Der BILD Marktplatz ist eingestellt. Zwei Jahre nach dem Start hat Axel Springer die Plattform abgeschaltet, ohne Ankündigung. Übrig bleibt ein Hinweis, der ehemalige Käufer auf ihre zweijährige Gewährleistung verweist. Gestartet war der Marktplatz im März 2024 mit mehr als 30.000 Artikeln von über 50 Händlern und dem Versprechen, die Reichweite von BILD.de in Umsatz zu übersetzen. Für die angebundenen Onlinehändler ist die Anbindung abgeschrieben. Gestartet wie ein Tiger, gelandet als Bettvorleger.
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In 11 Wochen hochgezogen, nach zwei Jahren erledigt
Von der Entscheidung bis zum Go-live vergingen 11 Wochen. Marktplatz-Chef Sten Kolod erklärte das Tempo im April 2024 auf einem Panel des Mirakl Platform Summit, über das Marketplace Universe berichtete . Ziel sei der schnellste Marktplatz-Start überhaupt gewesen. Die Sortimentsstrategie sei nachgelagert.
Sein Fazit auf der Bühne: nicht zu lange nachdenken, einfach machen, BILD-Style. Die Sortimentsstrategie sollte danach entstehen, während BILD beobachtet, wie Leser, Werbekunden und Händler den Marktplatz annehmen. Sie ist nie entstanden.
30.000 Artikel – und viele davon sofort ausverkauft
Zum Start Ende März 2024 zeigten viele der rund 30.000 Artikel sehr niedrige Bestände oder waren direkt ausverkauft. Eine Verlinkung zwischen BILD.de und dem Marktplatz gab es in den ersten Wochen kaum. Erst später tauchte der Marktplatz in der Navigationsleiste auf.
Das Sortiment kam aus Heim & Garten, Möbel & Deko, Technik und Haustierbedarf, überwiegend im mittleren Preissegment. Gewerbliche Händler stellten ihre Artikel selbst ein und bestimmten Preis und Versandkosten. Bezahlt wurde per Kredit- und Debitkarte sowie über Klarna. Rücksendungen waren kostenfrei, die Widerrufsfrist lag bei 14 Tagen und konnte vom Verkäufer verlängert werden.
20 Millionen Visits am Tag und trotzdem keine Relevanz
BILD warb gegenüber Händlern mit knapp 20 Millionen Visits pro Tag. Mirakl, der französische Softwareanbieter hinter der Plattform, sprach in seiner eigenen Mitteilung von mehr als 38 Millionen erreichten Menschen pro Monat. Solche Zahlen hat im deutschen Handel fast niemand.

Umsatz wurde daraus nicht. Der Marktplatz blieb bei Händlern wie bei Kunden ohne Gewicht. Auf Trustpilot stehen gut 80 Bewertungen, darunter Beschwerden über Retourenabwicklung und Kundenservice. Ein Marktplatz mit dieser Reichweite im Rücken, der kein eigenes Profil aufbaut, wird überflüssig.
Mirakl liefert die Technik, nicht das Geschäft
Ein Marktplatz-Framework löst Katalogaufnahme, Bestellrouting und Zahlungsaufteilung. Es löst keine Sortimentssteuerung, keine Händlerbetreuung, keine Retourenlogistik, keinen Kundenservice, keine Streitfälle. Dieser Rattenschwanz wird unterschätzt, und das Framework nimmt ihn niemandem ab.
Jede Bestellung erzeugt Folgeaufwand: Rückfragen, Lieferverzug, Reklamation, Widerruf, Bewertung. Bei einem Verlag, der Reichweite verkauft, ist dieser Betrieb das eigentliche Geschäft. Wer ihn nicht aufbaut, hat einen Katalog und keinen Marktplatz.
Bild TV, BILD Marktplatz: Springer bricht im Zweijahrestakt ab
2021 startete Bild TV, 2023 war Schluss. Nach zwei Jahren. 2024 startete der BILD Marktplatz, 2026 ist Schluss. Nach zwei Jahren. Das Muster wiederholt sich: schneller Start, Reichweite als Argument, Abbruch bei ausbleibendem Erfolg.
Für Onlinehändler ist das teuer. Sie zahlen die Schnittstelle, pflegen Sortiment und Bestände, tragen das Retourenrisiko und stehen am Ende ohne Umsatz da. Das ist die Rolle des Beta-Testers, unbezahlt.
„Einfach machen“ ist keine Sortimentsstrategie. Die Rechnung dafür zahlen die Händler, nicht Axel Springer.




