ChatGPT-Codes wie /ELI5, /TLDR oder /REDTEAM versprechen bessere Antworten mit einem einzigen Wort – in sozialen Netzwerken kursieren Listen mit 32, 42 oder 100 dieser Kürzel. Onlinehändler, die Produkttexte, Kundenmails und Lieferantenvergleiche mit KI erstellen, erhoffen sich davon gesparte Arbeitszeit. OpenAI hat allerdings keinen dieser Befehle in ChatGPT eingebaut. Die Kürzel sind verdichtete Prompts, und ihre Wirkung hängt von Modell, Aufgabe und Kontext ab. Dieser Beitrag listet 105 bekannte Codes auf und ordnet ein, was sich über ihre Wirkung belegen lässt.

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Kein einziger ChatGPT-Code stammt von OpenAI

OpenAI die Kürzel nicht offiziell in ChatGPT eingebaut. Es handelt sich um stark komprimierte Prompts. Sie greifen auf Begriffe zurück, die im Internet seit Jahren eine feste Bedeutung haben. „TL;DR“ steht in Foren für eine Kurzfassung, „ELI5“ stammt aus dem Reddit-Forum „Explain like I’m five“. Ein Sprachmodell hat diese Zusammenhänge aus seinen Trainingstexten gelernt. Deshalb ergänzt es die Anweisung, die hinter dem Kürzel steht.

Der Schrägstrich löst dabei keinen Befehl aus. Er zeigt dem Modell lediglich an, dass das folgende Wort eine Anweisung ist. Deshalb funktionieren viele Kürzel auch in Claude, Gemini oder anderen KI-Werkzeugen. Zugleich folgt daraus eine Einschränkung: Dasselbe Kürzel kann je nach Modellversion und Gesprächsverlauf unterschiedliche Ergebnisse liefern. Eine feste Zuordnung von Code und Ausgabe, wie sie eine Software-Funktion bietet, existiert nicht. Die folgende Liste fasst Kürzel aus den verbreiteten Sammlungen zusammen. Außerdem enthält sie Fachbegriffe, die nach demselben Prinzip arbeiten.

Forschung findet keine Formel, die immer wirkt

Kontrollierte Studien zu den viralen Kürzeln selbst liegen nicht vor. Untersucht ist jedoch, ob feste Prompt-Formeln die Qualität von Antworten verlässlich erhöhen. Die Generative AI Labs der Wharton School haben dazu seit 2025 vier Berichte veröffentlicht. Der erste Bericht hält fest, dass sich vorab kaum sagen lässt, ob eine Prompt-Technik einer Antwort hilft oder schadet. Laut dem zweiten Bericht bringt die Aufforderung, Schritt für Schritt zu denken, nur geringe Zugewinne; der Effekt schwankt zudem je nach Modell und Aufgabe. Der dritte Bericht prüft Trinkgeld-Versprechen und Drohungen und stuft beide als weniger wirksam ein als angenommen. Der vierte Bericht zeigt schließlich, dass zugewiesene Experten-Rollen die Faktentreue nicht verbessern.

Für die Codes ergibt sich daraus eine Zweiteilung. Kürzel, die Form, Länge oder Ton festlegen, lassen sich am Ergebnis unmittelbar prüfen: Eine Tabelle ist eine Tabelle. Kürzel wie /CHAIN OF THOUGHT, /ACT AS oder /NO AUTOPILOT beanspruchen dagegen eine höhere inhaltliche Qualität. Für diesen Anspruch liefern die Wharton-Berichte keine Bestätigung. Allerdings testen die Berichte Faktenfragen auf Hochschulniveau aus Naturwissenschaft, Technik und Recht. Auf Schreibaufgaben lassen sich die Ergebnisse daher nur eingeschränkt übertragen.

12 Codes steuern Länge und Verständlichkeit

Diese Gruppe hat die klarste Wirkung, weil sich Länge und Sprachniveau am Ergebnis ablesen lassen. Die Zahl hinter /ELI arbeitet dabei wie ein Regler: Je höher das genannte Alter, desto mehr Details enthält die Erklärung.

