Die Amazon Quartalszahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen, wo der Konzern sein Geld verdient: Die Cloud-Sparte AWS brachte mit knapp einem Viertel des Umsatzes rund 63 Prozent des Betriebsgewinns. Insgesamt setzte Amazon von Juli bis September 201,9 Milliarden US-Dollar um, 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Betriebsgewinn stieg um 61 Prozent auf 28,1 Milliarden US-Dollar, die operative Marge erreichte mit 13,9 Prozent einen Rekordwert. Gleichzeitig kassierte Amazon von Marktplatz-Verkäufern 46,5 Milliarden US-Dollar an Gebühren. Das ist mehr, als AWS im selben Zeitraum insgesamt umsetzte.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Amazon Quartalszahlen: knapp ein Viertel Umsatz, fast zwei Drittel Gewinn

AWS steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 39,3 Prozent auf 46,0 Milliarden US-Dollar. Laut Amazon ist das das schnellste Wachstum seit fast fünf Jahren und zugleich das sechste Quartal in Folge mit steigender Wachstumsrate. Aufs Jahr hochgerechnet (Run Rate) liegt die Sparte damit bei 184 Milliarden US-Dollar. Der Betriebsgewinn von AWS stieg von 11,4 auf 17,8 Milliarden US-Dollar.

Die Rechnung dahinter: Von 28,1 Milliarden US-Dollar Betriebsgewinn entfallen 17,8 Milliarden auf AWS, also rund 63 Prozent. Beim Umsatz kommt AWS dagegen auf 46,0 von 201,9 Milliarden US-Dollar, das sind knapp 23 Prozent. Das Handelsgeschäft in Nordamerika und International erwirtschaftete zusammen 10,3 Milliarden US-Dollar Betriebsgewinn (8,7 plus 1,6 Milliarden) bei 156,0 Milliarden US-Dollar Umsatz. Alle Werte stammen aus der Quartalsmitteilung von Amazon .

Auch der Handel verdiente deutlich mehr. In Nordamerika stieg der Betriebsgewinn von 4,8 auf 8,7 Milliarden US-Dollar, international von 1,2 auf 1,6 Milliarden. Der Nettogewinn sank dagegen leicht auf 20,7 Milliarden US-Dollar. Im Vorjahresquartal hatten Buchgewinne von 9,5 Milliarden US-Dollar aus der Beteiligung an Anthropic das Ergebnis erhöht.

46,5 Milliarden Dollar Gebühren – mehr als der gesamte AWS-Umsatz

Unter „Third-party seller services“ weist Amazon die Einnahmen aus dem Marktplatz aus (Verkaufsprovisionen, Versand- und Lagergebühren für Fulfillment by Amazon sowie weitere Dienste für Verkäufer). Dieser Posten wuchs um 9 Prozent auf 46,5 Milliarden US-Dollar, ohne Währungseffekte um 10 Prozent. Im Vorjahresquartal waren es 42,5 Milliarden US-Dollar.

Der Eigenhandel (Online-Stores) wuchs dagegen nur um 2 Prozent auf 68,5 Milliarden US-Dollar. Allerdings verzerrt der Prime Day den Vergleich: 2025 fiel die Aktion komplett ins dritte Quartal, 2026 in den meisten großen Ländern ins zweite. Ohne diese Verschiebung wäre der Konzernumsatz laut Amazon um rund 4 Prozentpunkte stärker gewachsen. Drittanbieter stellten zudem 61 Prozent der weltweit verkauften Einheiten (ohne Whole Foods).

19,6 Milliarden Dollar für Sponsored Ads und Co.

Die Werbeerlöse stiegen um 11 Prozent auf 19,6 Milliarden US-Dollar, nach 17,7 Milliarden im Vorjahr. Ohne Währungseffekte lag das Plus bei 12 Prozent. Auch hier nennt Amazon den Prime Day als Grund für das schwächere Wachstum. Für das vierte Quartal erwartet der Konzern deshalb ein Werbewachstum im hohen Zehnerbereich (also zwischen 15 und 19 Prozent).

Neu ist der Amazon Ads Agent. Die KI-Plattform bündelt Sponsored Ads, Display, Video und Streaming-TV in einer Kampagne. Diese sogenannten Full-Funnel-Kampagnen stehen bisher allen Werbetreibenden in den USA zur Verfügung. Einen Termin für Deutschland nennt Amazon in der Mitteilung nicht.

Seller Assistant soll Nachschub und Preise rund um die Uhr steuern

Für Marktplatz-Verkäufer kündigt Amazon neue Werkzeuge an. Workflows im Seller Assistant übernehmen Routineaufgaben wie Nachbestellung und Preisgestaltung rund um die Uhr. Ein Plugin bindet den Seller Assistant außerdem in Amazons Arbeitsassistenten Amazon Quick und in Claude von Anthropic ein. Zudem sollen Verkäufer Angebote, Bestellungen und Rentabilität mehrerer Verkaufskanäle direkt in Seller Central verwalten können.

Angaben zur Verfügbarkeit in Europa enthält die Mitteilung nicht. Bei der Logistik meldet Amazon für Prime-Mitglieder das schnellste dritte Quartal seiner Geschichte: Mehr als 1,5 Milliarden Artikel kamen am selben Tag oder über Nacht an. Der Schnelllieferdienst Amazon Now ist inzwischen in über 450 Städten und Gemeinden verfügbar, die Zahl der darüber bestellten Artikel hat sich im Jahresvergleich verzehnfacht.

220 Milliarden Dollar Investitionen – der Cashflow dreht ins Minus

Die Amazon Quartalszahlen zeigen auch, wohin der Gewinn fließt: in KI-Infrastruktur. Für 2026 plant der Konzern weiterhin Investitionen von rund 220 Milliarden US-Dollar. Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate lag deshalb bei minus 42,4 Milliarden US-Dollar. Die Ausgaben für Sachanlagen stiegen im Jahresvergleich um 94,8 Milliarden US-Dollar.

Amazon-Chef Andy Jassy verweist auf die Nachfrage. Der Auftragsbestand (Backlog) von AWS liegt laut Amazon bei 578 Milliarden US-Dollar. Beim KI-Dienst Bedrock gaben Fortune-500-Unternehmen fast siebenmal so viel aus wie im Vorjahr. Das Token-Volumen (Textbausteine, die KI-Modelle verarbeiten) stieg fast um das 17-Fache. Für 2027 und 2028 erwartet Jassy bei AWS Wachstumsraten von jeweils über 40 Prozent. Zudem hält er es für möglich, dass Amazon in fünf bis zehn Jahren zwei Geschäftsbereiche mit je einer Billion Dollar Umsatz hat.

Weihnachtsquartal: bis zu 247 Milliarden Dollar Umsatz erwartet

Für das vierte Quartal rechnet Amazon mit 240 bis 247 Milliarden US-Dollar Umsatz, ein Plus von 12 bis 16 Prozent. Der Betriebsgewinn soll zwischen 28,5 und 33,5 Milliarden US-Dollar liegen, nach 25,0 Milliarden im Vorjahresquartal.

Für Onlinehändler auf dem Marktplatz bleiben zwei Zahlen aus den Amazon Quartalszahlen: Die Gebühreneinnahmen wuchsen um 9 Prozent, der eigene Shop von Amazon um 2 Prozent. Amazon verdient sein Geld in der Cloud – und kassiert auf dem Marktplatz mehr Gebühren, als die Cloud umsetzt.

Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!