Die DPD Preiserhöhung trifft kleine und mittlere Onlinehändler hart: Die neue myDPD-Preisliste (Stand Oktober 2026) verteuert Pakete bis 31,5 Kilogramm um bis zu 56 Prozent. Nur die leichteste Gewichtsklasse bis drei Kilogramm kommt mit 8,3 Prozent Aufschlag davon. Ab fünf Kilogramm liegen die Erhöhungen durchweg zwischen 27 und 56 Prozent. Ein norddeutscher Textilversender hat die neue Tarifliste erhalten und sie Wortfilter zur Verfügung gestellt. Er will die Preise nicht hinnehmen.
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Bis 56 Prozent: Die neue DPD-Preistabelle im Detail
Die Preisliste gilt für den nationalen Versand über das Internetportal myDPD , also für Geschäftskunden ohne individuell verhandelten Rahmenvertrag. Grundlage ist das Produkt DPD Classic mit sieben Gewichtsstufen. Alle Preise verstehen sich netto, also zuzüglich Mehrwertsteuer und Zuschlägen. Die Gegenüberstellung mit den bisherigen Preisen stammt vom betroffenen Händler.
| Paketgewicht | Bisher | Neu | Erhöhung |
|---|---|---|---|
| bis 3 kg | 3,00 € | 3,25 € | +8,3 % |
| bis 5 kg | 3,55 € | 4,70 € | +32,4 % |
| bis 10 kg | 4,05 € | 5,30 € | +30,9 % |
| bis 15 kg | 4,55 € | 5,80 € | +27,5 % |
| bis 20 kg | 4,75 € | 6,30 € | +32,6 % |
| bis 25 kg | 4,95 € | 7,20 € | +45,5 % |
| bis 31,5 kg | 5,25 € | 8,20 € | +56,2 % |
Auffällig ist die Spreizung. Bisher lagen zwischen dem leichtesten und dem schwersten Paket 2,25 Euro. Künftig sind es 4,95 Euro. DPD verteuert damit vor allem schwere und sperrige Sendungen, während das Drei-Kilo-Paket nahezu unverändert bleibt. Günstiger bleibt die direkte Paketshop-Zustellung: Sie kostet laut Preisliste 2,76 Euro (bis 3 kg) bis 5,36 Euro (bis 20 kg), ist aber nur bis 20 Kilogramm und 100 Zentimeter Länge buchbar.
Maut, Energie, Servicepauschale: Was noch obendrauf kommt
Der Tabellenpreis ist nicht der Endpreis. Auf jedes Paket kommen laut Preisliste ein Mautzuschlag von 0,35 Euro und eine Sicherheitsgebühr von 0,15 Euro. Dazu kommen der Energiezuschlag Straße und der Emergency Fuel Surcharge (ein Treibstoffzuschlag für Krisenzeiten), beide „variabel“ und je Sendung getrennt auf der Rechnung ausgewiesen. Ein Fünf-Kilo-Paket kostet damit mindestens 5,20 Euro netto, bevor die variablen Zuschläge greifen.
Kleine Versender zahlen zusätzlich eine monatliche Servicepauschale: 8,50 Euro bei weniger als 100 Paketen im Monat, 13,50 Euro bei weniger als 50, 21,00 Euro bei weniger als 25 Paketen. Wer in einem Monat gar nicht versendet, zahlt 11,00 Euro. Erst ab 100 Paketen monatlich entfällt die Pauschale. Weitere Posten sind unter anderem 7,00 Euro für ein nicht zustellbares Paket wegen Adressfehlers, 3,00 Euro für einen erneuten Zustellversuch an Privatadressen ohne Predict-Service und 15,00 Euro für die Inselzustellung.
„Preise nicht akzeptiert“ – ein Textilversender wehrt sich
Der Händler, der Wortfilter die Tarifanpassung weitergeleitet hat, versendet Textilien aus Norddeutschland. Für ihn liegt der typische Versand in den Gewichtsstufen bis fünf und bis zehn Kilogramm, also in den Klassen mit 31 bis 32 Prozent Aufschlag. Bei einem Fünf-Kilo-Paket sind das 1,15 Euro mehr pro Sendung. Bei 500 Paketen im Monat summiert sich das auf 575 Euro monatlich oder 6.900 Euro im Jahr.
Er hat die Erhöhung nicht einfach hingenommen. Gegenüber Wortfilter schreibt er: „Hab ihnen jetzt eine E-Mail geschrieben, dass ich diese Preise nicht akzeptiere. Mal sehen, wie die reagieren.“ Ob DPD bei myDPD-Kunden überhaupt verhandelt, ist offen. Das Portal richtet sich an Kleinversender mit Standardkonditionen. Individuelle Tarife setzen in der Regel ein Mindestvolumen und einen Vertrag über den DPD-Vertrieb voraus.
Alles wird teurer – und die Paketdienste auch
DPD steht mit der Anpassung nicht allein. Die Bundesnetzagentur hat der Deutschen Post für 2027 und 2028 einen Preiserhöhungsspielraum eingeräumt: Pakete von Geschäftskunden dürfen im Schnitt um 20,35 Prozent teurer werden, Pakete von Privatkunden um 10,72 Prozent. Die neuen Entgelte sollen zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. DPD und GLS hatten bereits im Frühjahr 2025 ihre Privatkundentarife angehoben, DPD damals um durchschnittlich sieben Prozent.
Die Gründe, die die Paketdienste nennen, wiederholen sich seit Jahren: steigende Lohn- und Lohnnebenkosten, der Mindestlohn, höhere Preise bei Subunternehmern und Speditionspartnern, Energie und Maut. Dass die Zustellung auf der letzten Meile zu wenig einbringt, beklagt die Branche seit 2018. Die aktuelle myDPD-Liste setzt diesen Trend fort, nur in einer anderen Größenordnung als bisher.
Nachrechnen statt aufregen: Was Händler jetzt tun sollten
Über die Erhöhung kann man sich ärgern. Ändern wird sie das nicht. Kaufmännisch sind die neuen Preise ein Kostenfaktor wie jeder andere und müssen in die Kalkulation einfließen: in die Versandkostenpauschale, in den Produktpreis oder in die Marge. Wer mit der alten Gewichtsstaffel kalkuliert hat, sollte seine Versandkostentabelle im Shop und auf den Marktplätzen prüfen. Besonders betroffen sind Sortimente mit schweren Sendungen über 20 Kilogramm, wo der Aufschlag bei 45 bis 56 Prozent liegt.
Die zweite Frage ist die nach Alternativen. Wer ein Volumen hat, mit dem andere Dienste wie DHL, GLS, Hermes oder UPS bessere Konditionen bieten, hat einen Hebel. Für Kleinversender ohne Verhandlungsmacht gilt: Angebote einholen, Gewichtsstruktur der eigenen Sendungen auswerten und für die wichtigsten Gewichtsklassen vergleichen. Die Paketshop-Zustellung von DPD bleibt für Sendungen bis 20 Kilogramm die günstigere Variante, taugt aber nur, wenn die Kunden sie annehmen. Wer keinen günstigeren Versender findet, kalkuliert die neuen Preise ein. Alles andere kostet mehr als 1,15 Euro pro Paket.