CodeErwartete Wirkung
/ELI5Erklärt ein Thema in einfacher Sprache ohne Fachbegriffe („Explain like I’m five“, aus dem gleichnamigen Reddit-Forum)
/ELI10Einfache Erklärung mit mehr Details
/ELI2Noch stärkere Vereinfachung
/TLDRFasst einen langen Text auf die Kernaussagen zusammen („Too long; didn’t read“); in vielen Listen auch als /TLDL
/BRIEFLYBegrenzt die Antwort auf wenige Sätze
/SIMPLIFYFormuliert einen vorhandenen Text leichter verständlich
/EXEC SUMMARYZusammenfassung für Entscheider: Ergebnis, Begründung, nächster Schritt
/BLUFStellt die Kernaussage an den Anfang („Bottom Line Up Front“, Schreibregel der US-Streitkräfte)
/ANALOGYErklärt einen Sachverhalt über einen Vergleich
/EXAMPLESErgänzt konkrete Beispiele
/EXPANDFührt einen Punkt ausführlicher aus
/SHORTENKürzt einen Text, der Inhalt bleibt erhalten

Bei Zusammenfassungen bleibt eine Prüfpflicht. Ein Sprachmodell kann Aussagen verkürzen, anders gewichten oder ergänzen. Verdichtest du etwa eine Richtlinienänderung von Amazon oder eBay mit /TLDR, solltest du Fristen und Beträge mit dem Originaltext abgleichen.

13 Codes legen das Format fest

Formatvorgaben zählen zu den verlässlicheren Kürzeln. Tabellen, Listen und JSON haben eine eindeutige Form, die das Modell entweder liefert oder verfehlt. Du erkennst das Ergebnis daher auf einen Blick.

CodeErwartete Wirkung
/STEP-BY-STEPGliedert die Antwort in nummerierte Schritte
/CHECKLISTWandelt die Antwort in eine Liste zum Abhaken
/TABLEStellt Informationen als Tabelle dar
/FORMAT ASLegt das Ausgabeformat fest, etwa Tabelle, JSON, Markdown oder CSV
/SCHEMALiefert eine Gliederung oder ein Datenmodell
/OUTLINEErstellt zuerst die Gliederung, danach den Text
/BEGIN WITHGibt den ersten Satz oder das erste Element vor
/END WITHGibt den Schluss vor
/COMPAREStellt zwei oder mehr Optionen gegenüber
/PROS-CONSListet Vor- und Nachteile getrennt auf
/FAQBereitet ein Thema als Fragen und Antworten auf
/ROADMAPOrdnet Aufgaben in Etappen mit fester Reihenfolge
/ROLE: TASK: FORMAT:Nennt Rolle, Aufgabe und Ausgabeformat in einer Zeile

Die Codes lassen sich kombinieren, zum Beispiel /COMPARE /TABLE für drei Versanddienstleister. Bei mehreren Kürzeln in einer Eingabe kann das Modell jedoch einzelne Vorgaben übergehen. Deshalb lohnt ein Blick darauf, ob jede Vorgabe im Ergebnis ankommt.

12 Codes verändern Ton und Rolle

Ton- und Rollenkürzel verändern Wortwahl und Perspektive einer Antwort. Der vierte Wharton-Bericht grenzt den Nutzen allerdings ein: Eine zugewiesene Expertenrolle macht Antworten auf Faktenfragen nicht richtiger. Auf den Stil eines Textes wirkt sich eine Rolle dagegen sichtbar aus.

CodeErwartete Wirkung
/TONEÄndert die Tonalität, etwa formell, locker oder humorvoll
/REWRITE ASSchreibt einen Text in einem vorgegebenen Stil um
/HUMANIZEFormuliert natürlicher und weniger formelhaft
/GHOSTEntfernt Formulierungen, die als KI-typisch gelten (aus Listen für Claude)
/JARGONVerwendet die Fachsprache einer Branche; Variante: /JARGONIZE
/AUDIENCERichtet die Antwort auf eine genannte Zielgruppe aus
/ACT ASWeist dem Modell eine Rolle zu, etwa Steuerberater oder Einkäufer
/PERSONAWie /ACT AS, meist mit ausführlicher Rollenbeschreibung
/DEV MODEAntwortet knapp und technisch im Stil eines Entwicklers
/PM MODEBetrachtet eine Aufgabe aus Sicht des Projektmanagements
/PROOFREADKorrigiert Rechtschreibung und Grammatik ohne inhaltliche Änderung
/TRANSLATEÜbersetzt in eine genannte Sprache

/HUMANIZE und /GHOST kursieren häufig mit dem Versprechen, Texte für KI-Detektoren unauffällig zu machen. Belegt ist das nicht. Die Kürzel ändern den Stil, eine Zusage gegen Erkennung geben sie nicht.

19 Codes versprechen bessere Analyse

Hier verweisen die Kürzel auf Methoden mit eigener Geschichte, etwa aus Managementlehre, Militär oder Produktion. Das Modell kennt die Methode und überträgt ihr Raster auf deine Frage. Ob die Analyse inhaltlich zutrifft, hängt jedoch von den Angaben ab, die du mitlieferst.

