Die eBay Übernahme durch GameStop ist nach der Absage des Verwaltungsrats nicht erledigt. GameStop-Chef Ryan Cohen kündigt in einem Interview mit Barron’s an, sein 56-Milliarden-Dollar-Angebot notfalls direkt den eBay -Aktionären vorzulegen. Damit steht die Eigentümerfrage des für viele Onlinehändler wichtigsten Marktplatzes im Raum. Cohen nennt eBay ein gutes Geschäft, das schlecht geführt werde, und plant zwei Milliarden Dollar an Einsparungen. Was ein Kontrollwechsel für deutsche Verkäufer bedeuten würde, hängt an Finanzierung, Stimmrechten, Kartellbehörden und an der zukünftigen Strategie.
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Der Vorstand sagt Nein – Cohen sucht den Umweg
Cohen hatte ein Bar- und Aktienangebot von 125 US-Dollar je Aktie vorgelegt, in Summe rund 55,5 Milliarden Dollar und je zur Hälfte aus Cash und GameStop-Aktien. eBay-Chairman Paul Pressler wies das unaufgeforderte Angebot per Brief zurück: Der Verwaltungsrat halte das Interesse für weder glaubwürdig noch attraktiv .
Im Barron’s-Gespräch vom 4. Juni signalisiert Cohen, den Vorstand zu umgehen und das Angebot per Tender Offer direkt an die Aktionäre zu richten. Parallel treibt GameStop eine Abstimmung zur Ausweitung der genehmigten Aktienzahl voran – die Voraussetzung dafür, eigene Aktien als Übernahmewährung einsetzen zu können. Ein Angebot, das den Verwaltungsrat übergeht, gilt unter Analysten als selten und anspruchsvoll: Große Indexinvestoren stellen sich nur ungern gegen das amtierende Gremium.
Warum ein Sammelkarten-Händler den größten Marktplatz will
GameStop hat sich vom Meme-getriebenen Videospielhändler zum Anbieter von Sammlerstücken und Trading Cards gewandelt. Cohen argumentiert, die Kategorien, in denen GameStop offline wachse, seien dieselben, in denen eBay online stark sei. Seine Formel: Was eBay online mache, mache GameStop offline.
Cohen gründete Chewy und verkaufte den Onlinehändler 2017 für 3,35 Milliarden Dollar an PetSmart. Anfang 2021 zog er in den GameStop-Verwaltungsrat ein, mitten in der WallStreetBets-Rallye. Seither hat er das Unternehmen über Filialschließungen und Kostensenkungen in die Gewinnzone geführt: Im ersten Quartal (Ende Mai) stieg der Umsatz auf 835,3 Millionen Dollar nach 732,4 Millionen im Vorjahr, der Nettogewinn auf 389,6 Millionen Dollar nach 44,8 Millionen. Dazu kommt ein Aktienrückkauf über zwei Milliarden Dollar. Diese Logik will Cohen auf eBay übertragen.
7,8 Prozent, die kaum mitstimmen dürfen
GameStop hat seine eBay-Beteiligung von 6,6 auf 7,8 Prozent aufgestockt. Ein erheblicher Teil davon liegt in derivativen Strukturen – ökonomische Beteiligung ohne oder mit zeitlich verzögertem Stimmrecht . Präsenz im Aktienregister bedeutet hier noch keine Kontrolle.
Der Aufbau erzeugt Verhandlungs- und Reputationsdruck, keinen unmittelbaren Weg zur Mehrheit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein feindliches Szenario ohne belastbare Finanzierung und ohne die Zustimmung großer Indexaktionäre rasch in eine Mehrheitslage kippt, bleibt gering. Wer auf einen schnellen Eigentümerwechsel wettet, wettet gegen die Mechanik.
Woher die 56 Milliarden kommen sollen
Den Barteil will Cohen aus 9,4 Milliarden Dollar eigener liquider Mittel und einer Kreditlinie von bis zu 20 Milliarden Dollar bei TD Securities stemmen. Eine Finanzierungslücke bleibt, sodass GameStop neue Aktien ausgeben müsste – daher die Abstimmung über die Aktienzahl. Die zwei Milliarden Dollar Einsparungen bei eBay sollen den Schuldendruck mindern.
Der Markt bleibt skeptisch. Die eBay-Aktie notiert deutlich unter dem Angebot von 125 Dollar, ein Signal, dass Investoren am Abschluss zu diesem Preis zweifeln. Hinzu kommt die regulatorische Hürde: In den USA stehen die Prüfungen von FTC und Justizministerium aus , in Europa müsste die EU-Kommission, in Großbritannien die CMA einen Zusammenschluss freigeben.
Was ein Eigentümerwechsel für deutsche Händler ändern würde
eBay zählt für deutsche Onlinehändler zu den zentralen Verkaufskanälen, und im Juli 2026 greift ohnehin die neue Gebührenstruktur mit der pauschalen Re-Commerce-Provision von fünf Prozent. Ein Eigentümer, der eBay öffentlich als schlecht geführt bezeichnet und zwei Milliarden Dollar streichen will, wirft die Frage auf, wo diese Schnitte landen: bei Verkäuferservices, im Support, im Marketing oder in der Kategorie-Investition. Oder aber in den für Seller nutzlosen Aktienrückkaufprogrammen.
Kurzfristig ändert sich am Tagesgeschäft nichts. Angebote, Gebühren und Auszahlungen laufen weiter. Die mittelfristige Variable ist die Ausrichtung: Ein von Cohen geführtes eBay dürfte den Sammler- und Trading-Card-Fokus schärfen – sein Kerngeschäft – und schlanker operieren. Für Verkäufer in diesen Kategorien kann das Investitionen bedeuten, für andere offene Fragen beim Serviceniveau.
Ob der Deal kippt – und was bleibt
Was sich verschiebt, ist die Deutungshoheit: Sobald Cohen die Frage öffentlich an die Aktionäre trägt, verliert der Verwaltungsrat sein Monopol auf die Strategie. Was bleibt, sind die Finanzierungslücke, das begrenzte Stimmgewicht einer derivativen Beteiligung, die Zurückhaltung der Indexinvestoren und der kartellrechtliche Parcours. Für deutsche Händler lautet die realistische Lesart: Der Marktplatz, auf dem sie heute verkaufen, läuft unverändert weiter. Die offene Frage ist, ob in den kommenden zwölf Monaten ein neuer Eigentümer eBays Gebühren- und Servicearchitektur nach GameStop-Kostenlogik umbaut. Cohen baut bislang Druck auf, noch keine Übernahme.




