Die Midterms 2026 sind für Donald Trump eine Niederlage, und für den Onlinehandel beginnt damit eine neue Phase der Unsicherheit. Die Demokraten haben laut Hochrechnungen von CNN, NBC und AP die Mehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat erobert, wie die Tagesschau berichtet. Trump verliert damit die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses. Seit Januar 2025 hat er mit Dekreten, Zollverfügungen und dem Ende der 800-Dollar-Freigrenze den Warenversand aus der EU in die USA umgebaut. Was davon bleibt, was wackelt und was Onlinehändler jetzt wissen müssen, zeigt dieser Überblick.
Inhaltsverzeichnis
- Beide Kammern weg: So deutlich fiel das Votum gegen Trump aus
- Zölle per Dekret: Warum Trump den Kongress bisher nicht brauchte
- 800 Dollar weg: Der Tag, an dem der US-Versand aus Deutschland kippte
- 15 Prozent und ein Deal, bei dem die EU ihre Zölle auf null stellt
- Supreme Court kippt die Zölle – Trump baut sie innerhalb von Stunden nach
- Rückerstattung, Verzollung, Kalkulation: Was Onlinehändler jetzt prüfen sollten
- Einordnung: Mehr Kontrolle für den Kongress, gleiche Rechnung für Händler
Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.
Beide Kammern weg: So deutlich fiel das Votum gegen Trump aus
Die Demokraten brauchten im Senat vier zusätzliche Sitze und im Repräsentantenhaus drei. Sie bekamen deutlich mehr. Nach Angaben von CNBC und der Nachrichtenagentur AP nahmen sie den Republikanern Senatssitze in Texas, Ohio, Iowa, Kansas, North Carolina und South Carolina ab. In Kansas gewann erstmals seit 1932 ein Demokrat einen Senatssitz, in Texas erstmals seit 1988. Im Repräsentantenhaus hatten die Republikaner vor der Wahl 218 zu 214 Sitze; diese knappe Mehrheit ist laut ZDF ebenfalls gekippt.
Als Gründe nennen US-Medien die hohen Lebenshaltungskosten, den Iran-Krieg und Trumps schwache Zustimmungswerte. Eine Umfrage der New York Times mit dem Siena-Institut bescheinigte ihm zuletzt 34 Prozent Zustimmung. Trump sagte der New York Times, er akzeptiere das Ergebnis und wolle mit den Demokraten zusammenarbeiten.
Zölle per Dekret: Warum Trump den Kongress bisher nicht brauchte
Trumps Handelspolitik lief fast vollständig an Parlament und Senat vorbei. Er stützte seine Zölle auf Notstandsgesetze und Sondervollmachten des Präsidenten, nicht auf Gesetze des Kongresses. Das ändert sich mit dem Wahlergebnis nur teilweise. Ab Januar 2027 können die Demokraten Untersuchungsausschüsse einsetzen, Zeugen vorladen, Haushaltsgesetze blockieren und eigene Gesetzentwürfe einbringen. Angekündigt sind Vorlagen, die die gesetzlichen Grundlagen für Trumps Zölle aufheben sollen.
Die Hürde dafür ist hoch. Jedes Gesetz braucht Trumps Unterschrift, und ein Veto des Präsidenten lässt sich nur mit einer Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern überstimmen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) rechnete schon vor der Wahl laut Handelsblatt damit, dass die Midterms am Zollkurs kaum etwas ändern. Im Senat reicht zudem für viele Entscheidungen eine einfache Mehrheit nicht aus. Die Demokraten können Trump also bremsen und kontrollieren, seine Zölle aber nicht per Abstimmung abschaffen.
800 Dollar weg: Der Tag, an dem der US-Versand aus Deutschland kippte
Der härteste Eingriff für Onlinehändler kam nicht über Zollsätze, sondern über eine Freigrenze. Bis 2025 durften Sendungen bis 800 US-Dollar Warenwert zoll- und abgabenfrei in die USA (De-minimis-Regel). Trump strich diese Grenze in zwei Schritten: am 2. Mai 2025 für Waren aus China und Hongkong, am 29. August 2025 per Executive Order „Suspending Duty-Free De Minimis Treatment for all Countries“ für alle Länder. Seitdem muss jede gewerbliche Sendung in die USA verzollt werden, unabhängig vom Warenwert.
