Amazon FBA zahlt Kunden ab sofort Geld zurück, ohne dass die Ware zurückkommt – und der Händler bekommt dafür keinen Cent. Das neue Programm gilt in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Großbritannien für Artikel bis maximal 75 Euro. Allerdings greift es nur, wenn du dich aktiv anmeldest. Amazon verkauft die Funktion als Sparmodell gegen Rücksendekosten, Lagergeld und Entsorgungsgebühren. Ob sie sich lohnt oder zur Einladung für Schnäppchenjäger wird, entscheiden am Ende nur deine Zahlen.

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Geld zurück, Ware bleibt: Amazon FBA öffnet fünf Märkte

Amazon hat die Neuerung am Dienstag in den Seller-Central-Foren angekündigt . Der offizielle Name lautet „Lösungen ohne Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“. Im Englischen heißt das Prinzip Returnless Refund (Erstattung ohne Rücksendung). Bisher mussten Käufer FBA-Ware an ein Logistikzentrum zurückschicken. Dort prüft Amazon, ob der Artikel wieder verkaufbar ist.

Mit dem neuen Programm entfällt dieser Weg. Erfüllt eine Retoure die Kriterien, erhält der Kunde automatisch sein Geld und behält den Artikel. Du schaltest die Funktion in Seller Central unter „Einstellungen“, „Versand durch Amazon“ und dem Abschnitt zur Bewertung und Eigentümerschaft von Rücksendungen frei. Dabei stehen drei Varianten zur Wahl:

  • Nach Preis: Du legst einen Höchstpreis pro Artikel zwischen 1 und 75 Euro fest. Voreingestellt sind 10 Euro.
  • Alle ASINs: Optional schließt du einzelne Produkte per CSV-Liste aus (bis zu 10.000 Einträge).
  • Ausgewählte ASINs: Nur die Artikel aus deiner CSV-Liste nehmen teil.

Wichtig dabei: Ein neuer CSV-Upload ersetzt die alte Liste komplett, er ergänzt sie nicht. Außerdem gilt die Regel nur für Rücksendungen, die nach der Aktivierung entstehen. Änderungen wirken laut Amazon sofort.

Keine Erstattung, aber auch keine Strafgebühr

Die Details stehen auf der Hilfeseite zum Programm . Der wichtigste Punkt zuerst: Behält der Kunde den Artikel, bekommst du keine Lagerbestand-Erstattung. Bei normalen FBA-Retouren kann Amazon dagegen zahlen, wenn ein Artikel im Logistikzentrum beschädigt wurde oder verloren geht. Diese Absicherung entfällt also.

Zudem zählt jede Erstattung ohne Rücksendung weiter zur Rücksendequote der ASIN. Die Gebühr für hohe Rücksendequoten berechnet Amazon für diese Fälle jedoch nicht. Programmgebühren fallen ebenfalls keine an. Die prozentuale Verkaufsgebühr erstattet Amazon wie gewohnt, abzüglich der Verwaltungsgebühr.

Teilnehmen dürfen nur Artikel mit einem durchschnittlichen Verkaufspreis bis 75 Euro. Ausgeschlossen sind Gefahrgut, Produktrückrufe, Geschenkkarten sowie schwere und sperrige Ware. Auf Kundenseite kommen nur Käufer zum Zug, bei denen Amazon bisher keinen Missbrauch festgestellt hat. Kunden erfahren laut Amazon vorab nicht, welche Artikel teilnehmen. Das Angebot erscheint erst im Rücksendeprozess.

Im Forum fiel die Reaktion bissig aus. Ein Händler übersetzte die Ankündigung sinngemäß so: „Sparen Sie, indem Sie Gebühren an Amazon und Produkte an Käufer freiwillig verschenken“. Dennoch lohnt ein zweiter Blick auf die Kosten.

Warum verschenkte Ware billiger sein kann als eine Retoure

Die Erstattung an den Kunden zahlst du in beiden Fällen. Der Unterschied liegt also allein im Schicksal der Ware. Bei der klassischen Retoure läuft ein Paket zurück ins Lager. Danach prüft Amazon den Zustand. Ist die Verpackung geöffnet oder beschädigt, landet der Artikel im unverkäuflichen Bestand. Dann zahlst du für Lagerung, Rücksendung an dich oder Entsorgung. Je nach Quote kommt zudem die Gebühr für hohe Rücksendequoten dazu.

Beim Returnless Refund verlierst du dagegen nur einen Posten: deinen Einstandspreis (also den Wareneinsatz pro Stück). Amazon formuliert die Faustregel selbst: Das Programm ist günstiger, wenn Rücksendung und Bearbeitung mehr kosten als der Artikel wert ist.

Zwei Beispiele zeigen die Spannweite. Eine Handyhülle kostet dich 1,20 Euro im Einkauf. Zurückgeschickte Hüllen sind fast immer geöffnet und kaum noch verkaufbar. Hier kosten Lagerung und Entsorgung schnell mehr als die Ware selbst, deshalb spart das Programm Geld. Ein Küchengerät für 35 Euro mit 15 Euro Einstandspreis kommt dagegen oft originalverpackt zurück. In diesem Fall verschenkst du mit jeder Erstattung ohne Rücksendung echten Warenwert.

Das Risiko heißt mydealz

Amazon verspricht, jede Erstattung laufend auf Missbrauch zu prüfen. Trotzdem bleibt eine Lücke, die Amazon nicht schließen kann: Muster sprechen sich herum. Auf Verbraucherplattformen wie mydealz tauschen Nutzer täglich Tipps zu Rabatten, Kulanz und Rückgaben aus. Bekommt dort jemand für einen günstigen Artikel sein Geld zurück und darf die Ware behalten, steht das schnell im Thread.

Danach wird gezielt nachgemacht. Die Rücksendequote der betroffenen ASIN steigt, und jede einzelne Erstattung trägt allein der Händler. Eine Erstattung von Amazon gibt es dafür nicht. Gleichzeitig zählt jeder Fall zur Rücksendequote, die Amazon für die Bewertung deiner Produkte heranzieht. Ein Programm, das Kosten sparen soll, frisst dann die Marge eines ganzen Artikels.

Nur die Zahlen zählen: So behältst du die Kontrolle

Wer das Programm testet, sollte klein anfangen. Starte mit ausgewählten ASINs und einem niedrigen Höchstpreis statt mit dem gesamten Sortiment. Wähle zuerst Artikel mit niedrigem Einstandspreis und hohem Anteil unverkäuflicher Retouren. Ware, die meist originalverpackt zurückkommt, gehört dagegen auf die Ausschlussliste.

Danach brauchst du eine engmaschige Kontrolle, am besten wöchentlich. Einen eigenen Bericht zum Herunterladen bietet Amazon laut Hilfeseite bisher nicht. Du musst deshalb auf der Seite „Warenrücksendungen bei Versand durch Amazon“ die Statusspalte auswerten. Dort steht bei diesen Fällen „Abgeschlossen – Warenrücksendung nicht erwartet“. Vergleiche die Zahl pro ASIN mit der Rücksendequote vor der Aktivierung.

Steigen die Erstattungen bei einem Artikel plötzlich an, nimm ihn sofort aus dem Programm. Rechnet sich der Service insgesamt nicht mehr, schalte ihn komplett ab. Die Deaktivierung wirkt ebenfalls sofort.

Amazon nimmt dir mit dem Programm die Retoure ab – das Risiko bleibt bei dir. Wer einschaltet und nicht nachrechnet, verschenkt seine Ware.

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