Zum 30. September 2026 haben 118 Staaten Kontodaten ans Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) geliefert – und dein Auslandskonto ist damit für das Finanzamt sichtbar, egal ob Schweiz, Türkei oder Panama. Neu dabei sind Senegal, Ruanda und Trinidad und Tobago. Gleichzeitig gibt es Staaten, die gar nichts melden: die USA, Russland, Serbien, Taiwan, Vietnam oder die Philippinen. Wer glaubt, dort lasse sich mal eben digital ein Konto eröffnen, bekommt in diesem Beitrag die Liste und die Antwort. Dazu die zweite Frist, die Onlinehändler mit Auslandskonten jetzt treffen kann: Am 11. Januar 2027 greift die EU-Richtlinie CRD VI.

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118 Staaten liefern – und drei neue stehen auf der Liste

Grundlage ist das BMF-Schreiben vom 8. Juni 2026 (Gz. IV D 3 – S 1315/00304/071/023, BStBl 2026 I S. 866). Es legt die finale Staatenaustauschliste nach dem Finanzkonten-Informationsaustauschgesetz (FKAustG, deutsche Umsetzung des OECD-Standards CRS) fest. Die Banken mussten die Daten für das Meldejahr 2025 bis 31. Juli 2026 ans BZSt liefern, der Austausch mit den Partnerstaaten lief zum 30. September. Das BZSt reicht die Daten jetzt an die Finanzämter weiter, die sie mit der Steuererklärung abgleichen, wie die Berliner Zeitung berichtet .

Gegenüber 2025 (115 Staaten) sind Ruanda, Senegal und Trinidad und Tobago hinzugekommen. Auf der Liste stehen alle EU-Staaten, die Schweiz, Liechtenstein, Großbritannien, die Türkei, Singapur, Hongkong, Panama, die Vereinigten Arabischen Emirate, die Kaimaninseln und sämtliche klassischen Offshore-Plätze. Bei 27 der 118 Staaten gilt eine Besonderheit: Sie liefern Daten nach Deutschland, erhalten aber keine zurück, weil sie keine Einkommensteuer erheben – darunter Bahamas, Bermuda, Britische Jungferninseln, Kaimaninseln, Katar, Kuwait, Oman und die Emirate. Für dich als Kontoinhaber ändert das nichts: Dein Konto dort wird gemeldet.

Was das Finanzamt sieht – und was es nicht sieht

Gemeldet werden Name, Anschrift, Geburtsdatum, Steuer-Identifikationsnummer, Kontonummer, der Kontostand zum Jahresende sowie Zinsen, Dividenden und bei Depots die Bruttoerlöse aus Verkäufen. Weichen die Zahlen von der Steuererklärung ab, fragt das Finanzamt nach – auch zur Herkunft des Geldes. Dein Girokonto bei einer deutschen Bank läuft nicht über dieses Verfahren. Der CRS ist ein grenzüberschreitender Austausch: Deutsche Banken melden nur Konten von Steuerausländern ins Ausland, nicht Inlandskonten von Inländern.

Inlandskonten sind trotzdem nicht unsichtbar. Über das Kontenabrufverfahren (§ 93 AO) fragen Behörden beim BZSt ab, wer bei welcher Bank Konten führt. Sichtbar sind Kontostammdaten: Bank, Kontonummer, Eröffnungs- und Auflösungsdatum, Name, Geburtsdatum, Adresse und Steuer-ID. Kontostände und Umsätze sieht niemand – dafür muss die Behörde gezielt bei der Bank nachfragen. Laut Bundesregierung (Drucksache 20/10841) gab es 2023 rund 1,4 Millionen Abrufe nach § 93b AO, davon 169.901 für die Finanzämter und 844.427 für Gerichtsvollzieher. Dazu kamen 431.843 Abrufe von Polizei, Staatsanwaltschaften, Zoll- und Steuerfahndung über die BaFin – zusammen 1.835.424.

11. Januar 2027: Die EU macht Drittstaaten-Banken die Tür zu

Mit Artikel 21c der Richtlinie (EU) 2024/1619 (CRD VI) dürfen Banken aus Nicht-EU-Staaten ab dem 11. Januar 2027 Einlagen- und Kreditgeschäft mit Kunden in Deutschland nur noch über eine zugelassene Zweigstelle betreiben, wie die Kanzlei CMS zur Umsetzung in §§ 53c ff. KWG schreibt . Verträge, die vor dem 11. Juli 2026 geschlossen wurden, genießen Bestandsschutz. Wer sein Konto wesentlich ändert, etwa einen neuen Kredit aufnimmt, kann diesen Schutz verlieren, so Irwin Mitchell .

