Seit dem 1. April 2026 gilt die neue JTL-Preisstruktur – und die Konsequenzen sind hart. In der offiziellen JTL-Facebook-Gruppe überschlagen sich die Beiträge, Dutzende Händler berichten von unerwarteten Rechnungen, Kündigungen werden ausgesprochen, und selbst JTL-Servicepartner wurden offenbar erst kurz vor knapp informiert. Was JTL seit Wochen als geordnete Transition kommuniziert, wirkt in der Praxis wie ein unkontrolliertes Desaster. Und ist – so vermutet der Autor -sogar gewollt.
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Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Wortfilter.de hatte die Preiserhöhung bereits im Februar 2026 exklusiv aufgedeckt: Eine geleakte interne Partner-Mail zeigte die neue Tarifstruktur im Detail – inklusive automatischer Hochstufung, neuen Grundgebühren und einem Opt-out-Modell, das Widerspruch mit Funktionsverlust bestraft. Schon damals gab es einen kleinen Shitstorn gegen JTL.
Was gerade passiert
Seit dem Rechnungsversand am 16. und 17. April 2026 häufen sich in der offiziellen JTL-Facebook-Gruppe die Beschwerden. Das Muster ist immer dasselbe: Händler erhalten Rechnungen für Pakete, die sie nie aktiv gebucht haben. JTL hat im Rahmen der Umstellung jeden Kunden automatisch auf die Edition hochgestuft, die dem Funktionsumfang der im Kundencenter hinterlegten Lizenzen entspricht.

Praktisch bedeutet es, dass Testaccounts, längst nicht mehr genutzte Lizenzen und Community-Versionen plötzlich als kostenpflichtige Advanced- oder Pro-Editionen abgerechnet werden.
Bill Bronson schreibt in der Facebook-Gruppe: „Wir haben heute für 2 alte Accounts die wir zu Testzwecken erstellt haben Rechnungen in Höhe von 141 € erhalten weil diese ohne unser Wissen oder gar unsere Zustimmung auf den Advanced Tarif gestuft wurden! Wir werden uns das nicht bieten lassen und gehen nun anwaltlich gegen JTL vor.“
Martha Qusz fasst es knapper zusammen: „Wir haben gerade eine Rechnung für JTL Advanced Edition, obwohl wir eine Communitylizenz nutzen. Was soll das. Habe ich etwas verpasst. JTL ist natürlich telefonisch nicht zu erreichen.“

Die Liste der Betroffenen ist lang. Christian Erwin schreibt, er beziehe seit August 2025 keine Dienste mehr von JTL – und bekommt trotzdem eine Rechnung. Maik Krell berichtet von 1.054 Euro, die plötzlich fällig sein sollen, und hat die Kündigung bereits eingereicht. Andreas Bonn rechnet öffentlich vor: von 117 Euro im Jahr 2024 über 378 Euro 2025 auf jetzt 500 Euro monatlich. Sein Kommentar: „Danke JTL, ihr erleichtert uns den Wechsel immer schneller.“
Auch Servicepartner wurden überrascht
Besonders aufschlussreich ist ein Screenshot aus einem Slack-Chat, der ausschließlich JTL-Servicepartnern und JTL selbst zugänglich ist. Nicolas Willimek, Product Manager bei JTL, informiert dort am 17. April 2026 um 15:22 Uhr: „Hey zusammen, wir haben euch grade eine E-Mail in Bezug auf die Rechnungsstellung gesendet.“
Die Antwort von René Kaltschmidt, Inhaber von NETZdinge.de und selbst JTL-Servicepartner, kommt um 15:59 Uhr: „Worum geht es da? Habe keine Mail bekommen.“

Das ist bemerkenswert. Ein offiziell zertifizierter JTL-Dienstleister, der täglich mit JTL-Kunden arbeitet und diesen bei genau solchen Fragen helfen soll, wurde von der Rechnungswelle selbst überrascht. Wenn selbst die Partner nicht informiert sind, stellt sich die Frage, wie gut JTL die eigene Kundenkommunikation tatsächlich vorbereitet hat.
In der E-Mail, die JTL anschließend an Servicepartner verschickte – wortfilter.de liegt sie vor – heißt es zum Hintergrund: Die Rechnungen für April 2026 reflektieren erstmals die Änderungen aus der Umstellung der Editionen und Preise zum 1. April 2026. Über diese Umstellung habe man am 5. Februar 2026 im Webinar informiert, Kunden seien am 11. Februar 2026 per E-Mail benachrichtigt worden.