Die Folgen waren sofort spürbar. Deutsche Post und DHL Paket stoppten laut eigener Mitteilung am 22. August 2025 die Annahme von Geschäftskundenpaketen und Warenpost in die USA. Postdienste weltweit zogen nach, der postalische Versand in die USA brach um 81 Prozent ein, wie die Verkehrsrundschau berichtet. Wer liefern wollte, musste auf DHL Express, UPS oder FedEx ausweichen, bei rund 100 Euro für ein Fünf-Kilo-Paket.
Seit dem 25. September 2025 nimmt DHL Paket International Geschäftskundensendungen in die USA wieder an, über das Verfahren „Postal Delivered Duty Paid“ (PDDP, der Versender zahlt Zoll und Gebühren vorab über einen externen Dienstleister). trans.info nennt als Beispiel rund 10 US-Dollar Zoll und Gebühren für eine Ware im Wert von 50 US-Dollar aus deutscher Herstellung. Über 800 US-Dollar greift PDDP nicht, dann zahlt der Empfänger. Für Privatkunden ist der Versand von Standardpaketen laut Paketda auch 2026 weiter blockiert, nur Geschenke bis 100 US-Dollar gehen zollfrei durch.
15 Prozent und ein Deal, bei dem die EU ihre Zölle auf null stellt
Am 2. April 2025 („Liberation Day“) verhängte Trump per Executive Order 20 Prozent Zusatzzoll auf EU-Waren, dazu 25 Prozent auf Stahl und Aluminium, die er im Juni 2025 auf 50 Prozent verdoppelte. Nach Monaten mit Drohungen von bis zu 30 Prozent einigten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 27. Juli 2025 im schottischen Turnberry auf eine Obergrenze von 15 Prozent für den Großteil der EU-Exporte, einschließlich Autos, die zuvor mit 27,5 Prozent belegt waren. Die Gemeinsame Erklärung vom 21. August 2025 hielt das schriftlich fest, wie die EU-Kommission dokumentiert.
Die Gegenleistung der EU gilt seit dem 1. Juli 2026: Sämtliche Zölle auf US-Industriegüter sind abgeschafft, ausgewählte US-Agrarprodukte wie Nüsse, Molkereiprodukte und Sojaöl bekommen bevorzugten Zugang, befristet bis Ende 2029. Für Onlinehändler mit US-Lieferanten wird der Einkauf dadurch günstiger. Für Händler, die gegen US-Marken im EU-Markt verkaufen, wächst der Wettbewerb. Zur gleichen Zeit, ebenfalls zum 1. Juli 2026, strich die EU ihre eigene Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen und ersetzte sie durch einen Pauschalzoll von 3 Euro je Zolltarifposition; ab November 2026 kommt eine EU-weite Bearbeitungsgebühr hinzu.
Supreme Court kippt die Zölle – Trump baut sie innerhalb von Stunden nach
Am 20. Februar 2026 entschied der US-Supreme Court im Fall Learning Resources gegen Trump mit 6 zu 3 Stimmen, dass das Notstandsgesetz IEEPA (International Emergency Economic Powers Act) den Präsidenten nicht zu Zöllen ermächtigt. Alle darauf gestützten Zölle, auch die 15 Prozent auf EU-Waren, waren damit rechtswidrig. Das Handelsgericht CIT ordnete laut Kanzlei Skadden Rückerstattungen von rund 165 Milliarden US-Dollar an; mehr als 330.000 Importeure hatten über 53 Millionen Einfuhren IEEPA-Zölle gezahlt. Seit April 2026 nimmt die US-Zollbehörde CBP Erstattungsanträge in Phasen an.
