Die China-News dieser Woche: 69 Milliarden Euro geben EU-Verbraucher 2026 voraussichtlich bei ausländischen Onlineshops aus – 90 Prozent davon bei chinesischen Händlern. Gleichzeitig testet TikTok Shop in den USA Livestreams ohne Menschen vor der Kamera, SHEIN holt Marken im Eilverfahren an Bord und AliExpress verkauft in Russland über den größten lokalen Marktplatz. Die Quartalszahlen von Anker, Insta360 und HuaKaiYiBai zeigen, wie unterschiedlich chinesische Exporteure derzeit verdienen. Alle Yuan- und Dollarbeträge sind zum aktuellen Kurs in Euro umgerechnet.
Inhaltsverzeichnis
- 69 Milliarden Euro: Jeder siebte Online-Euro der EU fließt ins Ausland
- TikTok Shop lässt KI-Avatare live verkaufen
- SHEIN holt Marken im Eilverfahren an Bord
- AliExpress verkauft in Russland über Wildberries – ohne Ankündigung
- Brasilien: 1 Million Dollar eingesetzt, 7,7 Millionen zurück
- Anker wächst um 17 Prozent – und verdient 27 Prozent weniger
- Insta360: Umsatz auf Rekordkurs, Gewinn bricht um 94 Prozent ein
- HuaKaiYiBai: Weniger Umsatz, fast sechsmal so viel Gewinn
- Kosmetik nach Russland: 33,6 Millionen Dollar in einem Monat
- Huawei-Veteranen sammeln 13 Millionen Euro für Unterwasserroboter
- Wachstum ja, Marge nein
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
69 Milliarden Euro: Jeder siebte Online-Euro der EU fließt ins Ausland
Nach Daten des Analysehauses ECDB steigt der Anteil grenzüberschreitender Käufe an den gesamten Online-Ausgaben in den 27 EU-Staaten von 10,4 Prozent im Jahr 2023 auf voraussichtlich 15,2 Prozent im Jahr 2026. Treiber sind Temu, SHEIN und AliExpress, wie die Wenzhou Cross-Border E-Commerce Association berichtet.
In absoluten Zahlen geben EU-Verbraucher 2026 voraussichtlich 69 Milliarden Euro bei ausländischen Anbietern aus. 2020 waren es 8 Milliarden Euro, also mehr als das Achtfache in sechs Jahren. Rund 90 Prozent dieser Summe landen bei chinesischen Händlern. Für alle übrigen ausländischen Anbieter zusammen – europäische Nachbarländer eingeschlossen – bleiben rund 10 Prozent.
TikTok Shop lässt KI-Avatare live verkaufen
TikTok Shop USA hat vier KI-Livestream-Formate für ausgewählte Händler freigeschaltet: KI-gestützte Antworten im Chat, unbeaufsichtigte KI-Livestreams, Bild-in-Bild-Livestreams und Livestreams mit KI-Avataren (digitale Moderatoren, die Produkte vorstellen, ohne dass ein Mensch vor der Kamera steht). Die Formate unterscheiden sich nach Darstellung, Grad der KI-Beteiligung und Einsatzzweck, wie Cross-Border Pai berichtet.
Alle vier Funktionen befinden sich in der Pilotphase. Die Zugangsvoraussetzungen unterscheiden sich je nach Format, und nicht jeder Händler kann sich direkt bewerben. In Deutschland ist TikTok Shop seit 2025 aktiv; zu einem Start der KI-Formate hierzulande gibt es keine Angaben.
SHEIN holt Marken im Eilverfahren an Bord
SHEIN hat für neue Händler im teilverwalteten Modell (Semi-Managed: der Händler lagert und versendet selbst, SHEIN übernimmt Vermarktung und Abwicklung) ein Schnellverfahren für das Jahresendgeschäft gestartet. Fünf Maßnahmen sollen Shop-Eröffnung, Bestandsaufbau, Einstieg, Sortimentsauswahl und Kosten erleichtern. Dazu kommt ein eigenes Registrierungsportal für Marken, wie ebrun berichtet.
Die Vorlaufphasen für die Jahresend-Aktion und für Double 11 (Singles‘ Day am 11. November) starteten am 19. Oktober, darunter die Kampagnen „Super Subsidized Double 11“ und „Super Subsidized Black Friday“. Von SHEIN anerkannte Marken erhalten schnellere Rückmeldung bei der Anmeldung und einen festen Ansprechpartner für Onboarding und Markenaufbau.
AliExpress verkauft in Russland über Wildberries – ohne Ankündigung
AliExpress hat in einer öffentlichen Regelmitteilung in Russland eine Partnerschaft mit Wildberries bestätigt, dem größten russischen Onlinemarktplatz. Wer dort nach „AliExpress“ sucht, findet einen offiziellen Markenshop mit Bekleidung und Schuhen, Unterhaltungselektronik und Werkzeug, wie Cross-Border Frontier berichtet.
Eine offizielle Ankündigung beider Unternehmen gibt es nicht. Nach den Berichten sind Zahlungsabwicklung, lokale Abholstationen und der Kaufprozess bereits integriert. Ziel ist eine schnellere Zustellung chinesischer Waren in Russland.
Brasilien: 1 Million Dollar eingesetzt, 7,7 Millionen zurück
AliExpress zählt Brasilien zu seinen wichtigsten Auslandsmärkten. Die Plattform hat dort mehr als 35 Millionen aktive Käufer; chinesische Marken stehen für über 40 Prozent des Umsatzes im Land, wie ENN berichtet.
