Die Zahl der Gründungen 2025 ist in Deutschland nach einer ZEW-Prognose auf rund 183.000 gestiegen. Damit ergibt sich ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber 2024. Die Zahlen stammen aus der Oktober-Ausgabe des Berichts „JUNGE unternehmen“ von ZEW Mannheim und Creditreform . Zugleich sank die Zahl der Neugründungen mit Handelsregistereintrag um 3,3 Prozent.
Inhaltsverzeichnis
- Gründungen 2025 erreichen höchsten Stand seit zehn Jahren
- Gründungen mit Handelsregistereintrag sinken um 3,3 Prozent
- Handel verzeichnet mehr Gründungen, aber weniger Registereinträge
- Technologie-Dienstleister wachsen, Industriegründungen gehen zurück
- Wachstumsorientierte Start-ups legen um 19 Prozent zu
- Berlin führt bei Gründungen, München bei der Start-up-Dichte
- Eine zusätzliche Karte schätzt das Wachstumspotenzial
- Gesundheitssektor erreicht 12.500 Neugründungen
- Die Statistik zählt rechtlich selbstständige Unternehmen
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Gründungen 2025 erreichen höchsten Stand seit zehn Jahren
Mit den rund 183.000 neuen Unternehmen erreicht die Gründungszahl nach Angaben des ZEW den höchsten Stand seit zehn Jahren. Die Zeitreihe zeigt für 2022 einen Rückgang um 7,8 Prozent. Danach nahm die Zahl wieder zu.
Die Auswertung basiert auf dem Mannheimer Unternehmenspanel (MUP). Für 2025 handelt es sich um eine Prognose. Auch die Werte der jüngsten fünf Jahre rechnet das ZEW hoch, weil die Daten zu neu gegründeten Unternehmen noch nicht vollständig vorliegen.

Gründungen mit Handelsregistereintrag sinken um 3,3 Prozent
Dabei entfällt der Anstieg auf Unternehmen ohne Handelsregistereintrag. Dagegen ging die Zahl der eintragungspflichtigen Neugründungen 2025 um 3,3 Prozent zurück. Ihr Anteil an allen Gründungen sank von rund 60 Prozent im Jahr 2021 auf zuletzt rund 50 Prozent.
Nach Angaben der Autoren verfügen Gründungen mit Handelsregistereintrag im Durchschnitt über mehr Kapital und beschäftigen häufiger Mitarbeiter. Dagegen sind Unternehmen ohne Eintrag laut Bericht häufiger kleine Betriebe ohne oder mit wenigen Beschäftigten. Zu dieser Gruppe zählen auch viele Gründungen im Nebenerwerb.

Zudem nennen die Autoren den schwachen Arbeitsmarkt als mögliche Erklärung für die Zunahme kleiner Gründungen. So kann eine Notgründung entstehen, wenn jemand keine Stelle findet oder Arbeitslosigkeit vermeiden will. Allerdings beziffert die Untersuchung nicht, wie viele der Gründungen 2025 auf dieses Motiv zurückgehen.
Handel verzeichnet mehr Gründungen, aber weniger Registereinträge
Im Handel nahm die Gesamtzahl der Gründungen 2025 um 5,2 Prozent zu. Gleichzeitig sank die Zahl der Gründungen mit Handelsregistereintrag in dieser Branchengruppe um 8,9 Prozent. Allerdings weist der Bericht für den Onlinehandel keine eigene Gründungszahl aus.
Im Gastgewerbe stieg die Gesamtzahl um 20,7 Prozent auf rund 20.000 neue Unternehmen. Zugleich lag das Plus bei persönlichen Dienstleistungen bei 4,6 Prozent, im Baugewerbe bei 5,4 Prozent. Die Gründungen mit Handelsregistereintrag nahmen in diesen drei Gruppen dagegen ab.

Auch die längerfristige Entwicklung unterscheidet sich zwischen den Branchen. Dabei zeigen die Indexreihen mit dem Basisjahr 2019 Rückgänge vor allem im verarbeitenden Gewerbe. Außerdem stellt die Grafik die Entwicklung aller Gründungen der Entwicklung jener mit Handelsregistereintrag gegenüber.

Technologie-Dienstleister wachsen, Industriegründungen gehen zurück
Bei technologieorientierten Dienstleistungen stieg die Gesamtzahl der Gründungen um 12,6 Prozent. Zugleich nennt der Newsletter für die Gründungen mit Handelsregistereintrag ein Plus von 8,5 Prozent. ZEW-Forscherin Sandra Gottschalk führt die Entwicklung unter anderem auf Anwendungen der Künstlichen Intelligenz zurück.
Innerhalb der Technologiebereiche verzeichneten Software und Games einen Zuwachs von 15,1 Prozent. IKT-Dienstleistungen, also Leistungen der Informations- und Kommunikationstechnik ohne Software und Games, legten um 13,7 Prozent zu. Dagegen sanken die Gründungszahlen bei IKT-Hardware um 6,1 Prozent, bei Elektrotechnik und Maschinenbau um 2,0 Prozent sowie im Automobilbau um 19,8 Prozent.

