitenachse in der deutschen Auto-Szene: 2,7 Millionen Abonnenten bei YouTube, rund 1,4 Millionen bei Instagram.
18 Firmen, 80 Mitarbeiter, 100 Millionen Umsatz – und jetzt Schluss
In dem am Dienstag veröffentlichten Video kündigt Kraemer an, die Firma JP Performance nicht weiterzuführen. Er entschuldigt sich öffentlich bei seiner Noch-Ehefrau Julia Meck für das, was er ihr körperlich und menschlich angetan hat, und erklärt, es sei das letzte Video, das er auf diesem Weg veröffentliche. Am Ende bittet er um Vergebung.
Hinter der Marke steht laut Bild ein Geflecht aus 18 Unternehmen mit rund 100 Millionen Euro Jahresumsatz und mehr als 80 Beschäftigten in Dortmund. Am Samstag hatte Kraemer seiner Belegschaft per WhatsApp mitgeteilt, dass er sich zu seinem Vater zurückzieht und anschließend eine Therapie beginnt. Teile des Geschäfts – Pace, Big Boost und Carffee – sollten zunächst weiterlaufen.
Ausgangspunkt war ein Polizeieinsatz am 26. Juli an einem Wohnhaus in Dortmund , über den zuerst die Ruhr Nachrichten berichteten. Die Polizei fertigte gegen einen 45-jährigen Dortmunder eine Strafanzeige wegen des Verdachts der vorsätzlichen einfachen Körperverletzung und Sachbeschädigung. Danach tauchte eine Überwachungsaufnahme vom November 2024 auf, die zeigt, wie Kraemer seine Frau am Hals packt und wegstößt. Kraemer hat die Übergriffe in einem Statement selbst eingeräumt: Er habe sie am Hals gepackt, zur Seite geschubst und an den Haaren gezogen. Julia Meck hat Strafantrag gestellt und schildert gegenüber Bild monatelange Misshandlungen. Kraemers Darstellung, auch sie sei gewalttätig geworden, weist sie zurück – sie habe sich gewehrt.
Gönrgy, BVB, Joyn, Porsche – die Partner fallen im Stundentakt
eBay ist nicht allein. Die von MontanaBlack mitgegründete Getränkemarke Gönrgy beendete die Zusammenarbeit als erster großer Sponsor und distanzierte sich ausdrücklich von Gewalt gegen Frauen. Borussia Dortmund nahm die erst im Frühjahr 2026 gestartete Kollektion BVB x JP Performance aus dem Sortiment, im Fanshop ist sie verschwunden. Joyn zeigt die Sendungen mit Kraemer bis auf Weiteres nicht mehr. Porsche entfernte einen älteren Beitrag mit ihm aus dem eigenen Archiv.
Innerhalb von vier Tagen ist damit die komplette Verwertungskette abgeräumt: Marktplatz, Sponsor, Bundesligist, Sender, Hersteller. Kein Partner hat auf den Ausgang eines Verfahrens gewartet. Das öffentliche Eingeständnis hat gereicht.
Personenmarke heißt: ein Klumpenrisiko mit Puls
Der Fall führt vor, was eine Creator-Marke im Handel wirklich ist. Wer Ware unter einem Personenlabel führt, hängt am Verhalten dieses Menschen – nicht an Produktqualität, nicht an Marge, nicht an Retourenquote. Fällt die Person aus, ist der Bestand über Nacht unverkäuflich. Der BVB konnte die Kollektion binnen Stunden aus dem Shop nehmen. Onlinehändler, die Lizenz- oder Merchandiseware aus solchen Kooperationen eingekauft haben, können das nicht. Sie sitzen auf dem Lager.
Drei Punkte gehören deshalb in jeden Vertrag über eine Influencer-Kooperation:
- Eine Verhaltensklausel (Morality Clause) mit sofortigem Kündigungsrecht bei Reputationsschäden – inklusive Regelung, wer den Restbestand übernimmt.
- Keine Mindestabnahmemenge ohne Ausstiegsschwelle und keine Exklusivbindung über die Vertragslaufzeit hinaus.
- Eine Rücknahme- oder Ablösevereinbarung für bereits produzierte Ware, damit das Risiko beim Lizenzgeber liegt und nicht bei dir.
Wer solche Ware bereits im Bestand hat, prüft jetzt seine Listings, entfernt den Markenbezug, wo das vertraglich und markenrechtlich möglich ist, und verkauft Restposten zügig ab. Der Wert dieser Ware sinkt mit jedem Tag Berichterstattung.
Die Fanboys entschuldigen die Gewalt – und das ist widerwärtig
Unter dem ersten Wortfilter-Beitrag zum Thema sammeln sich Kommentare, die die Taten relativieren. Ein Leser schreibt:
Warum wird eigentlich nur der durch den Dreck gezogen und nicht seine Frau? Er hat doch gesagt, sie hat auch ausgeteilt.
Kommentar unter dem ersten Wortfilter-Beitrag
Es gibt nichts zu relativieren. Nichts. Kraemer hat die Übergriffe selbst eingeräumt, die Aufnahmen sind öffentlich, seine Noch-Ehefrau hat Strafantrag gestellt. Wer daraus eine Täter-Opfer-Umkehr bastelt, hat den Sachverhalt nicht verstanden oder will ihn nicht verstehen.
Auffällig ist, wie schnell sich eine Anhängerschaft formiert, die das Ganze zur Privatsache erklärt. Reichweite erzeugt Loyalität, Loyalität erzeugt blinde Flecken.

Für Marken ist das kein Argument, sondern eine Warnung: Eine Community, die Gewalt entschuldigt, ist kein Umfeld, in dem ein Marktplatz oder ein Händler werben will. Genau deshalb ist die Reaktion von eBay richtig – und sie kam schnell.
„Ich bin kein böser Mensch“ – doch, das ist er
Kraemer sagt in seinem Abschiedsvideo über sich selbst: „Ich bin kein böser Mensch.“ Doch. Wer seine Frau am Hals packt, an den Haaren zieht und wegstößt und sie schlägt, ist ein böser Mensch. Daran ändert kein Video etwas, keine Therapieankündigung und keine Bitte um Vergebung.
Dass eBay, Gönrgy, der BVB, Joyn und Porsche innerhalb weniger Tage die Reißleine gezogen haben, ist die einzig mögliche Reaktion. Alles andere wäre ein Freibrief gewesen. Wer seine Frau schlägt, gehört nicht auf eine Bühne – und schon gar nicht auf ein Produktetikett. Er gehört straftrechtlich sanktioniert.




