Die Cleverbuy Insolvenz : Die Krefelder Ankaufplattform für gebrauchte Elektronik hat den Geschäftsbetrieb mit sofortiger Wirkung eingestellt und Insolvenzantrag gestellt. Geschäftsführer Karl-Heinz Joschko sitzt wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmen gewerbsmäßigen Betrug und strafbare Kennzeichenverletzung vor – mehr als 1.000 Strafanzeigen liegen vor, auch Apple und Samsung haben Anzeige erstattet.
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Geschäftsbetrieb gestoppt – keine Geräte mehr annehmen
Wer cleverbuy.de aufruft, sieht nur noch eine „Wichtige Kundeninformation“. Der Rest des Shops ist nicht mehr erreichbar. Wörtlich heißt es dort: Die Cleverbuy GmbH habe „aus Rechtsgründen mit sofortiger Wirkung ihre gesamte Geschäftstätigkeit eingestellt“. Ab sofort werde keine Ware mehr angekauft oder verkauft, die Annahme von Einsendungen werde abgelehnt.
Aufgrund von Zahlungsproblemen sei Insolvenzantrag gestellt worden. Cleverbuy bittet seine Kunden ausdrücklich, keine Geräte mehr zuzusenden. Sendungen, die jetzt noch unterwegs sind, dürften ein Problem werden – mit dem noch zu bestellenden Insolvenzverwalter müssen Lösungen gefunden werden, damit Gläubiger zumindest teilweise befriedigt werden können.
1.000 Strafanzeigen, Apple und Samsung mittendrin
Die Insolvenzanmeldung ist nur die letzte Eskalationsstufe. Vor dem Amtsgericht Krefeld läuft seit Anfang dieser Woche ein Strafprozess gegen Geschäftsführer Karl-Heinz Joschko und eine leitende Mitarbeiterin. Laut heise online liegen mehr als 1.000 Anzeigen von Privatkunden vor. Auch Apple und Samsung sollen Strafanzeige gestellt haben – wegen Markenrechtsverletzung.
Joschko wurde wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft genommen. Im aktuellen Verfahren geht es nur um einen Ausschnitt: 115 Fälle seit Dezember 2022, in denen vereinbarte Kaufpreise nicht ausgezahlt wurden. Schadenssumme: 73.635,70 Euro. Der nächste Verhandlungstermin ist der 6. Mai 2026. Wie sich der Insolvenzantrag auf den Strafprozess auswirkt, ist offen.
Verbraucherzentralen warnten seit November 2024
Der Crash kommt nicht überraschend. Bereits im November 2024 hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) eine Warnung vor Cleverbuy ausgesprochen – wegen verzögerter Auszahlungen. Die in den AGB zugesicherte Frist von 14 Werktagen ab Annahmeerklärung wurde laut vzbv „häufig“ gerissen, manche Verkäufer warteten Monate auf ihr Geld.
Der vzbv mahnte Cleverbuy wegen irreführender Werbung ab. Konkret kritisiert wurde der Werbespruch „Wir überweisen dir dein Geld direkt auf dein Konto“ – tatsächlich landete das Geld zunächst auf einem internen virtuellen Konto. Auch die Werbung mit Google-Bewertungen war auffällig: Cleverbuy wies Bestnoten aus, das tatsächliche Google-Rating lag bei 1,3 von 5 Sternen. Im Dezember 2025 wiederholte die Verbraucherzentrale Brandenburg die Warnung in nahezu identischer Form. Hier ein Urteil .
Übernahme durch DIS-CONNECT geplatzt
Eine Rettung wäre noch möglich gewesen: Mit der DIS-CONNECT GmbH stand ein potenzieller Käufer in Verhandlungen. DIS-CONNECT wollte die Marke Cleverbuy und wesentliche Teile des Geschäfts auf „solider finanzieller Grundlage“ übernehmen. Cleverbuy bestätigt selbst auf der Webseite, dass diese Verhandlungen „zum jetzigen Zeitpunkt gescheitert“ sind. Damit liegt die weitere Entwicklung beim Insolvenzverwalter.
Die Cleverbuy GmbH ist im Handelsregister Krefeld unter HRB 17657 eingetragen, Sitz: Höffgeshofweg 17, 47807 Krefeld. Stammkapital: 25.000 Euro. Karl-Heinz Joschko ist seit der Eintragung im Februar 2020 als Geschäftsführer eingetragen. Die Plattform basierte technisch auf Shopware. Der Unternehmensgegenstand laut Northdata : An- und Verkauf von Elektroartikeln aller Art im Internet und freien Handel.
Was Onlinehändler jetzt mitnehmen sollten
Der Fall Cleverbuy zeigt, wie schnell ein Reputationsschaden in eine Strafanzeigen-Lawine umschlägt – und wie wenig Markenrechte verletzende Geschäftsmodelle in Deutschland tolerieren. Strafanzeigen von Apple und Samsung sind im Onlinehandel kein Routinevorgang. Wer mit gebrauchten Markenprodukten handelt, sollte Erschöpfungsgrundsatz, Markenrecht und transparente Auszahlungsprozesse sehr genau prüfen.
Für Verbraucher mit offenen Forderungen gegen Cleverbuy ist die Lage jetzt ernst. Forderungen müssen beim noch zu benennenden Insolvenzverwalter zur Tabelle angemeldet werden. Wer Geräte bereits verschickt, aber kein Geld erhalten hat, wird sich erfahrungsgemäß mit einer Quote im niedrigen einstelligen Prozentbereich abfinden müssen. Hier organisieren sich Betroffene bei Facebook .
Vom Marktplatz-Liebling zum Strafverfahren
Cleverbuy galt jahrelang als bekannter Player im Recommerce für Smartphones, Tablets und Laptops. Das Geschäftsmodell – Privatkunden schicken Geräte ein, erhalten ein Angebot und Geld – funktioniert grundsätzlich, wie Wettbewerber wie reBuy, Wirkaufens oder ZOXS zeigen. Cleverbuy hat dieses Modell offenbar mit verzögerten Auszahlungen finanziert. Wenn Auszahlungen monatelang ausbleiben, ist der Cashflow eines Ankaufportals nicht mehr ein Liquiditätsproblem – sondern ein strafrechtliches Problem.
Der 6. Mai wird zeigen, wie weit das Strafverfahren trotz Insolvenz weitergeht. Eines steht heute schon fest: Die Marke Cleverbuy ist nach diesem Wochenende verbrannt – auch ohne Übernahme durch DIS-CONNECT.





