Anker und Pattern zählen zu den größten Verkäufern auf Amazon. Im Top 100 Amazon-Ranking liegt Anker auf Platz 7 und Pattern auf Platz 103, knapp außerhalb der Liste – und beide haben jetzt ihre Zahlen für das dritte Quartal 2026 vorgelegt. Dabei setzte Anker von Juli bis September 9,54 Mrd. Yuan um (rund 1,28 Mrd. Euro), Pattern 886 Mio. US-Dollar (rund 794 Mio. Euro). Allerdings wuchsen beide langsamer als im Vorquartal, auch weil große Amazon-Rabattaktionen diesmal früher im Jahr lagen. Am stärksten legten beide Konzerne abseits von Amazon zu: Pattern um 86 Prozent bei Umsätzen außerhalb von Amazon, Anker um 43 Prozent im eigenen Onlineshop. Ein Hersteller und ein Wiederverkäufer zeigen damit, wohin sich das Geschäft großer Amazon-Verkäufer verschiebt.
Inhaltsverzeichnis
- Anker: 17 Prozent mehr Umsatz, 27 Prozent weniger Gewinn
- Minus 10,6 Prozent: Anleger in Hongkong verkaufen
- Pattern: 886 Mio. Dollar Umsatz – und Gewinn statt Verlust
- Neun von zehn Dollar setzt Pattern auf Amazon um
- Verschobene Rabattaktionen bremsen Anker und Pattern
- Plus 43 und plus 86 Prozent: Anker und Pattern wachsen abseits von Amazon
- Anker und Pattern im Vergleich: Hersteller gegen Händler
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Anker: 17 Prozent mehr Umsatz, 27 Prozent weniger Gewinn
Anker Innovations aus Changsha ist an der Börse in Shenzhen notiert und seit diesem Jahr außerdem in Hongkong. Der Konzern legte seinen Bericht für das dritte Quartal am 29. Oktober vor, wie das Techportal IT之家 berichtet. Demnach stieg der Umsatz im Quartal um 16,96 Prozent auf 9,54 Mrd. Yuan (1,28 Mrd. Euro). Der Gewinn für die Aktionäre sank dagegen um 27,04 Prozent auf 559 Mio. Yuan (75,0 Mio. Euro).
Den Rückgang verursachte allerdings nicht das Tagesgeschäft. Laut den Analysten von Guosen Securities verlor Anker Geld durch Wertverluste bei Beteiligungen an anderen Unternehmen. Insgesamt summierten sich diese Sondereffekte (einmalige Posten außerhalb des Kerngeschäfts) im Quartal auf minus 282 Mio. Yuan (37,9 Mio. Euro). Ohne sie stieg der bereinigte Gewinn folglich um 61,23 Prozent auf 840 Mio. Yuan (112,8 Mio. Euro).
Für die ersten neun Monate meldet Anker zudem 26,14 Mrd. Yuan Umsatz (3,51 Mrd. Euro), ein Plus von 24,36 Prozent. Zugleich stieg der Gewinn für die Aktionäre um 16,97 Prozent auf 2,26 Mrd. Yuan (303,6 Mio. Euro). Die Bruttomarge (Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Warenkosten bleibt) stieg um 3,75 Prozentpunkte auf 48,4 Prozent. Allerdings führen die Analysten von China Securities die höhere Marge im dritten Quartal vor allem auf Rückzahlungen von US-Zöllen zurück. Anker hatte diese Zölle nämlich in den Vorjahren auf Grundlage des US-Notstandsgesetzes IEEPA gezahlt.
Gleichzeitig investiert der Konzern weiter: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen in neun Monaten um 46,5 Prozent auf 2,85 Mrd. Yuan (382,8 Mio. Euro). Außerdem wuchs der Lagerbestand seit Jahresbeginn um 68 Prozent auf 8,39 Mrd. Yuan (1,13 Mrd. Euro). Laut China Securities stockte Anker insbesondere für die Hauptverkaufssaison und wegen steigender Rohstoffpreise auf. Insgesamt stammt mit 94,8 Prozent fast der gesamte Umsatz aus dem Ausland.
Minus 10,6 Prozent: Anleger in Hongkong verkaufen
An der Börse kamen die Zahlen dennoch schlecht an. Am 30. Oktober fiel die Anker-Aktie in Hongkong daher im Handelsverlauf um 10,61 Prozent auf 84,25 Hongkong-Dollar, meldet 财闻 . Guosen bestätigte trotzdem die Einstufung „besser als der Markt“, senkte aber seine Gewinnprognose für die Jahre 2026 bis 2028. Soochow Securities blieb ebenfalls bei der Empfehlung „Kaufen“.