Trump reagierte noch am Tag des Urteils. Ab dem 24. Februar 2026 galt ein pauschaler Zoll von 10 Prozent auf nahezu alle Importe nach Section 122 des Trade Act von 1974, der auf 150 Tage befristet ist. Das CIT erklärte auch diesen Zoll am 7. Mai 2026 für rechtswidrig, die Entscheidung wurde bis zur Berufung ausgesetzt. Am 24. Juli 2026 lief Section 122 aus. Zur selben Minute traten laut American Bar Association neue Zölle nach Section 301 in Kraft: 10 oder 12,5 Prozent auf Waren aus 60 Volkswirtschaften. Gegen die EU läuft seit dem 11. März 2026 ein eigenes Section-301-Verfahren. Für viele EU-Waren liegt der Gesamtzoll damit laut Business Punk aktuell bei rund 10 Prozent.
Unberührt vom Urteil blieben die Sektorzölle nach Section 232 (Zölle aus Gründen der nationalen Sicherheit): 50 Prozent auf Stahl, Aluminium und Kupfer sowie deren Derivate, 15 Prozent auf Autos und Autoteile aus der EU. Im April 2026 kamen Zölle von bis zu 100 Prozent auf patentgeschützte Arzneimittel hinzu, für die EU auf 15 Prozent gedeckelt. Für Stahl und Aluminium läuft eine Nachverhandlung bis zum 31. Dezember 2026; senken die USA diese Zölle nicht auf 15 Prozent, kann die EU ihre Zugeständnisse ganz oder teilweise aussetzen.
Rückerstattung, Verzollung, Kalkulation: Was Onlinehändler jetzt prüfen sollten
Wer zwischen April 2025 und Februar 2026 Waren in die USA importiert hat, egal ob über eigene US-Lager, Amazon FBA in den USA oder einen Zollagenten, sollte die gezahlten IEEPA-Zölle prüfen und Erstattungsanträge bei der CBP stellen. Die Frist für den Einspruch (Protest) beträgt 180 Tage ab Liquidation der Einfuhr. Auch die Section-122-Zahlungen zwischen Februar und Juli 2026 sollten dokumentiert bleiben, solange das Berufungsverfahren läuft.
Für den laufenden Versand gilt: Jede gewerbliche Sendung in die USA braucht vollständige Zolldaten, eine Warentarifnummer (HS-Code) und einen Ursprungsnachweis. Ohne EU-Ursprungsnachweis greift bei vielen Waren der höhere Satz. Händler, die über DHL Paket International mit PDDP versenden, müssen die Zollkosten in den Verkaufspreis einrechnen oder beim Checkout ausweisen. Und wer bisher Privatkunden in den USA über den Postweg beliefert hat, braucht einen Express-Anbieter oder einen Fulfillment-Partner mit US-Lager.
Einordnung: Mehr Kontrolle für den Kongress, gleiche Rechnung für Händler
Das Wahlergebnis verändert das Kräfteverhältnis in Washington, nicht die Zollbescheide an der US-Grenze. Die Instrumente, mit denen Trump heute Zölle erhebt, Section 232 und Section 301, stammen aus Gesetzen des Kongresses und laufen nicht über den Kongress. Eine demokratische Mehrheit kann Untersuchungen führen, Budgets verweigern und Gesetze vorlegen, aber kein Veto brechen. Die Zollrückerstattungen hat nicht die Wahl erzwungen, sondern der Supreme Court.
Zwei Dinge ändern sich trotzdem. Erstens verliert Trump die Möglichkeit, Zölle per Gesetz dauerhaft abzusichern, etwa eine Verlängerung von Section 122, die nur der Kongress beschließen kann. Zweitens rückt die Präsidentschaftswahl 2028 näher, und die Demokraten haben die Zölle und die Lebenshaltungskosten zum Wahlkampfthema gemacht. Für Onlinehändler mit US-Geschäft heißt das: Die Freigrenze von 800 Dollar kommt nicht zurück, die Verzollung bleibt, und der Zollsatz hängt weiter an Gerichtsurteilen und Dekreten statt an Gesetzen. Planbar ist daran nur die Unsicherheit.