Eine Ausnahme bleibt: Geht der Kunde ausschließlich aus eigener Initiative auf die Bank zu (Reverse Solicitation), darf sie ihn bedienen. Werbung über Vermittler oder verbundene Unternehmen zählt nicht als Eigeninitiative. Reine Wertpapierdienstleistungen fallen nicht unter Artikel 21c, sie bleiben im MiFID-Regime. Betroffen sind vor allem Schweizer Banken, die um die rund 67.000 Grenzgänger aus Deutschland werben, sowie Institute aus der Türkei, Großbritannien und den USA. Banken mit deutscher Vollbanklizenz wie Isbank AG oder Ziraat Bank International AG sind nicht betroffen.

Die Liste: Diese Staaten melden nichts nach Deutschland

Zwei Gruppen sind zu unterscheiden. Gruppe A: Staaten, die beim CRS mitmachen oder zugesagt haben, aber mit Deutschland (noch) nicht tauschen. Gruppe B: Staaten, die den Standard gar nicht umsetzen. Die OECD führt per 30. September 2026 42 Entwicklungsländer ohne Zusage , dazu kommen Staaten außerhalb des Global Forum.

StaatStatusHintergrund
USAKein CRSTauscht nur nach FATCA. Deutschland erhält Zinsen und Dividenden, aber keine Kontostände.
RusslandAusgesetztSeit 2022 keine Datenlieferung (OECD: „No data“); nicht auf der deutschen Liste.
Montenegro, JordanienZugesagt 2023, nicht umgesetztRechtsrahmen laut OECD nicht vollständig.
MarokkoZugesagt, nicht umgesetztRatifizierung steht aus, OECD erwartet Start spätestens 2028.
Kamerun, TunesienZusage für 2026Noch kein Austausch mit Deutschland.
Mongolei, Paraguay, Papua-NeuguineaZusage für 2027Noch kein Austausch.
Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien, Kosovo, BelarusKeine ZusageKein CRS.
TaiwanKein Global-Forum-MitgliedTauscht bilateral nur mit Japan, Australien und Großbritannien.
Philippinen, Vietnam, Kambodscha, Laos, Myanmar, Bangladesch, Sri Lanka, NepalKeine ZusageKein CRS.
Usbekistan, Kirgisistan, Tadschikistan, TurkmenistanKeine ZusageKein CRS.
Ägypten, Algerien, Äthiopien, Tansania, Namibia, Botswana, Sambia, ElfenbeinküsteKeine ZusageKein CRS.
Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Dominikanische Republik, Bolivien, Venezuela, KubaKeine ZusageKein CRS.
Irak, Iran, Afghanistan, Syrien, Jemen, NordkoreaKeine ZusageKein CRS; Sanktionen.
Staaten ohne automatischen Kontodatenaustausch mit Deutschland (Stand: Oktober 2026). Quellen: BMF-Schreiben vom 8. Juni 2026, OECD AEOI-Status.

Zwei Hinweise zur Liste. Erstens: Curaçao steht auf der deutschen Liste, hat den Austausch laut OECD aber vorübergehend ausgesetzt, um Datenschutz und Vertraulichkeit zu prüfen. Zweitens: Georgien, Armenien, Kasachstan, Moldau, Ukraine, Thailand, Kenia und Nigeria tauschen seit 2024 beziehungsweise 2025 mit Deutschland. Die früher beliebte Ausweichroute Tiflis ist damit geschlossen.

Konto digital eröffnen? Nur an einer einzigen Stelle

Die ernüchternde Antwort vorweg: Als in Deutschland ansässige Person ohne Aufenthaltstitel im Zielland kannst du in fast keinem dieser Staaten ein Konto online eröffnen. Die Banken verlangen persönliches Erscheinen, oft zusätzlich eine lokale Ausweisnummer oder einen Aufenthaltstitel. Die Ausnahme ist die Zenus Bank in Puerto Rico, die mit einer US-Lizenz für internationale Kunden (IFE) vollständig digital onboardet, wie eine Analyse von private.law zeigt : 50 US-Dollar Antragsgebühr, 19,99 US-Dollar Monatsgebühr, keine US-Adresse nötig. Puerto Rico ist US-Territorium, FATCA gilt – der CRS nicht.