Das eigentliche Problem: Testaccounts und Karteileichen
JTL räumt in der öffentlichen Facebook-Reaktion selbst ein, wo das Problem liegt. Das Unternehmen schreibt: „Wir verstehen, dass das insbesondere bei Test-Accounts oder länger nicht genutzten Lizenzen unerwartet war.“
JTL ist offenbar technisch nicht in der Lage zu erkennen, welche Lizenzen aktiv genutzt werden. Das schreibt das Unternehmen selbst: „Aus technischen Gründen können wir leider nicht sehen, welche Lizenzen noch aktiv genutzt werden.“
Wer also vor Jahren einen Testaccount angelegt und nie wieder angefasst hat, wer eine Lizenz für ein Pilotprojekt gebucht und vergessen hat, wer aus der Plattform ausgestiegen ist, aber den Account nicht formal gekündigt hat – der bekommt jetzt eine Rechnung. Und zwar ohne jede Vorwarnung und ohne einen aktiven Bestellvorgang.
JTL hätte an dieser Stelle proaktiv handeln können. Ein System, das Händler daran erinnert, dass ihre Lizenz in eine kostenpflichtige Edition migriert wird, wäre technisch keine Unmöglichkeit. Stattdessen war die Logik offenbar einfach: wer nicht widerspricht, stimmt zu.
Heiko Schönemann schreibt dazu: „Ich glaube bei JTL läuft gerade irgendwas gewaltig schief. Eben eine Rechnung über das Advanced Paket bekommen obwohl ich schon seit einem Jahr raus bin.“
JTLs Reaktion: Ticket öffnen
Die offizielle Antwort von JTL auf jeden einzelnen Beitrag in der Facebook-Gruppe folgt demselben Schema: Ticket im Kundencenter eröffnen, dann kümmere man sich. Als Reaktion auf einen massenhaften Fehler bei der automatischen Tarifumstellung ist es keine ausreichende Antwort.
Gleichzeitig warnt JTL in der Servicepartner-E-Mail: Das Supportaufkommen sei derzeit deutlich erhöht, trotz zusätzlicher Kapazitäten könne es in den kommenden Tagen zu längeren Wartezeiten kommen. Wer ein Problem hat, muss also warten – genau dann, wenn der Fehler auf JTL-Seite liegt und Händler zu werden.
Rechtliche Einordnung
Mehrere Händler stellen in der Facebook-Gruppe die Frage, ob die automatische Buchung überhaupt rechtlich zulässig ist. Marcel Wuersch aus der Schweiz formuliert es direkt: „Jede Vertragspartei hat einer Änderung zuzustimmen und das funktioniert nicht via E-Mail.“ Er kündigt an, den Betrag nicht zu bezahlen.
Rechtlich ist die Situation tatsächlich nicht trivial. JTL beruft sich auf eine Kundeninformation vom 11. Februar 2026. Wer diese E-Mail erhalten hat, sie gelesen und nicht widersprochen hat, dem kann JTL möglicherweise Zustimmung durch Nicht-Widerspruch entgegenhalten – sofern die vertraglichen Grundlagen das erlauben. Ob das für reine Testaccounts gilt, die nie produktiv genutzt wurden oder für die kostenlosen Community Lizenzen, ist eine andere Frage. Händler, die eine unberechtigte Belastung vermuten, sollten das per SEPA-Rücklastschrift und gleichzeitigem Ticket bei JTL regeln. Wortfilter.de ist keine Rechtsberatung. Im Zweifel ist anwaltliche Beratung sinnvoll.
Preise steigen seit Jahren – die Toleranz schwindet
Was die aktuelle Empörung von früheren Preiserhöhungs-Debatten unterscheidet, ist die Qualität der Fehler. JTL hat nicht nur die Preise erhöht. JTL hat eine Migration durchgeführt, bei der aktiv inaktive Accounts und Testlizenzen in kostenpflichtige Pakete umgewandelt wurden, ohne die betroffenen Nutzer individuell darauf hinzuweisen.
