Die Hagen Grote Übernahme ist durch, und der Käufer kennt das Geschäft mit Marken aus der Insolvenzmasse. Die Berliner Frölich & Kaufmann Verlag und Versand GmbH hat Markenrechte und Domains des Krefelder Küchenversenders gekauft, berichtet Recht & Politik . Laut der neuen Datenschutzerklärung gingen auch die Kundendaten mit, darunter Adressen und Kaufhistorie. Vor einem Jahr lief beim Freiburger Öko-Versender Waschbär das gleiche Muster. Wenn ein Versandhändler stirbt, bleiben drei Dinge mit Wert: Marke, Domain und Kundendatei.
Inhaltsverzeichnis
- Hagen Grote Übernahme: Die Marke zieht nach Berlin
- Neuer Absender: Die Kundendaten liegen jetzt in Berlin-Wedding
- Der Käufer: Kunstbuch-Versender mit Appetit auf Traditionsmarken
- Artservice, Merkheft, Waschbär: Die Einkaufsliste wird länger
- Waschbär als Blaupause: Marke weg aus Freiburg, Daten nach Berlin
- Kundendaten aus der Pleite: Hier ziehen Datenschützer die Grenze
- Deine Kundendatei ist im Ernstfall mehr wert als dein Lager
- Die Marke überlebt, der Händler nicht
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Hagen Grote Übernahme: Die Marke zieht nach Berlin
Hagen Grote hatte im Februar 2026 Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Krefeld eröffnete das Verfahren am 27. April 2026. Eine Gesamtlösung (Verkauf des laufenden Betriebs an einen Investor) kam nicht zustande. Der Investorenprozess konzentrierte sich danach auf einzelne Vermögenswerte (Asset Deal).
Den Zuschlag für Markenrechte und Domains bekam Frölich & Kaufmann. Das Unternehmen will Hagen Grote langfristig als Marke weiterführen. Die 87 Beschäftigten in Krefeld werden wohl ihren Job verlieren.
Wie es zur Pleite kam, hat wortfilter.de im März ausführlich analysiert . Die Gesamtleistung fiel von 42,5 Millionen Euro (2021) auf 25,7 Millionen Euro (2023). Auf Amazon oder eBay war Hagen Grote nicht vertreten.
Neuer Absender: Die Kundendaten liegen jetzt in Berlin-Wedding
Auf hagengrote.de steht als Verantwortlicher inzwischen Hagen Grote in der Frölich und Kaufmann Verlag und Versand GmbH, Schwedenstraße 9, Berlin. Ein Hinweis oben in der Datenschutzerklärung nennt den Erwerb einzelner Vermögenswerte und die übernommenen Kundendaten, darunter Adress- und Kaufdaten. Als Rechtsgrundlage gibt der Käufer das berechtigte Interesse an (Art. 6 Abs. 1 lit. f DSGVO), und zwar für Kundenpflege und Werbung. Kunden können der Direktwerbung jederzeit widersprechen.
Die Datenschutzerklärung stammt erkennbar aus der Vorlage des Käufers. An einer Stelle ist von der „Frölich & Kaufmann Shop Webseite“ die Rede. Sie enthält außerdem ein Kapitel zur Adressvermietung im Lettershop-Verfahren (ein Dienstleister verschickt Werbung fremder Firmen an ausgewählte Adressen, ohne dass der Werbende die Daten bekommt).
Der Käufer: Kunstbuch-Versender mit Appetit auf Traditionsmarken
Frölich & Kaufmann gründeten 1978 die Kunststudenten Gerd Frölich und Andreas Kaufmann in Berlin. Die Idee: ein Versand für schwer erhältliche Ausstellungskataloge, so die Ganske Verlagsgruppe . Seit 1986 gehört das Unternehmen zum Umfeld von Hoffmann und Campe. Heute ist es Teil der Hamburger Ganske Verlagsgruppe, zu der auch Gräfe und Unzer gehört. Eigene Geschäftszahlen muss die Tochter nicht veröffentlichen.
In einer aktuellen Stellenanzeige zählt Frölich & Kaufmann vier Marken auf: das eigene Kunst- und Kultursortiment, Hagen Grote, Waschbär und den Shop der Zeitschrift Der Feinschmecker. Verkauft wird über Onlineshops, Kataloge und nach eigener Darstellung über zahlreiche Online-Marktplätze. Hagen Grote selbst war auf keinem einzigen Marktplatz aktiv.