CodeErwartete Wirkung
/SWOTOrdnet nach Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken (Managementlehre)
/FIRST PRINCIPLESZerlegt ein Problem in Grundannahmen und baut die Antwort neu auf
/CHAIN OF THOUGHTLegt die Zwischenschritte der Herleitung offen
/DELIBERATE THINKINGFordert eine langsamere, abwägende Herleitung
/DEEPTHINKWie /DELIBERATE THINKING (aus Listen für Claude)
/MULTI-PERSPECTIVEZeigt mehrere Sichtweisen auf eine Frage
/PARALLEL LENSESPrüft eine Frage gleichzeitig aus mehreren Blickwinkeln
/CONTEXT STACKSoll mehrere Kontextebenen gleichzeitig berücksichtigen
/FEYNMANErklärt Schritt für Schritt und zeigt Wissenslücken (Lernmethode nach dem Physiker Richard Feynman)
/SOCRATICAntwortet mit Gegenfragen statt mit Lösungen (sokratische Methode)
/BRAINSTORMSammelt Ideen ohne Bewertung
/5WHYSFragt fünfmal nach der Ursache (Methode aus dem Toyota-Produktionssystem)
/PARETOSucht die 20 Prozent der Maßnahmen mit 80 Prozent der Wirkung
/OODAGliedert in Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln (Entscheidungsmodell des US-Militärstrategen John Boyd)
/SECOND-ORDERVerfolgt die Folgen der Folgen einer Entscheidung
/INVERSIONFragt, was sicher zum Scheitern führt, und leitet daraus Maßnahmen ab
/ASSUMPTIONSListet die Annahmen auf, die in der Frage stecken
/METRICS MODEVerlangt messbare Kennzahlen statt allgemeiner Aussagen
/RISK-ANALYSISListet Risiken und Gegenmaßnahmen auf

Das Raster ordnet vorhandene Informationen. Fehlen Zahlen zu Marge, Retourenquote oder Wettbewerb, füllt das Modell die Felder mit allgemeinen Annahmen. Eine /SWOT-Analyse ohne eigene Daten beschreibt daher eher die Branche als dein Unternehmen.

14 Codes sollen Schwachstellen aufdecken

Sprachmodelle neigen dazu, Vorschläge des Nutzers zu bestätigen. Die Kürzel dieser Gruppe kehren die Aufgabe um: Das Modell soll Einwände suchen. Dadurch entsteht eine Liste offener Fragen und Risiken, die du anschließend selbst bewerten musst.

CodeErwartete Wirkung
/REDTEAMSucht gezielt Schwachstellen eines Plans (Begriff aus Militär und IT-Sicherheit)
/STEELMANFormuliert die stärkste Fassung der Gegenposition
/DEVILS-ADVOCATEArgumentiert gegen die eigene Position
/CRITIQUEBewertet einen Text oder Plan kritisch
/SKEPTICHinterfragt Behauptungen und verlangt Belege
/PRE-MORTEMNimmt an, das Vorhaben sei gescheitert, und sucht die Gründe (Methode des Psychologen Gary Klein)
/PITFALLSNennt typische Fehler bei einem Vorhaben
/BLINDSPOTSSucht Aspekte, die in der Frage fehlen
/EVAL-SELFLässt das Modell die eigene Antwort bewerten
/SELF-CHECKLässt das Modell die eigene Antwort auf Fehler prüfen
/REFLECTIVE MODEHängt eine Reflexion über die eigene Antwort an
/SYSTEMATIC BIAS CHECKPrüft die Antwort auf Verzerrungen und einseitige Annahmen
/NO AUTOPILOTUntersagt Standardfloskeln und allgemeine Antworten
/GUARDRAILSetzt Grenzen, die die Antwort einhalten soll

Kürzel zur Selbstprüfung wie /EVAL-SELF stoßen an eine Grenze. Das Modell bewertet die eigene Antwort mit demselben Wissen, mit dem es sie erzeugt hat. Eine Selbstbewertung von 9 von 10 Punkten belegt deshalb keine Richtigkeit.

3 Codes verweisen auf keinen Begriff

L99, /GODMODE und BEASTMODE kursieren vor allem in Listen für Claude. Anders als TL;DR oder SWOT verweisen sie auf keinen etablierten Begriff.

CodeBehauptete Wirkung
L99Soll eine Antwort auf Expertenniveau auslösen
/GODMODESoll maximale Ausführlichkeit auslösen
BEASTMODESoll eine besonders gründliche Antwort auslösen

Der Berater Amit Kothari hat die Kürzel im Terminal getestet . Demnach fragte Claude bei L99 nach, was gemeint sei. Die Eingaben /ghost und /godmode wies das Programm als unbekannte Befehle ab. Im Code des Werkzeugs kommen die Begriffe laut Kothari nicht vor. Im Chatfenster können solche Kürzel trotzdem etwas verändern, weil das Modell aus dem Wort eine Absicht ableitet. „Godmode“ legt zum Beispiel mehr Umfang nahe. Mehr Umfang bedeutet jedoch nicht mehr Substanz.

