Tobias Groten, Gründer der Tobit Software AG und Tobit.Labs, ist am 3. Mai 2026 mit 59 Jahren überraschend gestorben. Die Mitarbeiter wurden am Montag informiert, als Ursache wird ein Herzinfarkt genannt. Mit Groten verliert die deutsche Softwareszene einen ihrer markantesten Gründer. Ich selbst habe Tobit David fast bis zum Schluss in meinem damaligen Unternehmen eingesetzt. Dieser Beitrag ist auch eine Mahnung an alle, die jenseits der 50 noch immer glauben, der Erfolg zähle mehr als die Gesundheit.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Vom Atari ST zur Smart City – ein Gründerleben im Schnelldurchlauf

Tobias Groten hat 1986 sein Abitur abgebrochen, um sich ganz auf Tobit Software zu konzentrieren. Er begann als Jugendlicher mit Software für Heimcomputer wie den Atari ST und für Mailbox-Systeme. Aus dieser Garagenphase wurde ein Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern und eigenem Campus an der Parallelstraße 41 in Ahaus.

Tobit blieb inhabergeführt und unabhängig. Die operative Gesellschaft ist eine Tochter der Tobit Laboratories AG, an der Groten die Anteile hielt und als CEO fungierte. Medien nannten ihn gerne den „Bill Gates von Westfalen“. Noch am 1. Mai 2026, zwei Tage vor seinem Tod, warb er öffentlich für mehr Digitalisierung.

Tobit David – die Software, die mich Jahre begleitet hat

Für viele in meinem Alter ist Tobit untrennbar mit Tobit David verbunden. Die Kommunikationssuite hat E-Mail, Fax, SMS und Sprachnachrichten in einer einzigen Anwendung gebündelt – zu einer Zeit, in der Outlook noch keine ernsthafte Konkurrenz war. Ich habe David selbst über Jahre in meinem damaligen Unternehmen eingesetzt. Verlässlich, schnell, eigen.

Erst mit der Einführung eines Dokumentenmanagementsystems wechselten wir – wir entschieden uns für ELO und gegen Tobit. Das war damals eine pragmatische Entscheidung, keine gegen das Produkt. David war für seine Zeit eine gute Lösung.

Wie Tobit sich immer wieder neu erfunden hat

Nach unserem Wechsel hatte ich Tobit aus den Augen verloren. Wiedergesehen habe ich das Unternehmen auf meinem ersten Shopware Community Day, als plötzlich der Tobit Campus präsent war. Aus dem Kommunikations-Spezialisten war ein Plattform-Anbieter geworden, der mit Chayns ein eigenes digitales Betriebssystem entwickelt hatte.

Lange bevor der Begriff „Smart City“ geläufig war, verwandelte Groten Ahaus in ein Reallabor: vernetzte Bezahlsysteme, Gastronomie, Events, kommunale Dienste. Ahaus gilt seither als eine der digitalisiertesten Kleinstädte Deutschlands.

Wenn ich heute zurückschaue, ist es das, was mich am meisten beeindruckt: Wie oft sich dieses Unternehmen neu erfunden hat – vom Fax-Server über mobile Kommunikation bis zu Cloud und Plattform. Die wenigsten deutschen Softwarehäuser haben das in dieser Konsequenz geschafft.

59 Jahre. Herzinfarkt. Und die Frage, die wir uns alle stellen müssen

Tobias Groten wurde 59 Jahre alt. Er hinterlässt eine Frau, vier erwachsene Kinder und ein Enkelkind. Ein Mensch, der vor Energie und Ideen sprühte, am 1. Mai noch auf der Bühne stand und zwei Tage später nicht mehr lebt.

Das trifft mich – auch persönlich. Ich bin 57. Und es sind nicht wenige aus unserer Branche, die wir in den letzten Jahren verloren haben: Stefan Grimm. Rene Euskirchen. Jetzt Tobias Groten. Alle viel zu früh.

Aller Erfolg nützt nichts, wenn er nicht genossen werden kann. Gute Ernährung, Sport, ein angemessenes Gewicht und regelmäßige medizinische Kontrolle sollten in unserem Alter selbstverständlich sein. Das ist keine Lifestyle-Mahnung, das ist Realität. Wer mit 59 plötzlich zusammenbricht, hat oft Jahre vorher Signale ignoriert – oder hatte schlicht keine Zeit, hinzuhören.

Wir sind nicht mehr 30. Behaltet das bei eurer Lebensweise im Hinterkopf. Geht zum Check-up. Bewegt euch. Esst vernünftig. Nicht morgen, sondern in dieser Woche.

Was bleibt

Die deutsche Softwarelandschaft hat nur wenige Gründer, die ihre Heimatstadt geprägt, ein eigenes Betriebssystem gebaut und gleichzeitig 40 Jahre lang unabhängig und erfolgreich geblieben sind. Groten war einer davon. Auf der Tobit-Webseite ist ein Online-Kondolenzbuch eingerichtet.

Mein Beileid gilt seiner Familie und dem Team in Ahaus. Tobit verliert seinen Gründer – die Branche einen Macher, der gezeigt hat, dass deutsche Software auch ohne Investoren und Exit-Story groß werden kann.

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