Im forschungsintensiven verarbeitenden Gewerbe insgesamt entstanden rund 600 Unternehmen. Das waren 2,6 Prozent weniger als 2024. Diese Branchengruppe ist weiter gefasst als der Automobilbau und umfasst beispielsweise auch Teile der Chemieindustrie sowie Hersteller von Messgeräten.
Wachstumsorientierte Start-ups legen um 19 Prozent zu
Die Untersuchung zählt für 2025 rund 3.100 wachstumsorientierte Start-ups. In der Grafik liegt der Prognosewert bei 3.124. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Anstieg um rund 19 Prozent. Rund 1.400 dieser Unternehmen entfielen auf technologieorientierte Dienstleistungen; dort betrug der Zuwachs rund 27 Prozent.

Dabei verwendet das ZEW eine eigene Start-up-Definition: Das Unternehmen muss eine Kapitalgesellschaft sein, von einem Team gegründet werden und Forschung und Entwicklung betreiben. Dazu prüfen die Forscher Texte, die die Unternehmen beschreiben. Zudem erfasst der Indikator neue Softwareentwicklungen und KI-Anwendungen.
Rund 45 Prozent der so abgegrenzten Start-ups gehören zu den technologieorientierten Dienstleistungen. Auf den Handel entfallen rund 19 Prozent und auf nicht-technische Beratungen rund 18 Prozent. Damit unterscheidet sich die Verteilung nach Branchen von der aller Neugründungen.

Berlin führt bei Gründungen, München bei der Start-up-Dichte
Berlin erreicht bei allen Gründungen rund 49 neue Unternehmen je 10.000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter. Hamburg folgt mit 48, Hessen mit 42. Dabei bezieht der Bericht diese Gründungsintensität auf Einwohner zwischen 18 und 65 Jahren. Dagegen weisen Thüringen mit 24, Sachsen mit 26 und Brandenburg mit 27 die niedrigsten Länderwerte auf.
Auf Kreisebene nennt die Untersuchung München mit 86,35 Gründungen je 10.000 Erwerbsfähigen, den Main-Taunus-Kreis mit 61,49 und Düsseldorf mit 60,33 als Spitzenreiter. Am unteren Ende liegt der Kreis Oberspreewald-Lausitz mit 9,35.

Bei wachstumsorientierten Start-ups liegt München mit einer Gründungsintensität von 2,84 vorn. Es folgen Heidelberg mit 2,19, Düsseldorf mit 1,59 und Berlin mit 1,52. Unter den Bundesländern führt Berlin vor Hamburg mit 1,32.
Die Werte beschreiben die Zahl der Start-ups im Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Bei der absoluten Zahl nennt der Bericht für Berlin rund 360 und für Hamburg rund 160 Start-up-Gründungen im Jahr 2025.

Eine zusätzliche Karte schätzt das Wachstumspotenzial
Außerdem betrachtet eine Auswertung im Newsletter die Gründungsjahrgänge 2019 bis 2023. Die Kreisgröße in der Karte zeigt den Anteil einer Gemeinde an den betrachteten Unternehmen. Die Farbe steht für das durchschnittliche Wachstumspotenzial, das ein statistisches Modell für die Unternehmen schätzt.
Als Zielgröße verwendet das Modell die Wahrscheinlichkeit eines Börsengangs oder einer hochwertigen Übernahme innerhalb von sechs Jahren nach der Gründung. Dazu berücksichtigt es unter anderem Rechtsform, Patente, Marken sowie Merkmale der Branche und Region. Damit zeigt die Karte eine Schätzung für frühere Gründungsjahrgänge auf Basis des Modells.

Gesundheitssektor erreicht 12.500 Neugründungen
Für den Gesundheitssektor nennt die begleitende Pressemitteilung von Creditreform vom 26. Oktober 2026 rund 12.500 Neugründungen im Jahr 2025. Das sei der höchste Stand seit mehr als 20 Jahren.
Sandra Gottschalk verweist auf die wachsende Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegeleistungen sowie medizinischen Produkten und Therapien in einer alternden Gesellschaft. Zugleich hängen Gründungen in diesem Bereich nach ihrer Aussage von der Finanzlage der Kranken- und Pflegekassen sowie der öffentlichen Hand ab.
Die Statistik zählt rechtlich selbstständige Unternehmen
Das Mannheimer Unternehmenspanel basiert auf der Unternehmensdatenbank von Creditreform. Es enthält Informationen zu gut zehn Millionen Unternehmen; rund drei Millionen davon sind nach Angaben des Berichts aktuell wirtschaftsaktiv. Dabei ist die statistische Einheit das rechtlich selbstständige Unternehmen.
Die Zahlen zu den Gründungen 2025 unterscheiden sich deshalb von Statistiken zu Gewerbeanmeldungen oder gründenden Personen. Gewerbebetriebe können Teil eines Unternehmens sein; mehrere Personen können gemeinsam ein Unternehmen gründen. Die rund 183.000 Neugründungen sind zudem eine Bruttozahl: Unternehmensschließungen sind davon nicht abgezogen.