32 Visual Codes liefern Bilder, keine Belege

Visual Codes folgen demselben Muster: Schrägstrich, Kürzel, Motiv. Sie setzen ein Werkzeug voraus, das Bilder erzeugt. Die Begriffe stammen aus technischer Dokumentation, Fotografie und Illustration. Die erste Tabelle nennt technische Darstellungen.

CodeErwartete Wirkung
/xrayBlick durch die Außenhülle auf das Innenleben
/explodedviewExplosionszeichnung: Objekt in Einzelteile zerlegt
/cutawayAufgeschnittene Ansicht
/crosssectionQuerschnitt durch das Objekt
/cadDarstellung im Stil einer CAD-Software
/technicaldrawingKlassische technische Zeichnung
/blueprintBlaupause: weiße Linien auf blauem Grund
/patentStrichzeichnung im Stil einer Patentschrift
/wireframeDrahtgittermodell ohne Oberflächen
/isometric3D-Ansicht aus schräger Perspektive ohne Fluchtpunkt
/anatomyDarstellung im Stil einer Anatomie-Tafel
/infographicInfografik mit Kernaussagen zu einem Thema
/knollingEinzelteile rechtwinklig geordnet, von oben fotografiert
/flatlayGegenstände flach ausgelegt, Aufnahme von oben
/thermalWärmebild-Optik in Falschfarben
/electroscanScan-Effekt mit leuchtenden Linien

Die zweite Tabelle nennt Stile und Effekte. Auch diese Codes lassen sich kombinieren, zum Beispiel /blueprint /explodedview.

CodeErwartete Wirkung
/beforeafterVorher-nachher-Vergleich
/handwrittenNotizbuch-Stil mit handschriftlichen Anmerkungen
/droneviewAnsicht aus der Vogelperspektive
/holographicHologramm-Optik
/fogNebel-Atmosphäre
/macroNahaufnahme mit geringer Schärfentiefe
/tiltshiftMiniatur-Effekt durch selektive Schärfe
/doubleexposureDoppelbelichtung: zwei Motive überlagert
/lowpoly3D-Optik aus wenigen, kantigen Flächen
/pixelartGrobe Pixel im Stil früher Videospiele
/lineartReine Strichzeichnung ohne Flächen
/claymationKnetfiguren-Optik
/papercutScherenschnitt aus Papierlagen
/dioramaMiniaturszene im Schaukasten
/storyboardSzenenfolge in Einzelbildern
/stickerMotiv als Aufkleber mit weißem Rand

Die Bilder sind Visualisierungen. Den tatsächlichen Aufbau eines Geräts kennt das Modell in der Regel nicht. Es ergänzt deshalb Details, die plausibel aussehen. Ein generiertes Bild zeigt folglich nicht die Ware, die du verkaufst. Außerdem kann Text in Infografiken Schreibfehler enthalten.

So prüfst du ChatGPT-Codes im eigenen Shop

Ob ein Kürzel im eigenen Arbeitsablauf etwas bringt, kannst du mit geringem Aufwand selbst prüfen. Nimm dazu eine wiederkehrende Aufgabe, etwa eine Produktbeschreibung oder die Antwort auf eine Retourenanfrage. Stelle dieselbe Eingabe mehrfach mit und ohne Code, jeweils in einem neuen Chat. Sprachmodelle antworten nicht bei jedem Durchlauf gleich. Ein einzelner Versuch sagt daher wenig aus.

Vergleiche anschließend nach festen Kriterien: Stimmen die Fakten? Passt die Länge? Entfällt Nacharbeit? Bewährt sich ein Kürzel, halte zusätzlich die ausgeschriebene Anweisung fest, die dahinter steht. Sie ist länger, aber eindeutig. Zudem hängt sie nicht davon ab, wie ein Modell das Kürzel deutet.

Ein Kürzel ersetzt keine Aufgabenbeschreibung

Die 105 ChatGPT-Codes sind Abkürzungen für Anweisungen, die sich auch ausschreiben lassen. Ihr Nutzen liegt in der Zeitersparnis bei Form, Länge und Ton. Für eine höhere inhaltliche Qualität fehlt dagegen der Nachweis. Die vorliegende Forschung spricht eher gegen feste Formeln.

Zielgruppe, Format, Umfang und die eigenen Zahlen bestimmen das Ergebnis stärker als das Wort hinter dem Schrägstrich. Geheim ist an diesen Codes nichts – und eingebaut auch nicht.

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