PayPal ändert zum 20. November 2026 die Nutzungsbedingungen für den Rechnungskauf mit Ratepay – und diese PayPal AGB-Änderung trifft Onlinehändler direkt im Checkout. Wer seinen Kunden weiterhin 30 Tage Zahlungsziel anbieten will, muss PayPal künftig zusichern, ein kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) zu sein. Wer das nicht ist, bekommt nur noch 14 Tage – oder verliert die Zahlart komplett. Wer falsche Angaben macht, haftet PayPal gegenüber für den entstandenen Schaden. Hintergrund ist die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie, die am selben Tag in deutsches Recht greift.

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20. November 2026: PayPal zieht die Notbremse beim Rechnungskauf

Die Ankündigung steht seit dem 13. Oktober 2026 auf der Seite für AGB-Aktualisierungen von PayPal Deutschland . Betroffen sind ausschließlich die Nutzungsbedingungen für „Rechnungskauf mit Ratepay“, also die Zahlart, die PayPal gemeinsam mit dem Berliner Zahlungsdienstleister Ratepay für deutsche Händler anbietet. Die restlichen PayPal-Nutzungsbedingungen bleiben in dieser Runde unberührt.

PayPal begründet die Änderung mit einer „Nutzungsbeschränkung im Hinblick auf die deutsche Umsetzung der EU-Verbraucherkreditrichtlinie II“. Die Änderungen treten automatisch in Kraft. Wer Rechnungskauf mit Ratepay nach dem Stichtag weiter anbietet, stimmt den neuen Bedingungen damit zu. Ein aktives Opt-in gibt es nicht – wer ablehnen will, muss die Zahlart vorher abschalten.

Vier Änderungen – und eine davon kostet dich 16 Tage Zahlungsziel

PayPal listet die Änderungen in der Ankündigung selbst auf. Im Kern sind es vier Punkte:

  • KMU-Zusicherung: Du musst PayPal gegenüber zusichern, dass du ein kleines oder mittleres Unternehmen im Sinne des EU-Rechts bist. Nur dann darfst du das standardmäßige Zahlungsziel von 30 Tagen weiter anbieten. Fällt diese Voraussetzung weg, musst du PayPal das unverzüglich mitteilen.
  • 14 Tage für Nicht-KMU: Händler, die kein KMU sind, können das Zahlungsziel nach Abstimmung mit PayPal auf 14 Tage verkürzen. Tun sie das nicht, kann PayPal den Rechnungskauf mit Ratepay als Zahlungsmethode entfernen.
  • Erweiterte Freistellung: Händler stellen PayPal von allen Schäden frei, die aus einer unzutreffenden Angabe des KMU-Status entstehen.
  • Individuelle Bedingungen: PayPal behält sich vor, einzelnen Händlern abweichende Konditionen anzubieten – etwa abhängig vom Warenkorbwert oder für B2B-Transaktionen.

Die aktualisierten Bedingungen stellt PayPal als PDF bereit. Auffällig: Die URL zeigt auf eine Subdomain namens „engineering.dev.paypalinc.com“ – PayPal verlinkt seine neuen Vertragsbedingungen also über eine Entwicklungsumgebung.

Bist du KMU? Diese drei Zahlen entscheiden

PayPal verweist auf den KMU-Begriff „im Sinne des EU-Rechts“. Gemeint ist die EU-Empfehlung 2003/361/EG . Danach bist du ein KMU, wenn dein Unternehmen weniger als 250 Mitarbeiter beschäftigt und entweder einen Jahresumsatz von höchstens 50 Millionen Euro oder eine Bilanzsumme von höchstens 43 Millionen Euro ausweist.

Die Falle steckt im Detail: Die Schwellen gelten nicht nur für dein einzelnes Unternehmen, sondern für die gesamte Gruppe. Gehört dein Shop zu einem Konzern oder hält ein großes Unternehmen mehr als 25 Prozent der Anteile, werden dessen Zahlen anteilig oder vollständig mitgezählt. Ein kleiner Shop mit einem großen Gesellschafter im Hintergrund kann so aus dem KMU-Status fallen – und damit aus dem 30-Tage-Zahlungsziel.