Auf Amazon.de ist Anker als „AnkerDirect DE“ aktiv und steht in der wortfilter-Rangliste der Top-100-Amazon-Händler auf Platz 7 (Stand: 7. November). Ende 2025 hatten chinesische Medien hingegen noch über einen Stellenabbau bei Anker berichtet. Allein die Anker Powerbank mit 20.000 mAh und integriertem USB-C-Kabel * wurde laut Amazon im vergangenen Monat mehr als 3.000-mal gekauft. Darüber hinaus wächst laut Analysten der Bereich Energiespeicher am schnellsten; in Europa brachte Anker zuletzt die Powerstation Anker SOLIX S2000 * auf den Markt.
Pattern: 886 Mio. Dollar Umsatz – und Gewinn statt Verlust
Anker und Pattern unterscheiden sich im Geschäftsmodell: Pattern Group aus Lehi im US-Bundesstaat Utah stellt keine eigenen Produkte her. Stattdessen kauft das Unternehmen Ware bei Markenherstellern ein und verkauft sie als autorisierter Händler auf Marktplätzen weiter. Anschließend übernimmt Pattern Werbung, Preise, Lager, Versand und Kundenservice selbst. Auf Amazon.de tritt der Konzern als „Pattern EU“ * auf und verkauft dort zum Beispiel Pandora-Schmuck, Weider-Proteinpulver oder den Luftentfeuchter Bosch Dry 4000 *.
Laut der Pattern-Mitteilung vom 4. November stieg der Umsatz im dritten Quartal um 38 Prozent auf 886 Mio. US-Dollar (793,6 Mio. Euro). Zudem betrug der Nettogewinn 32 Mio. US-Dollar (28,8 Mio. Euro). Im Vorjahresquartal, dem ersten Quartal nach dem Börsengang an der Nasdaq, hatte Pattern noch einen Verlust von 59 Mio. US-Dollar ausgewiesen. Das bereinigte EBITDA (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, ohne Sondereffekte) wuchs außerdem um 40 Prozent auf 57 Mio. US-Dollar (51,4 Mio. Euro).
Die bereinigte EBITDA-Marge liegt damit bei rund 6,5 Prozent des Umsatzes. Außerdem meldet Pattern eine Net Revenue Retention von 127 Prozent nach 122 Prozent im Vorjahr. Die Kennzahl misst also, wie sich der Umsatz mit bestehenden Markenpartnern entwickelt; Werte über 100 Prozent bedeuten Wachstum mit Bestandskunden. Zum 30. September hielt Pattern zudem 351,7 Mio. US-Dollar (315,0 Mio. Euro) an liquiden Mitteln.
Für das Gesamtjahr hob Pattern die Prognose auf 3,50 bis 3,52 Mrd. US-Dollar Umsatz an (3,13 bis 3,15 Mrd. Euro). Das entspricht somit einem Wachstum von 40 bis 41 Prozent. Im vierten Quartal erwartet der Konzern außerdem 965 bis 985 Mio. US-Dollar (864 bis 882 Mio. Euro).
Neun von zehn Dollar setzt Pattern auf Amazon um
Außerhalb von Amazon setzte Pattern im dritten Quartal 88 Mio. US-Dollar um (78,8 Mio. Euro), ein Plus von 86 Prozent. Rechnerisch bleiben damit 798 Mio. US-Dollar für Amazon – rund 90 Prozent des Umsatzes. Folglich wuchs das Amazon-Geschäft nach eigener Berechnung um rund 34 Prozent. Als Grundlage dienen zunächst die von Pattern genannten Wachstumsraten: Der Vorjahresumsatz lag demnach bei rund 642 Mio. US-Dollar (886 / 1,38), davon rund 47 Mio. US-Dollar außerhalb von Amazon (88 / 1,86).
International, also außerhalb der USA, setzte Pattern 106 Mio. US-Dollar um (94,9 Mio. Euro), 56 Prozent mehr als im Vorjahr. Zahlen für Deutschland oder Europa nennt das Unternehmen allerdings nicht. Auf Amazon.de lag „Pattern EU“ laut Worfilter-Ranking zuletzt auf Platz 103 der Verkäufer, gemessen an den Bewertungen der vergangenen 30 Tage. Pattern fehlt deshalb in der wortfilter-Top-100 vom 7. November.
