Shein baut sein Logistikzentrum in Polen für 500 Millionen Euro aus – vier Monate nach dem Start des EU-Paketzolls. Bis Ende 2026 wächst der Standort bei Wrocław auf rund eine Million Quadratmeter Lagerfläche, 6.500 Roboter und mehr als 10.000 Beschäftigte. Aus dem Lager erreicht die Ware Kunden in einigen europäischen Märkten innerhalb von 48 Stunden. Sie kommt damit per Container in die EU und nicht mehr als Einzelpaket aus China. Es stellt sich die Frage, ob die neuen Abgaben auf Kleinsendungen den Wettbewerb überhaupt noch berühren.
Inhaltsverzeichnis
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Eine Milliarde Euro: Shein verlegt seine Europa-Logistik nach Niederschlesien
Shein hat die Investition am 4. November 2026 bei einem Presseevent in Wrocław angekündigt, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet . Die 500 Millionen Euro fließen noch in diesem Jahr in den Ausbau des europäischen Logistikzentrums in Magnice südlich von Wrocław. Zusammen mit den Investitionen seit dem Markteintritt 2022 kommt Shein in Polen damit auf rund eine Milliarde Euro. Erst im Dezember 2025 hatte das Unternehmen dort seinen Haupt-Hub für Europa eröffnet , damals mit 740.000 Quadratmetern.
Nach Angaben von Shein umfasst der Ausbau:
- rund eine Million Quadratmeter Lagerfläche, ein Plus von 25 Prozent
- mehr als 6.500 autonome Roboter für Nachschub, Sortierung und Kommissionierung (Zusammenstellen der Bestellungen)
- mehr als 10.000 Beschäftigte bis Ende 2026 in Logistik, Lieferkette, Technik und Lagerbetrieb
- mehr als 230 polnische Zulieferer und Dienstleister sowie über 500 polnische Marken und Händler auf dem im April 2025 gestarteten Shein-Marktplatz
Immobilienpartner ist der Logistikentwickler Logicor. Leonard Lin, Global Head of Public Affairs und President EMEA bei Shein, nannte Europa einen Schlüsselmarkt und sprach von effizienteren, flexibleren und widerstandsfähigeren Abläufen in Europa. Zu den EU-Abgaben äußerte sich Shein in der Mitteilung nicht. Reuters ordnet den Schritt dennoch als Reaktion auf die Zollregeln ein und verweist auf den Umsatzeinbruch von Shein in Europa im zweiten Quartal 2026, der zu einem Rückgang des Nettogewinns um 67 Prozent beitrug.
5 Euro pro Warenposition – und Shein zahlt sie künftig nicht mehr
Seit dem 1. Juli 2026 erhebt die EU auf Kleinsendungen aus Drittstaaten mit einem Warenwert bis 150 Euro einen Pauschalzoll von 3 Euro pro Warenposition (Verordnung (EU) 2026/382 , befristet bis 1. Juli 2028). Seit dem 1. November 2026 kommt eine Bearbeitungsgebühr von 2 Euro pro Warenposition hinzu. Ein Paket mit T-Shirt und Uhr kostet damit 10 Euro Abgaben zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer.
Beide Abgaben treffen den Fernverkauf aus Drittstaaten direkt an Verbraucher in der EU. Ware, die per Container in ein Lager in Polen geht, wird regulär nach Zolltarif verzollt. Die Pauschalen für Kleinsendungen fallen bei der Lieferung aus dem EU-Lager an den Kunden nicht mehr an. Je mehr Sortiment Shein in Wrocław vorhält, desto kleiner wird der Anteil der Bestellungen, auf die der Paketzoll überhaupt noch wirkt.
Abmahnung statt Paketzoll: Was dir als Händler bleibt
Wer gegen Mitbewerber vorgehen will, hat dafür das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). § 8 UWG gibt Mitbewerbern einen Unterlassungsanspruch, § 13 UWG regelt die Abmahnung und den Ersatz der Abmahnkosten. Seit dem Gesetz zur Stärkung des fairen Wettbewerbs (Dezember 2020) ist der Kostenersatz allerdings eingeschränkt: Bei Verstößen gegen Informations- und Kennzeichnungspflichten im Internet können Mitbewerber keine Abmahnkosten verlangen (§ 13 Abs. 4 UWG), und Vertragsstrafen sind bei Erstverstößen gedeckelt.
Gegen Anbieter mit Sitz außerhalb der EU kommt die Zustellung hinzu. Ein Shein-Lager in Polen ändert daran nichts, solange Vertragspartner des Kunden eine Gesellschaft in Singapur oder Irland bleibt. Für Marktplatzhändler aus Drittstaaten verpflichtet der Digital Services Act (DSA, Art. 30) die Plattform zur Identitätsprüfung und zur Angabe der Händlerdaten. Durchsetzbar ist ein UWG-Anspruch in der Praxis erst, wenn eine ladungsfähige Adresse in der EU vorliegt.
Das haben wir jetzt davon
Der Paketzoll sollte den Direktversand aus China bremsen. Shein antwortet mit einer Milliarde Euro in Polen. Die Ware kommt jetzt im Container, liegt 300 Kilometer von Berlin und ist in 48 Stunden beim Kunden – schneller als vorher. Ob die Abgaben auf Kleinsendungen ihren Zweck erfüllen, darf überdacht werden. Sie treffen den Kunden, der eine Handyhülle bestellt, und den deutschen Dropshipper. Den Konzern mit Großlager treffen sie nicht.
Onlinehändler brauchen etwas anderes: Instrumente, mit denen sie unfairen Wettbewerb selbst verfolgen und sanktionieren können. Das UWG ist da. Nur ist es seit 2020 für Mitbewerber entschärft worden, ausgerechnet bei den Verstößen, die bei Billigplattformen am häufigsten sind: fehlende Kennzeichnung, falsche Preisangaben, fehlende Herstellerangaben. Wer abmahnt, bleibt auf den Kosten sitzen. Eine Abmahnung muss wieder einfach sein und Geld kosten – den Verletzer, nicht den Händler. Die Politik hat sich für eine Steuer entschieden. Shein hat sich für ein Lager entschieden. Verloren hat der Händler, der sich an die Regeln hält.




