Chronext Kunden warten seit Monaten auf ihre Uhren oder auf ihre Verkaufserlöse. Ein Anwalt aus Leinefelde-Worbis vertritt inzwischen 25 Mandanten gegen die Kölner Plattform, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Die offenen Beträge reichen von 2.000 bis 80.000 Euro. Chronext gehört zur börsennotierten The Platform Group (TPG). Und bei einer zweiten TPG-Beteiligung mehren sich die Zahlungsprobleme ebenfalls.

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14.800 Euro überwiesen, die Rolex kam nie an

Eine Familie aus Deutschland bestellte am 18. Februar 2026 eine Rolex Datejust 41. Sie zahlte 14.800 Euro per Echtzeitüberweisung. Die Uhr kam nicht an. Bis in den Juni hinein vertröstete Chronext die Käufer schriftlich und telefonisch. Danach stornierte das Unternehmen den Auftrag. Das Geld haben die Kunden nach eigenen Angaben bis heute nicht zurückerhalten.

Ein zweiter Kunde schildert einen ähnlichen Ablauf. Er verkaufte über Chronext zwei Uhren seiner Schwiegereltern. Im März 2025 meldete die Plattform die erste Uhr als verkauft, im Mai 2025 die zweite. Der Erlös blieb aus. Am Telefon hörte er, die Zahlung sei bereits freigegeben, es hänge nur noch an der Finanzabteilung.

Wenn nur noch die Kontopfändung hilft

Anwalt Sebastian Hofauer bekam den ersten Chronext-Fall Mitte Januar auf den Tisch. Inzwischen vertritt seine Kanzlei nach eigenen Angaben 25 Mandanten. Die meisten haben eine Uhr verkauft und warten auf die Auszahlung. Im Mittel geht es um 15.000 bis 20.000 Euro. Chronext reagiert laut Hofauer in vielen Fällen nicht einmal auf Mahnbescheide.

Nach einem Mahnbescheid hat der Empfänger zwei Wochen Zeit für den Widerspruch. Danach folgt der Vollstreckungsbescheid, gegen den er erneut zwei Wochen Einspruch einlegen kann. Bleibt beides aus, kommt die Zwangsvollstreckung. Hofauers Mandanten erhielten ihr Geld erst über die Kontopfändung – dann allerdings vollständig.

Die Buchhaltung zieht um, das Geld bleibt liegen

Ein Kundenberater nannte einem Verkäufer einen Grund: Die TPG-Gruppe zentralisiere derzeit Abteilungen, darunter die Finanzbuchhaltung. Die Holding übernehme künftig Aufgaben für die Chronext GmbH. Diese Integration laufe chaotisch. Auch ein Geschäftsführerwechsel diente als Erklärung.

Auf der eigenen Website wirbt Chronext damit, dass 93 Prozent der Kunden das Unternehmen mit der Bestnote bewerten. Auf Trustpilot häufen sich seit Jahresbeginn dagegen Beschwerden über fehlende Lieferungen und ausbleibende Zahlungen. Mehrere Betroffene haben Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln gestellt. Die Behörde nennt mit Verweis auf Persönlichkeitsrechte weder Namen noch Verfahrensbeteiligte. Chronext und TPG ließen die Fragen der WirtschaftsWoche unbeantwortet.

Auch bei Lott platzen jetzt die Lastschriften

Chronext ist nicht die einzige TPG-Beteiligung mit Zahlungsauffälligkeiten. Die Aktivbank AG kündigte der Werner Lott Kfz- und Industriebedarf GmbH im Januar 2026 die Zentralregulierung fristlos, wie wortfilter.de berichtete . Der Gesellschafterstatus in der CAR-Verbundgruppe ruhte danach. Zeitgleich endete die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten Stahlgruber.

Auszug einer „geplatzten“ Lastschrift der The Platform Group Tochter Lott

Neu ist: Nach Informationen von wortfilter.de platzen bei Lott inzwischen auch Lastschriften über kleinere Beträge. Zudem berichtet mindestens ein neu gewonnener Lieferant von unbezahlten Rechnungen. Lott gehört wie Chronext zur The Platform Group. Als Geschäftsführer ist Dr. Dominik Benner eingetragen.

Vorkasse an eine Plattform – wer trägt das Risiko?

Anwalt Hofauer rät, vor jeder Transaktion zu prüfen, ob eine Vorleistung sinnvoll ist. Ware oder Geld können verloren gehen. Der Frankfurter Anwalt Jobst Ehrentraut empfiehlt bei ausbleibender Lieferung, kurzfristig zur Lieferung aufzufordern oder vom Kauf zurückzutreten. Häufig übernimmt eine Rechtsschutzversicherung die Verfahrenskosten. Die Erfolgsaussichten schätzt er als gut ein, sofern Betroffene ihre Ansprüche durchsetzen.

Für Onlinehändler zählt vor allem das Kommissionsmodell. Wer Ware an eine Plattform übergibt, gibt sie aus der Hand und wartet auf Geld. Kurze Auszahlungsfristen, schriftliche Zusagen und ein Blick auf den Zentralregulierer senken das Risiko. Dokumentiere Zahlungsverzögerungen ab dem ersten Tag. Das gerichtliche Mahnverfahren funktioniert – aber nur mit Belegen.

Zwei Töchter, ein Muster

Die TPG-Aktie ist zuletzt eingebrochen. Der Konzern kauft Onlinehändler und Plattformen zu und zieht anschließend Funktionen in die Holding. Bei Chronext hängen Auszahlungen fest. Bei Lott platzen Lastschriften. Beide Fälle laufen unter derselben Konzernklammer.

Ein kausaler Zusammenhang ist damit nicht belegt. Auffällig ist das Muster trotzdem.

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