Artservice, Merkheft, Waschbär: Die Einkaufsliste wird länger
Frölich & Kaufmann wächst seit Jahren über Zukäufe. 2017 übernahm das Unternehmen das Merkheft von Zweitausendeins , 2020 zog der Rhenania Buchversand aus Koblenz unter das Berliner Dach .
| Jahr | Übernahme | Herkunft |
|---|---|---|
| 2010 | Artservice (Kunstbuch-Versand) | Karlsruhe |
| bis 2017 | Cultous (Kulturversand) | – |
| 2017 | Merkheft von Zweitausendeins | Katalog-Übernahme |
| 2020 | Rhenania Buchversand | Koblenz, Ganske-Schwester |
| 2025 | Waschbär (Marke, Shop) | Freiburg, insolvent |
| 2026 | Hagen Grote (Marke, Domains, Kundendaten) | Krefeld, insolvent |
Seit 2025 kommen die Zukäufe aus Insolvenzen. Gekauft werden Marke, Shop und Kundenstamm. Betriebe und Belegschaften bleiben zurück.
Waschbär als Blaupause: Marke weg aus Freiburg, Daten nach Berlin
Der Freiburger Nachhaltigkeitsversender Waschbär stellte am 30. September 2025 den Betrieb ein, rund 160 Beschäftigte verloren ihren Job. Die Gesellschaft wurde zum 31. Oktober abgewickelt. Die Markenrechte wurden im Interesse der Gläubiger verkauft, berichtet Netzwerk Südbaden . Am 2. Dezember 2025 meldete sich Waschbär auf Instagram zurück, unter dem Dach von Frölich & Kaufmann und mit Berliner Telefonnummer.
Geschäftsführer Frederik Palm lehnte gegenüber Netzwerk Südbaden Angaben zu Vertragsdetails ab. Ehemalige Kunden schrieben unter dem Artikel, sie seien per Mail über die Weitergabe ihrer Daten informiert worden und hätten nur widersprechen können. Andere hielten die ersten Werbemails des neuen Waschbär zunächst für Spam.
Kundendaten aus der Pleite: Hier ziehen Datenschützer die Grenze
Kundendaten wechseln im Asset Deal (Kauf einzelner Vermögenswerte statt der ganzen Firma) nicht beliebig den Besitzer. Die Datenschutzkonferenz (DSK, Gremium der deutschen Aufsichtsbehörden) stellte dafür 2019 Fallgruppen auf. Kunden mit einem Kauf in den letzten drei Jahren durften danach per Widerspruchslösung übergehen, mit einer Frist von etwa sechs Wochen. Ältere Kundendaten darf der Käufer nur für gesetzliche Aufbewahrungspflichten nutzen. Bankdaten (IBAN) gehen nur mit ausdrücklicher Einwilligung über, so eine Übersicht der Handelskammer Hamburg .
Im September 2024 ersetzte die DSK diesen Beschluss. Sind die Kundendaten das einzige verkaufte Asset, verlangt sie grundsätzlich eine Einwilligung, zeigt eine Auswertung . Zur Widerspruchslösung für Kunden der letzten drei Jahre äußert sich der neue Beschluss nicht mehr. In der Praxis wird sie weiter genutzt.
Für Werbemails gilt zusätzlich § 7 UWG. Die Bestandskunden-Ausnahme (Werbung ohne Einwilligung für ähnliche Produkte, § 7 Abs. 3 UWG) knüpft an den Händler an, der die Adresse beim Verkauf erhalten hat. Ob ein Markenkäufer sie übernehmen kann, ist umstritten.
Deine Kundendatei ist im Ernstfall mehr wert als dein Lager
Die Fälle Waschbär und Hagen Grote zeigen, was nach einer Pleite noch einen Preis erzielt. Daraus folgen vier Punkte für deinen Shop:
- Kaufdatum pflegen: Die Drei-Jahres-Grenze hängt am Datum des letzten Kaufs. Fehlt es, lässt sich kein Kundenstamm sauber übertragen.
- Einwilligungen dokumentieren: Double-Opt-in-Nachweise (Zeitpunkt, IP-Adresse) gehören zu jedem Newsletter-Kontakt. Ohne Nachweis ist eine Liste im Verkauf kaum etwas wert.
- Marke eintragen: Eine beim DPMA eingetragene Wortmarke ist ein eigener Vermögenswert. Waschbär und Hagen Grote wurden über ihre Marken verkauft.
- Beim Zukauf prüfen: Wer selbst eine Pleite-Marke kauft, prüft Herkunft der Daten, Widerspruchsfrist und Einwilligungsstand vor der Unterschrift. IBAN-Daten bleiben draußen.
Die Marke überlebt, der Händler nicht
Hagen Grote startete 1987 mit einem Katalog für ambitionierte Hobbyköche. 39 Jahre später verkauft ein Berliner Kunstbuch-Versender unter diesem Namen weiter. Waschbär und Hagen Grote laufen jetzt über dieselbe Adresse in der Schwedenstraße.
Die Marke Hagen Grote hat die Pleite überlebt. Der Händler Hagen Grote nicht.




