Ja, das wird wieder einen kleinen Shitstorm geben. Ich ahne es schon. Aber egal. Ich bin erschrocken von der Rückständigkeit der meisten kleinen Händler. Die kleinen Ein-bis-Drei-Mann-Buden. Die Seller, meistens über 40, männlich, mäßig gebildet und auf der ganzen Linie mit ihrem Business erfolglos. Sie kriechen seit fünf bis zwanzig Jahren immer in der gleichen Größe dahin. Schuld sind immer die anderen. Amazon ist böse, eBay schafft sich ab. Und seitdem sie nicht mehr auf Amazon verkaufen, füllt sich deren Geldspeicher wie bei Dagobert Duck. Nicht. Genau diese Spezies Händler meine ich. Also damit fast alle. Ja, es gibt Ausnahmen – aber wenige. Vielleicht ein Prozent, mehr nicht.

Und selbst Coaches und Kursanbieter – ich telefonierte letzte Woche mit einem – scheint KI noch recht fremd zu sein. Aber schaut man sich einmal das Feedback auf dem Vortrag von Michael Groß an – und er ist bei weitem nicht das hellste Licht auf der Torte –, dann hat das schon etwas von Dramatik. Da erzählt er ein wenig von n8n und Agentik, und alle denken, er verstreut gerade Feenstaub und verleiht den Zuhörern Zauberkräfte. Unfug. Das sind Basics.

So funktioniert KI – für alle, die es noch nicht begriffen haben

Mit KI kannst du sprechen wie mit einem Kollegen: „Mach das grün. Mach das fett. Mach die Artikelbeschreibung auf Kölsch.“ Und die KI macht das. Macht sie es nicht, dann frag nach. Frag eine andere KI. Rede mit ihr. Dir wird geholfen. Das Einzige, was du mitbringen musst, sind so viele Gehirnzellen, dass du halbwegs eine Frage formulieren kannst. Mehr nicht. Und naja – du solltest die Antworten auch lesen können. Übrigens: KI ist niveauflexibel und erklärt dir alles im Zweifel auch in ganz einfacher Sprache und mit Emojis.

Ich bin faul – und genau deshalb liebe ich KI

Ich bin selbst nicht gerade das hellste Licht auf der Torte. Aber ich bin faul. Diese beiden Eigenschaften sind perfekt für KI. Du beschäftigst dich damit, weil du keine Lust auf doofe Arbeit hast. Und sieh an: Meine Beiträge veröffentlichen sich fast automatisch. Und noch viel mehr. Ich bin auf einmal der sensationellste WordPress-Coder. Die Hälfte der style.css und der functions.php auf wortfilter stammen von mir. Ok, gelogen – die Kollegen Claude und Chat haben mir geholfen. Der Effekt: Ich kann vieles jetzt selbst machen, ohne einen teuren Freelancer zu beauftragen. Geht dabei mal was schief? Ja, oft. Aber egal. Ich habe Sicherungen und kann sie schnell zurückspielen. Und für zwölf Euro könnte ich mir auch einen Spielplatz – einen Testserver – bei IONOS mieten.

Zeit? Das ist so eine Sache. Ich habe sie mehr oder weniger, weil mir der Kram echt Spaß macht. Ich baue mir gerade auf Amazon SES ein Mail-Tool – also mein eigenes Mailchimp. Warum? Weil ich’s kann und weil es sau günstig ist. Ohne KI könnte ich mir das alles so nicht leisten. Wisst ihr wie teuer es ist einen Newsletter mit 1 Millionen Empfänger zu versenden? (Ok die Wahrheit: Ich benötige das Budget für erwartete Abmahnungen😉) Und damit sind wir auch schon fast am Ende.

Wie selten dämlich muss man sein, das zu ignorieren?

Wie selten dämlich müssen Händler sein, KI jetzt nicht exzessiv einzusetzen und ihr Business nach vorne zu bringen? Diese Zeit kommt nie wieder. Die Ein-Mann-Bude kann sich so einfach wie nie zuvor nach vorne bringen. Ihr bekommt mit den verschiedenen LLMs Werkzeuge an die Hand, von denen ihr vor zwei Jahren nur geträumt hättet. Euch stehen alle Möglichkeiten offen. Irgendeine Marktplatz- oder Lieferantenanbindung ist in Stunden erledigt. Easy.

Ich habe rund drei Stunden gebraucht, um eine Innocigs-Schnittstelle zu bauen – Innocigs ist ein Dropshipping-Anbieter – und damit einen WooCommerce-Shop anzubinden. Und nein, ich konnte vorher nicht coden und kann es jetzt auch nicht. Auch das ist wahr: Der Code wird mies sein. Aber er funktioniert. Und so lange es keinen Preis für schönen Code zu gewinnen gibt, ist mir das auch egal.

So sieht meine Realität aus, wenn ich etwas in WooCommerce ändern möchte: Mein Claude ist mit WordPress und WooCommerce verbunden. Ich klicke durch keine Menüs mehr. Und das ist jetzt eine wahre Begebenheit: „Mache die Artikelbeschreibung in der Kategorie XY auf Pfälzisch und passe sie genau auf das spezifische Produkt an.“ In weniger als fünf Minuten waren die Beschreibungen in perfektem Pfälzerisch. Und ein anderer Prompt: „Schreibe mir für alle Produkte mindestens drei bis fünf Bewertungen.[…]“ Hat auch geklappt.

Und jetzt erzählt mal, warum ihr KI noch nicht abfeiert. Ihr müsstet eigentlich jeden Sonntag in der Kirche eine Kerze für Altman und Co. anzünden. Oder seid ihr einfach nur dumm wie Brot?

Spoiler: KI kann damit umgehen.

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