Haftungsfalle: Wer falsch ankreuzt, zahlt PayPals Schaden

PayPal erweitert die Freistellungsklausel ausdrücklich auf Schäden, die aus einer falschen KMU-Angabe entstehen. Das bedeutet: Gibst du dich als KMU aus, obwohl du die Schwellen überschreitest, und PayPal oder Ratepay geraten deshalb mit der Aufsicht oder mit Verbrauchern in Konflikt, trägst du die Kosten.

Welche Schäden das sein können, zeigt das Gesetz selbst. Nach dem Umsetzungsgesetz drohen bei Verbraucherkrediten ohne Erlaubnis oder Registrierung Bußgelder von bis zu 500.000 Euro. Dazu kommen die zivilrechtlichen Folgen: Ein Zahlungsaufschub, der die Ausnahme verfehlt, wird zum Verbraucherdarlehen mit Widerrufsrecht, Kreditwürdigkeitsprüfung und umfangreichen Informationspflichten. Verstöße dagegen können Verträge nachträglich angreifbar machen.

Warum PayPal das macht: § 506 BGB kippt die 30-Tage-Freiheit

Der Auslöser ist die Richtlinie (EU) 2023/2225, die zweite Verbraucherkreditrichtlinie (CCD II). Der Bundestag hat das Umsetzungsgesetz am 17. April 2026 beschlossen, verkündet wurde es am 18. Mai 2026 im Bundesgesetzblatt (BGBl. 2026 I Nr. 139). Die neuen Regeln gelten ab dem 20. November 2026 – exakt dem Tag, an dem PayPals neue Bedingungen greifen.

Künftig gelten auch zins- und gebührenfreie Zahlungsaufschübe als Verbraucherkredit. Der klassische Rechnungskauf bleibt nur unter engen Bedingungen ausgenommen (§ 506 Abs. 5 BGB in der neuen Fassung): Der Händler muss den Aufschub selbst gewähren, unentgeltlich, mit einer Zahlungsfrist von höchstens 50 Tagen nach Lieferung. Für Unternehmen, die kein KMU sind und im Fernabsatz verkaufen, gilt eine schärfere Regel: höchstens 14 Tage, und kein Dritter darf die Forderung erwerben.

Hier liegt PayPals Problem. Beim Rechnungskauf mit Ratepay gewährt nicht der Händler den Aufschub, sondern Ratepay kauft die Forderung an. Für KMU-Händler lässt sich das noch unter die 50-Tage-Ausnahme fassen, wie es das Bundesjustizministerium in seinen FAQ auch für Factoring-Konstellationen beschreibt. Für Nicht-KMU dagegen greift die 14-Tage-Grenze – und genau deshalb kappt PayPal das Zahlungsziel für diese Gruppe.

Das musst du bis zum 20. November erledigen

Prüfe zuerst deinen KMU-Status anhand der drei Schwellenwerte – und zwar für den gesamten Unternehmensverbund, nicht nur für die Shop-GmbH. Liegst du darunter, musst du beim Rechnungskauf nichts umstellen. Die Zusicherung gibst du durch die Weiternutzung ab, halte aber deine Zahlen im Blick: Überschreitest du die Schwellen in zwei aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren, verlierst du den Status und musst PayPal informieren.

Bist du kein KMU, hast du zwei Optionen. Entweder du stimmst mit PayPal die Verkürzung auf 14 Tage ab und passt deine Checkout-Texte, Rechnungsvorlagen und Mahnprozesse an. Oder du nimmst in Kauf, dass PayPal den Rechnungskauf mit Ratepay aus deinem Checkout entfernt. Wer das 30-Tage-Zahlungsziel als Conversion-Treiber einsetzt, sollte jetzt mit PayPal über die angekündigten individuellen Bedingungen sprechen – etwa für B2B-Transaktionen, die nicht unter das Verbraucherkreditrecht fallen.

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