StaatDigital eröffnen?VoraussetzungBeispiel-Bank
USA (Puerto Rico)Ja, per AppPass, Adressnachweis, 50 USD GebührZenus Bank
SerbienNein, nur vor OrtPass genügt; Banken prüfen KontozweckRaiffeisen banka
MontenegroNein, nur vor OrtNachweis wirtschaftlicher Bindung (Immobilie, Aufenthalt)Hipotekarna banka
TaiwanNein, nur vor OrtARC oder lokale UI-NummerE.SUN Bank
PhilippinenNein, nur vor OrtMeist ACR I-Card; Nichtresidenten nur FremdwährungskontoBDO Unibank
VietnamNein, nur vor OrtAufenthaltstitel mit mindestens 12 Monaten LaufzeitVietcombank
KambodschaNein, nur vor OrtPass und VisumABA Bank
ParaguayNein, nur vor OrtParaguayische Cédula (Aufenthaltsrecht)Banco Continental
RusslandNeinSanktionen, keine SWIFT-Anbindung der Großbanken–
Kontoeröffnung für Personen mit Wohnsitz in Deutschland (Stand: Oktober 2026). Quellen: Bankangaben, Wise, globalbanks.com, private.law.

Serbien verlangt kein Aufenthaltsrecht, aber den Gang in die Filiale: Raiffeisen, UniCredit, Banca Intesa, OTP und Erste eröffnen Nichtresidenten-Konten gegen Pass, eine Fernöffnung gibt es nicht . In Montenegro ist es seit 2019 ohne Immobilie oder Aufenthaltstitel kaum noch möglich. Vietnam hat 2019 per Gesetz festgelegt, dass Ausländer nur mit Aufenthaltstitel von mindestens zwölf Monaten ein Konto bekommen; Vietcombank, BIDV und Techcombank nehmen seit 2025 keine E-Visa-Inhaber mehr. Paraguay koppelt das Konto an die Cédula, also an die Residenz.

Was Onlinehändler jetzt wissen müssen

Ein Konto in einem Nicht-CRS-Staat ändert nichts an der Steuerpflicht. Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig ist, versteuert sein Welteinkommen (§ 1 Abs. 1 EStG), Kapitalerträge aus dem Ausland gehören in die Anlage KAP. Nicht erklärte Erträge sind Steuerhinterziehung nach § 370 AO; ab 50.000 Euro liegt ein besonders schwerer Fall vor, die Verfolgungsverjährung beträgt dann 15 Jahre (§ 376 AO). Das gilt unabhängig davon, ob der Staat meldet oder nicht.

Für Händler kommt eine zweite Datenspur hinzu. Amazon, eBay, Etsy und andere Plattformen melden Umsätze nach dem Plattformen-Steuertransparenzgesetz (DAC7) ans BZSt. Zahlungsdienstleister wie PayPal, Stripe und Adyen liefern seit 2024 grenzüberschreitende Zahlungen ins CESOP-Register der EU. Seit 1. Januar 2026 müssen Krypto-Dienstleister nach DAC8 melden; der erste Austausch läuft 2027. Wohin das Geld anschließend fließt, ist damit dokumentiert – auch wenn das Zielkonto selbst nicht gemeldet wird.

Praktisch heißt das: Prüfe, ob alle Auslandskonten in der Steuererklärung für 2025 stehen. Wer ein Konto bei einer Bank in der Schweiz, Großbritannien oder der Türkei hat, sollte vor dem 11. Januar 2027 klären, ob das Institut eine deutsche Zweigstelle hat oder das Konto über Reverse Solicitation weiterführen kann. Wise, Revolut und N26 sitzen in Belgien, Litauen und Deutschland – sie melden nach CRS wie jede andere Bank.

Einordnung: Das Loch wird jedes Jahr kleiner

2024 standen 111 Staaten auf der Liste, 2025 waren es 115, jetzt 118. Georgien, Thailand und Kenia kamen 2024 dazu, Armenien, Ruanda, Uganda und Senegal 2025 und 2026. Marokko, Tunesien, Kamerun, die Mongolei und Paraguay haben zugesagt. Was übrig bleibt, sind Staaten, in denen Ausländer ohne Aufenthaltstitel ohnehin kein Konto bekommen – und die USA, die ihre eigene Datenspur per FATCA ziehen.

Die einzige digital erreichbare Lücke liegt in Puerto Rico, kostet 20 Dollar im Monat und meldet nach FATCA. Ein Konto ohne Datenaustausch ist 2026 kein Produkt mehr, sondern eine Reise mit Reisepass, Filialtermin und Aufenthaltstitel.

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