Heute ist World Backup Day – und dieser 31. März ist kein beliebiges Datum. Er ist eine Mahnung. Wer im E-Commerce tätig ist und kein funktionierendes Backup hat, lebt gefährlich. Das Desaster bei mide-online zeigt gerade in Realtime, wie der Totalverlust aussieht und sich anfühlt.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Was ist der World Backup Day?

Der World Backup Day findet jedes Jahr am 31. März statt – einen Tag vor dem 1. April. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Wer an diesem Tag kein Backup hat, ist selbst der Narr.

Die Initiative ruft zu einem einfachen Versprechen auf. Auf worldbackupday.com findet sich der offizielle Eid:

Der „World Backup Day“ Eid

„Ich schwöre feierlich, am 31. März ein Backup meiner wichtigen Dokumente und wertvollen Erinnerungen zu machen.“

Ich werde auch meine Freunde und meine Familie über den „World Backup Day“ informieren – Freunde lassen Freunde nicht ohne Backup steh’n.

Klingt harmlos. Ist es aber nicht. Denn laut worldbackupday.com haben 21 % der Nutzer noch nie ein Backup gemacht – und 10–20 % aller Consumer-PCs sind jährlich von Malware betroffen.

mide-online: Der Totalverlust in Echtzeit

Wer noch Zweifel hatte, ob Backup-Pflicht im E-Commerce übertrieben ist, sollte sich den Fall mide-online ansehen. Der JTL-Servicepartner und Hosting-Anbieter mide-online GmbH aus Mainz wurde Opfer eines Ransomware-Angriffs. Der Erpresser forderte 30.000 Euro Lösegeld – Geschäftsführer Michael Dernbach lehnte die Zahlung ab.

Das Ergebnis: 30 Händler sind betroffen. Sie haben buchstäblich alles verloren – ihren gesamten Datenbestand, ihre Lagerbestände, ihre Kundendaten und alle Zugänge zu den Verkaufsplattformen. Ihr gesamtes operatives Geschäft ist ausgelöscht.

Das Unternehmen wird abgewickelt. Der Hoster stellt den Betrieb ein und unterstützt betroffene Händler nicht aktiv. Offenbar sollte auch das Backup vom selben Anbieter übernommen werden – womit auch die Datensicherung betroffen war. Nach Informationen aus dem Umfeld der Betroffenen dienten veraltete, nicht mehr zeitgemäße Installationen und eine mangelhafte Netzwerkkonfiguration als Einfallstor.

Wortfilter hat ähnliche Vorfälle bereits dokumentiert : Beim Modern-Solution-Desaster zeigte sich dasselbe Muster – kein eigenes Backup, totale Abhängigkeit vom Dienstleister, maximaler Schaden. Auch der Erstbericht zum mide-Hack auf Wortfilter zeigt: Die Warn-Zeichen waren da.

Backup ist keine IT-Frage – es ist Chefsache

Backups sind Existenzschutz. Der Ausfall eines Dienstleisters kann Händler von heute auf morgen lahmlegen. Und die Konsequenzen trägt immer das eigene Unternehmen – nicht der Dienstleister, nicht JTL, nicht der Marktplatz.

Wer im Online-Handel tätig ist, muss drei Fragen beantworten können:

1. Gibt es ein eigenes Backup außerhalb des Hosters?
Ein Backup beim selben Anbieter schützt nicht. Wird der Hoster gehackt oder liquidiert, ist auch die Sicherung weg. Das Backup muss physisch oder logisch getrennt liegen – in einer anderen Cloud, auf einer eigenen Festplatte, bei einem unabhängigen Drittanbieter.

2. Wird das Backup regelmäßig geprüft?
Technische Sicherungsstrukturen sind häufig implementiert – ihre tatsächliche Wiederanlauffähigkeit wurde jedoch nie unter realen Bedingungen validiert. Ein Backup, das sich nicht zurückspielen lässt, ist wertlos. Mindestens einmal im Jahr muss ein Restore-Test her.

3. Sind auch Zugänge gesichert?
Viele Händler denken bei Backups an Daten, aber nicht an Zugänge. Dabei ist der Zugriff im Ernstfall genauso kritisch wie die Daten selbst. 2FA-Codes, Recovery-Passwörter, Zugangsdaten zu Plattformen – all das gehört in eine gesicherte, offline zugängliche Notfalldokumentation.

Die 3-2-1-Backup-Regel

Das bewährteste Konzept in der IT-Sicherheit ist simpel:

  • 3 Kopien der Daten (Original + 2 Backups)
  • 2 verschiedene Speichermedien (z. B. lokale Festplatte + Cloud)
  • 1 Kopie an einem externen, geografisch getrennten Ort

Ein Backup in der Cloud ist eine gute und zukunftssichere Alternative zur physischen Datenspeicherung. Der größte Vorteil: Die Daten sind jederzeit und überall verfügbar. Der Nachteil: Wer ausschließlich in der Cloud sichert, hängt von der Verfügbarkeit des Cloud-Anbieters ab. Empfehlenswerte Cloud-Backup-Dienste: Backblaze , iDrive , pCloud .

Wer eine externe Festplatte nutzt: Physische Festplatten sollten nicht am gleichen Ort wie die Originaldaten aufbewahrt werden – und sie sollten jährlich erneuert werden.

Was Händler heute konkret tun sollten

Der World Backup Day ist der ideale Anlass, die eigene Backup-Situation zu überprüfen. Nicht irgendwann – heute. Checkliste für Online-Händler:

  • Shop-Datenbank vollständig sichern (Produkte, Bestellungen, Kundendaten)
  • ERP/Warenwirtschaft (JTL-Wawi, plentymarkets, Xentral o. ä.) eigenständig sichern – nicht dem Hoster überlassen
  • Marktplatz-Zugänge dokumentieren: eBay, Amazon, Kaufland – jeweils Benutzername, 2FA-Backup-Codes
  • E-Mail und Domain sichern – Verlust des E-Mail-Kontos bedeutet Verlust aller Passwort-Reset-Möglichkeiten
  • Steuerrelevante Daten: Rechnungen, Belege, Buchungsexporte – Aufbewahrungspflicht gilt auch nach einem Hack

Der World Backup Day am 31. März ist kein Marketing-Ereignis. Er ist ein Spiegel. Wer nach dem mide-online-Desaster immer noch kein eigenes, geprüftes Backup hat, akzeptiert das Risiko des Totalverlusts. Das ist keine IT-Frage. Das ist eine unternehmerische Entscheidung.

Leiste den Eid – und dann mach das Backup. Am besten jetzt.

QR Code für die Wortfilter Händler Facebook-Gruppe
Komm in die Wortfilter Community auf Facebook und diskutiere mit

➡️Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!⬅️