Im Geschäftsjahr April 2025 bis März 2026 investierte AliExpress 1 Million US-Dollar (rund 0,9 Millionen Euro) in lokale Zahlungspartnerschaften. Daraus entstanden 7,7 Millionen US-Dollar (rund 6,9 Millionen Euro) zusätzlicher Umsatz.
Anker wächst um 17 Prozent – und verdient 27 Prozent weniger
Anker Innovation hat den Bericht zum dritten Quartal 2026 vorgelegt. Der Umsatz stieg um 16,96 Prozent auf 9,535 Milliarden Yuan (rund 1,28 Milliarden Euro). Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn fiel um 27,04 Prozent auf 559 Millionen Yuan (rund 75 Millionen Euro), wie Anker mitteilt.
Nach neun Monaten steht ein Umsatz von 26,14 Milliarden Yuan (rund 3,51 Milliarden Euro), ein Plus von 24,36 Prozent. Der Nettogewinn legte um 16,97 Prozent auf 2,261 Milliarden Yuan (rund 303 Millionen Euro) zu. 94,84 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Ausland. Das Inlandsgeschäft wuchs um 93,59 Prozent, der Onlinekanal um 20,72 Prozent, der stationäre Handel um 32,28 Prozent.
Insta360: Umsatz auf Rekordkurs, Gewinn bricht um 94 Prozent ein
Insta360 erreichte in den ersten drei Quartalen 2026 einen Umsatz von 9,336 Milliarden Yuan (rund 1,25 Milliarden Euro), ein Plus von 42,73 Prozent. Damit liegt der Kamerahersteller nach neun Monaten fast auf dem Niveau des gesamten Vorjahres mit 9,741 Milliarden Yuan (rund 1,31 Milliarden Euro), wie ebrun berichtet.
Der Nettogewinn sank um 93,96 Prozent auf 47,8 Millionen Yuan (rund 6,4 Millionen Euro). Im dritten Quartal allein stieg der Umsatz um 33,30 Prozent auf 3,919 Milliarden Yuan (rund 526 Millionen Euro), der Nettogewinn fiel um 93,59 Prozent auf 17,4 Millionen Yuan (rund 2,3 Millionen Euro). Gründe für den Gewinneinbruch nennt die Meldung nicht.
HuaKaiYiBai: Weniger Umsatz, fast sechsmal so viel Gewinn
HuaKaiYiBai, einer der größten chinesischen Händler auf Amazon, setzte in den ersten drei Quartalen 6,143 Milliarden Yuan (rund 824 Millionen Euro) um, 8,85 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Nettogewinn stieg um 484,45 Prozent auf 289 Millionen Yuan (rund 38,8 Millionen Euro), wie 123 Cross-Border E-Commerce berichtet. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei 2,167 Milliarden Yuan (rund 291 Millionen Euro), ein Minus von 1,71 Prozent; der Nettogewinn stieg um 877,10 Prozent auf 124 Millionen Yuan (rund 16,6 Millionen Euro).
Das Unternehmen begründet den Gewinnsprung mit dem Abbau margenschwacher Abverkäufe von Restbeständen und der Wende im Geschäft mit kuratierten Produkten. KI senkte zudem die Kosten der Content-Produktion; die Bruttomarge stieg auf rund 39,0 Prozent.
Kosmetik nach Russland: 33,6 Millionen Dollar in einem Monat
Chinas Kosmetikexporte nach Russland erreichten im September 2026 33,6 Millionen US-Dollar (rund 30 Millionen Euro), der höchste Monatswert seit Beginn des Handels in dieser Warengruppe. Das ist das 2,2-Fache des Septembers 2025 und ein Plus von 45 Prozent gegenüber August 2026, wie Eurasian Business Circle berichtet.
Hautpflege und Foundation machten rund 18,5 Millionen US-Dollar (rund 16,5 Millionen Euro) aus, Lippenkosmetik rund 5,6 Millionen US-Dollar (rund 5 Millionen Euro), Augenkosmetik rund 5,57 Millionen US-Dollar (rund 5 Millionen Euro). Von Januar bis September summieren sich die Exporte auf 191,4 Millionen US-Dollar (rund 171 Millionen Euro).
Huawei-Veteranen sammeln 13 Millionen Euro für Unterwasserroboter
Qianxing Innovation aus Shenzhen, gegründet 2016, hat eine Series-C+-Finanzierung über knapp 100 Millionen Yuan (rund 13,4 Millionen Euro) abgeschlossen. Investoren sind unter anderem Shenzhen Guangju Investment Holdings und Zhejiang Yunchuang Qizhen, wie Cyzone berichtet. Das Geld fließt in die Entwicklung von Unterwasser-Robotik, Produktiteration und internationale Expansion.
Die Gründer Zhang Xun, Zhou Changgen und Yang Yang kommen von Huawei (Algorithmik, Qualitätsmanagement Japan, HiSilicon-Smartphone-Chips). Erst im März hatte das Unternehmen eine Series C über ebenfalls knapp 100 Millionen Yuan abgeschlossen, angeführt von Liwan Capital.
Wachstum ja, Marge nein
Anker und Insta360 steigern den Umsatz zweistellig und verlieren beim Gewinn. HuaKaiYiBai schrumpft beim Umsatz und vervielfacht den Gewinn, weil es margenschwache Abverkäufe streicht. Chinesische Exporteure kaufen Marktanteile derzeit mit Marge.
Die ECDB-Zahlen zeigen, wohin das Volumen geht: 69 Milliarden Euro über die EU-Grenze, 90 Prozent davon nach China. Wer als Onlinehändler in Deutschland verkauft, konkurriert 2026 um einen Markt, in dem jeder siebte Euro das Land verlässt – und fast jeder davon in China ankommt.