Verschobene Rabattaktionen bremsen Anker und Pattern
Anker und Pattern wuchsen im dritten Quartal langsamer als im zweiten. Zum Beispiel legte Pattern im zweiten Quartal noch um 47 Prozent zu, im dritten um 38 Prozent. Nach Angaben des Unternehmens verschoben sich nämlich rund vier Prozentpunkte Wachstum vom dritten ins zweite Quartal, weil Marktplatz-Aktionen früher lagen. Ohne diesen Effekt wären folglich beide Quartale um etwa 42 Prozent gewachsen.
Ebenso sank bei Anker das Umsatzwachstum von 29 Prozent im ersten Halbjahr auf 17 Prozent im dritten Quartal. Soochow Securities und China Securities nennen ebenfalls als einen Grund den verschobenen Termin des Amazon Prime Day. Für das vierte Quartal rechnet Pattern schließlich wieder mit 34 bis 36 Prozent Wachstum.
Plus 43 und plus 86 Prozent: Anker und Pattern wachsen abseits von Amazon
Anker schlüsselt seinen Umsatz außerdem nach Kanälen auf. Zunächst kamen in den ersten neun Monaten 17,38 Mrd. Yuan (2,33 Mrd. Euro) aus dem Onlinehandel, ein Plus von 20,7 Prozent. Der stationäre Handel brachte zudem 8,76 Mrd. Yuan (1,18 Mrd. Euro) und wuchs um 32,3 Prozent. Am stärksten legte jedoch der eigene Onlineshop zu: plus 43,1 Prozent auf 3,01 Mrd. Yuan (403,8 Mio. Euro).
Zieht man den eigenen Shop vom Onlineumsatz ab, wuchsen die übrigen Onlinekanäle – darunter Amazon – nach eigener Berechnung um rund 17 Prozent. Der Rechenweg lautet also: 17,38 minus 3,01 Mrd. Yuan im Jahr 2026 gegenüber 14,40 minus 2,10 Mrd. Yuan im Vorjahreszeitraum, abgeleitet aus den gemeldeten Wachstumsraten. Zudem eröffnete Anker in Berlin seinen ersten eigenen Laden. Gleichzeitig führt der Konzern seine Untermarken wie eufy und soundcore unter der Dachmarke Anker zusammen.
Pattern schlüsselt seinen Umsatz dagegen nach Marktplätzen auf. Außerhalb von Amazon wuchs der Umsatz im dritten Quartal mit 86 Prozent mehr als doppelt so schnell wie das Amazon-Geschäft. Zu diesen Kanälen zählen laut Pattern unter anderem Walmart.com, TikTok Shop, Target.com und eBay. Damit wachsen beide Konzerne dort am stärksten, wo sie nicht auf Amazon angewiesen sind.
Anker und Pattern im Vergleich: Hersteller gegen Händler
Allerdings berichten die beiden Unternehmen unterschiedliche Kennzahlen. Ein direkter Vergleich der Margen ist deshalb nur eingeschränkt möglich. Alle Euro-Werte basieren auf den EZB-Referenzkursen vom 6. November 2026 (1 Euro = 1,1165 US-Dollar bzw. 7,4485 Yuan).
| Kennzahl Q3 2026 | Anker Innovations | Pattern Group |
|---|---|---|
| Geschäftsmodell | Markenhersteller | Händler für Markenpartner |
| Börse | Shenzhen, Hongkong | Nasdaq |
| Umsatz | 1,28 Mrd. € (+17 %) | 793,6 Mio. € (+38 %) |
| Nettoergebnis | 75,0 Mio. € (−27 %) | 28,8 Mio. € (Vorjahr: Verlust) |
| Marge | Bruttomarge 46,0 % | bereinigte EBITDA-Marge 6,5 % |
| Wachstum abseits von Amazon | eigener Shop +43 % (1–9/2026) | +86 % |
| Auslandsanteil | 94,8 % außerhalb Chinas (1–9/2026) | 12 % außerhalb der USA |
Als Hersteller behält Anker die Spanne zwischen Produktionskosten und Verkaufspreis, trägt aber Entwicklung und Produktion. Pattern kauft fertige Ware ein und arbeitet deshalb mit geringerer Marge, wuchs im Quartal aber schneller. Pattern setzt allerdings neun von zehn Dollar auf Amazon um – das Wachstum suchen Anker und Pattern zunehmend anderswo.
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