Dass ein Händler wie Andreas Bonn seine Kostensteigerung von 117 auf 500 Euro öffentlich dokumentiert, ist das eine. Dass Heiko Schönemann seit über einem Jahr nicht mehr Kunde ist und trotzdem eine Rechnung bekommt, ist etwas anderes. Das ist kein Kommunikationsfehler. Das ist ein Systemfehler mit finanziellen Konsequenzen für unbeteiligte Dritte.
Wechselgedanken nehmen zu
In den Kommentaren der Facebook-Gruppe wird Odoo häufig als Alternative genannt. Viele Händler berichten, sie hätten bereits begonnen zu wechseln oder die Kündigung eingereicht. Hier findet ihr auf Facebook eine JTL Wechsel nach Odoo Gruppe.
Die Bereitschaft, Fehler zu tolerieren, sinkt. Jahrelang galten günstige Preise als Puffer für Software-Bugs und Support-Probleme. Diesen Puffer hat JTL sukzessive abgebaut. Was bleibt, ist eine wachsende Gruppe von Onlinehändlern, die nicht mehr bereit ist, beides gleichzeitig zu akzeptieren: höhere Preise und schlechte Software.
JTL hat kaum mehr Zeit, das Vertrauen zurückzugewinnen. Ob das mit dem Hinweis auf Ticket-Einreichung gelingt, darf bezweifelt werden. Zumal auch jetzt eine klare Kommunikation hätte helfen können, wie: „Wir haben einige Rechnungen falsch ausgestellt. Bitte meldet euch bei uns, wir stornieren sie sofort“.






Der Punkt ist nachvollziehbar, aber der Vergleich hängt stark vom konkreten Setup und den Anforderungen ab. Hast du konkrete Beispiele, wo JTL im Alltag klar schlechter abschneidet als plenty, fnf game weclapp oder xentral?
Ich nutze JTL überhaupt nicht mehr, seit den neuen Paketen. Wir hatten alles gekündigt.
Eine Mail am 11. Februar 2026 habe ich somit nicht bekommen.
Dennoch flatterten mehrere Rechnungen ein. Alle gekündigten Accounts sind reaktiviert worden.
Da dann keine Geschäftsbeziehung mehr zu JTL bestand, sollte es das einfachste sein, die Lastschriften zu widerrufen. Danach noch formal Einspruch einlegen und zur Löschung Deiner Daten gemäß DSGVO auffordern, was sie Dir schriftlich bestätigen sollen. Damit sollte das Thema erledigt sein. Falls nicht, wäre das auch aus Datenschutzgründen ein Problem für JTL – spätestens bei der nächsten Aktion dieser Art.
Persönlicher Rat, ich bin kein Anwalt etc.
Hallo zusammen,
ich bin wie viele von euch ebenfalls von der aktuellen JTL-Aktion überrascht worden. Ich nutze die Software schon länger nicht mehr, hatte nur noch die kostenfreie Basis-Version in meinem Account liegen und habe plötzlich eine saftige Rechnung über 119,00 € für „JTL Advanced“ bekommen. Ich konnte mich an keine Info-Mail erinnern und habe dem Tarif-Upgrade nie aktiv zugestimmt.
Ich habe mich gewehrt und heute die Bestätigung von JTL inklusive Rechnungskorrektur (Storno) bekommen! Da viele hier unsicher sind, möchte ich kurz als Erfahrungsbericht teilen, wie ich vorgegangen bin.
Mein Vorgehen:
1. Sofortiger Widerspruch per Ticket
Ich habe direkt ein Support-Ticket aufgemacht und der Rechnung ausdrücklich widersprochen. Meine Begründung war: Ich habe keiner Vertragsänderung oder Preisumstellung zugestimmt. Schweigen ist keine Zustimmung.
2. Vorsorgliche Komplettkündigung im Backend (Achtung, Falle!)
Ich bin im Kundencenter auf „Verträge und Lizenzen kündigen“ gegangen. Vorsicht hier: Das System hat bei mir als frühestes Kündigungsdatum stur den 31.05.2026 vorgegeben! Ich hatte die Befürchtung, dass ein unkommentiertes Absenden als Akzeptanz des Vertragsverhältnisses gewertet werden könnte.
