Wer seine Rechnungen nicht bezahlt, wessen Kredite gekündigt werden und wer keine Lieferanten mehr hat, der kann nicht mehr liefern. Und was macht ein Händler dann, wenn er auch noch einen Haufen Schulden hat? Eigentlich Insolvenz anmelden. Und keine Ware mehr anbieten, denn er kann nicht liefern. Bei Lott Autoteile, einer Tochter der The Platform Group (TPG) , häufen sich die Indizien.
Inhaltsverzeichnis
- Insolvenzreif? Nicht feststellbar – die Indizien aber schon
- 200.000 Listings – und nichts davon ist vorrätig
- Geplatzte Kleinstlastschriften und ein gesperrter Einkauf
- Ein Blick in die Glaskugel: Was ein CEO jetzt sagen würde
- Kommt euch die Geschichte bekannt vor?
- Puhh, keine Insolvenz droht. Glück gehabt
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Insolvenzreif? Nicht feststellbar – die Indizien aber schon
Ob die Werner Lott Kfz- und Industriebedarf GmbH, eine Tochter der The Platform Group (TPG), insolvenzreif ist, ist nicht feststellbar. Aber dass die Mutter und etliche Töchter sich wahrscheinlich in keiner guten Verfassung befinden, lässt sich in etlichen Artikeln des Manager Magazins und der WirtschaftsWoche nachlesen. Geschäftsführer der Werner Lott Kfz- und Industriebedarf GmbH ist Dr. Dominik Benner.
Die Indizien (bei Lott) jedenfalls häufen sich, dass das Ende naht. Im Onlineshop lott.de hat der Autor keinen lieferbaren Artikel mehr gefunden.
200.000 Listings – und nichts davon ist vorrätig
Lott Autoteile betreibt drei eBay-Accounts:
Bis auf zwei Artikel, die gelistet und kaufbar sind, stehen alle Artikel in über 200.000 Listings auf „Dieser Artikel ist nicht mehr vorrätig.“ Wer 200.000 Angebote online hält und keines davon ausliefern kann, hat kein Sortimentsproblem. Der hat ein Beschaffungsproblem.
Geplatzte Kleinstlastschriften und ein gesperrter Einkauf
Aus dem Markt war zu hören, dass Lott nahezu keine Mitarbeitenden mehr beschäftigt. Von einem ehemaligen Mitarbeitenden erfuhr Wortfilter, dass das Unternehmen tief in seinen Kontokorrentlinien steht. Diese Information konnte nicht überprüft werden.
Zwei Lieferanten berichteten von offenen Rechnungen und geplatzten Kleinstlastschriften. Diese Information konnte durch Bankauszüge belegt werden. Lott kaufte unter anderem über die B2B-Plattform tyre24.de von Alzura und Michael Saitow ein, um überhaupt Ware zu erhalten. Da ist mittlerweile sein Einkaufsaccount gesperrt. Das die Aktivbank die Geschäftsbeziehung kündigte berichtete Wortfilter bereits.
Ein Blick in die Glaskugel: Was ein CEO jetzt sagen würde
Was würde Dr. Dominik Benner als CEO denn sagen? Vermutlich sinngemäß dies: Wie bereits angekündigt trenne sich die TPG von unprofitablen Geschäften. Mit Autoteilen sei man im Wesentlichen abhängig von anderen Plattformen wie eBay, denen man zu viele Gebühren zahle. Deshalb trenne sich die TPG von solchen Beteiligungen. Man werde die Werner Lott Kfz- und Industriebedarf GmbH veräußern und erwarte einen Millionenerlös, der die neue Strategie stütze.
So oder so ähnlich könnte eine Antwort aussehen. Das ist eine Vermutung des Autors und kein Zitat. Nimmt die Benner Parolen eigentlich noch jemand für voll? Der Autor tut es nicht, denn er ist der Meinung, dass so viel Theater rund um TPG, Benner und seinen Frittenbuden einfach nicht mehr normal sein kann. Einzelne Vorfälle lassen sich ja noch glaubhaft erklären, aber das ganze Chaos, also die Summe der Ereignisse, über das WirtschaftsWoche und Manager Magazin berichten zeichnet ein sehr fragwürdiges Bild. Und natürlich fließen da auch noch eine Vielzahl eigener Recherchen mit in die Meinungswaagschale.
Kommt euch die Geschichte bekannt vor?
Danach geht das Unternehmen an einen bisher unbekannten Käufer und wird in angemessenem zeitlichen Abstand beerdigt. Erinnert euch das auch an das Drama um ViveLaCar? Benner bestreitet vehement, dass er ein solches Ende geplant habe oder erkennen hätte können.
Puhh, keine Insolvenz droht. Glück gehabt
Bereits im April bat Wortfilter Dr. Dominik Benner um die Beantwortung einiger Fragen. Unter anderem auch um die Frage, wie Benner die wirtschaftliche Lage von Lott bewerte. Seine Anwälte antworteten, dass in den vergangenen Jahren Reibach gemacht worden sei und dies auch für dieses Jahr geplant sei. Was ein Glück.
Auch auf die Frage, ob innerhalb der Gruppe die Einleitung von Insolvenzverfahren geprüft werde, gab es eine ganz böse Antwort der Juristen:
„Unsere Mandanten prüft mangels Anlasses keinerlei Insolvenzverfahren. Damit entfällt auch die Grundlage für ihre weiteren, an die betreffende Unterstellung anknüpfenden Fragen. Die betreffenden Mutmaßungen sind schlicht grundlos. Zugleich sind sie zutiefst geschäftsschädigend und schadensersatzträchtig.
Mangels Tatsachengrundlage müssen unsere Mandanten keine dahingehenden Verdachtsäußerungen hinnehmen. Selbige tolerieren sie deshalb auch nicht und gehen hiergegen stringent und aller Konsequenz vor einschließlich vollständiger, erheblicher Schadensersatzzahlungen. Auf § 824 BGB, § 823 Abs. 2 i. V. m. § 186 f. StGB wird in aller Deutlichkeit hingewiesen.“
Ja Mensch. Was für ein Glück!