Ich habe daher „Individueller Grund“ ausgewählt und folgenden Text eingefügt:
„Da kein früheres Datum wählbar ist, wähle ich notgedrungen das Systemdatum. Dies ist KEINE Anerkennung der Rechnung. Hilfsweise erkläre ich hiermit die Anfechtung wegen Irrtums sowie die fristlose Kündigung zum heutigen Tag.“
(Ich habe mir zur Sicherheit einen Screenshot von diesem Textfeld gemacht, bevor ich auf Kündigen geklickt habe).
3. Beweise gesichert
Ich habe im Backend in die Übersicht meiner Editionen/Buchungen geschaut. Bei mir stand unter „JTL Advanced“ in ganz kleiner Schrift: „Gebucht von: JTL“.
Ich habe davon sofort einen Screenshot gemacht, da dies für mich der Beweis ist, dass JTL den Tarif eigenmächtig umgestellt hat.
4. SEPA-Mandat widerrufen
Da ich früher mal zahlender Kunde war, hatte JTL noch meine Bankdaten. Ich habe direkt in meinem Ticket ergänzt: „Hiermit widerrufe ich mein SEPA-Lastschriftmandat mit sofortiger Wirkung. Einer Abbuchung dieser unberechtigten Rechnung wird widersprochen.“
Das Ergebnis:
Heute (19.04) kam die Antwort vom JTL-Support. Sie haben meinen Widerspruch akzeptiert!
In der Mail hieß es: „Wir haben Ihren Wunsch zum Downgrade / zum Widerspruch umgesetzt. Folgende Lizenzen wurden gekündigt… Die zugehörige Rechnungskorrektur wurde bereits erstellt und wird Ihnen separat per Mail zugeschickt.“
JTL bat mich in der Mail lediglich darum, keinen Bank-Widerruf der Lastschrift zu machen, falls sich eine Abbuchung mit der Stornierung überschnitten hat, sondern in dem Fall ein Ticket zu schreiben. Ich werde mein Konto in den nächsten Tagen natürlich trotzdem genau im Auge behalten.
Da ich die Software ohnehin nicht mehr nutze, habe ich in einem letzten Ticket jetzt noch die vollständige Löschung meines Accounts gemäß DSGVO Art. 17 gefordert, damit wirklich Ruhe ist.
Mein persönliches Fazit:
Mir hat es geholfen, mich nicht von den automatischen Rechnungen oder vorgegebenen Daten einschüchtern zu lassen, klar zu widersprechen und Screenshots (besonders vom „Gebucht von: JTL“) zu machen.
Vielleicht hilft dieser Erfahrungsbericht dem ein oder anderen von euch, der in der gleichen Situation steckt.
Viel Erfolg!
(Disclaimer: Dies ist ein reiner Erfahrungsbericht darüber, wie ich persönlich vorgegangen bin, und stellt keine juristische Rechtsberatung dar).
…danke für die Zeit, die du dir für die ausführliche Schilderung genommen hast. Und danke, dass du hier gepostet hast! LG & schönen So, Mark
Guter Kommentar!
Ein strukturiertes Vorgehen inkl. Beweissicherung per Screenshots usw. ist zu empfehlen, wenn man rechtssicher vorgehen will. Es ist aber nach wie vor dreist, dass JTL selbst Paket-Upgrades für die Kunden bucht und das selbst bei Kunden, die zuvor bereits alles gekündigt hatten. Da wurden offenbar nicht nur die Vertragsdaten nicht mit einem Flag gekündigt / gelöscht versehen, sondern auch die Kunden-Daten nicht. Sowas ist IMHO äußerst dilettantisch. Man könnte fast vermuten, dass bei JTL viele bis alle Systeme ähnlich verbuggt und defizitär sind wie das Zeug, was sie Händlern als Software verhökern bzw. vermieten.
JTL ist doch selten bis nie proaktiv und beim nachträglichen Geradebiegen eher lahm. Man hat doch nun die Ressourcen auf Cloud / SaaS gebündelt, während Updates auf manche 1.11er Versionen und auf die 2.0 gewohnt verbuggt und / oder problematisch sein sollen. Das inzwischen aber zu wiederholt steigenden Preisen.
Fassen wir es doch mal kurz zusammen: die Kombination aus Produkten (Bugs und sonstige Fehler) und Preisen von JTL ist zunehmend nicht mehr konkurrenzfähig. Und das betrifft in manchen Settings auch den Vergleich mit modernen SaaS-Systemen wie plenty, weclapp und xentral ohne die JTL-üblichen Bugs und dadurch bedingten Störungen und Ausfälle.