Beim Retourenbetrug dominieren 20 Tastmuster – und 2026 fälscht KI mit. In Deutschland gehen in diesem Jahr voraussichtlich 560 Millionen Pakete zurück, wie die Verkehrsrundschau unter Berufung auf den Forscher Björn Asdecker berichtet. Der gemessene Anteil an Missbrauch liegt bei rund 3,6 Prozent, also bei etwa 20 Millionen Paketen. Dieser Leitfaden erklärt jede Abzocke-Methode, ihre Signale und deine Rechte. Außerdem zeigt er, wie du dich schützt, ohne ehrlichen Kunden den Kauf zu erschweren.

Inhaltsverzeichnis

Fasse den Artikel im Bullet-Stil zusammen.

Retourenbetrug: Diese Maschen sind strafbar – und diese nicht

Drei Begriffe geraten oft durcheinander. Die Quote der Retouren zählt alle Pakete, also auch Fehlkäufe und falsche Größen. Missbrauch kostet dich Geld, bleibt aber vom Widerrufsrecht gedeckt. Retourenbetrug beginnt, sobald ein Kunde dich täuscht und dadurch dein Vermögen schädigt. Dann greift § 263 StGB mit Geldstrafe oder bis zu fünf Jahren Haft. Schon der Versuch ist strafbar.

Gegen Missbrauch hilft das Zivilrecht, vor allem der Wertersatz. Bei Betrug kommen Anzeige und Schadensersatz hinzu. In den USA stufen Händler laut NRF und Happy Returns 9 Prozent aller Retouren als Betrug ein. Zuwächse melden sie vor allem bei zu hohen Mengen, leeren Kartons und Fälschungen im Paket. Die folgenden 20 Betrugsformen decken den Retourenbetrug im Onlinehandel von der Grauzone bis zur Bande ab.

Getragen, benutzt, zurück: Vier Maschen in der Grauzone

Diese vier Täuschungshandlungen liegen zwischen Missbrauch und Retourenbetrug. Der Widerruf ist meist wirksam, doch der Wert der Ware sinkt.

1. Wardrobing: Einmal tragen, dann widerrufen

Der Kunde bestellt Kleid, Anzug oder Schuhe für einen Anlass, trägt die Ware und widerruft danach. In einer von Retail Gazette zitierten Erhebung der Firma Forter melden 53 Prozent der Händler Probleme mit dieser Masche. Der Widerruf bleibt wirksam, denn der Kunde muss keinen Grund nennen.

Erkennen: Achte auf Spuren von Make-up, Gerüche, abgenutzte Sohlen und neu befestigte Etiketten. Auffällig sind außerdem Käufe kurz vor Feiertagen, Hochzeiten oder Bällen. Abwehr: Befestige große Hangtags an sichtbarer Stelle, die der Kunde zum Tragen entfernen muss. Fordere bei Spuren Wertersatz nach § 357a BGB und halte den Zustand mit Fotos fest.

2. Miete gratis: Beamer zur WM, Bohrhammer fürs Wochenende

Dieselbe Logik trifft Technik und Werkzeug. Der Kunde nutzt Kamera, Beamer oder Bohrhammer für ein Projekt und schickt das Gerät in der Frist zurück. Prüfen darf er die Ware allerdings nur so, wie es im Laden möglich wäre.

Erkennen: Laufzeit, Zähler der Kamera, alte WLAN-Daten und Staub verraten die Nutzung. Zudem häufen sich solche Käufe vor den Ferien und vor Turnieren. Abwehr: Lies die Zähler bei der Prüfung aus und halte das Ergebnis fest. Daraus leitest du dann den Wertersatz ab.

3. Umfüllen: Wasser im Flakon

Bei Kosmetik, Parfum, Tinte oder Liquids entnimmt der Kunde den Inhalt und füllt Ersatz ein. Danach geht die scheinbar volle Packung zurück. Weil er dabei über den Inhalt täuscht, liegt der Verdacht auf Betrug nahe.

Erkennen: Wiege die Retoure und vergleiche Farbe, Geruch und Füllstand mit einem Muster. Kaputte Siegel und Reste von Kleber liefern weitere Hinweise. Abwehr: Versiegle solche Ware eindeutig. Bei Hygieneartikeln kann das Widerrufsrecht entfallen, sobald der Kunde das Siegel bricht (§ 312g Abs. 2 Nr. 3 BGB ).

4. Trick mit der Zugabe: Vorteil behalten, Rest zurück

Der Kunde füllt den Warenkorb bis zur Schwelle für freien Versand, Rabatt oder Zugabe. Danach schickt er die Füllware zurück und behält den Vorteil. Laut Forter bestellen 30 Prozent der Kunden nach eigener Aussage Extras nur für den freien Versand. Später schicken sie diese zurück.

Erkennen: Typisch ist eine Rückgabe von Teilen, nach der der Restwert knapp unter der Schwelle liegt. Abwehr: Lege in den Regeln der Aktion fest, dass du Rabatt und Zugabe dann neu berechnest. Lass die Klausel prüfen, bevor du sie einsetzt.

Leer, vertauscht, gefälscht: Der Karton lügt

Bei diesen vier Maschen ist der Retourenbetrug klar, denn im Karton liegt nicht die gelieferte Ware.

5. Leerpaket: Steine statt Smartphone

Der Kunde schickt einen leeren Karton oder füllt ihn mit Altpapier, Steinen oder Sand. Geübte Täter gleichen das Gewicht an die echte Ware an. Oft folgt die Behauptung, der Inhalt sei unterwegs verschwunden.

Erkennen: Vergleiche das Gewicht bei Abgabe und bei Eingang mit dem Soll des Artikels. Ein heiler Karton mit intaktem Klebeband spricht zudem gegen einen Verlust auf dem Weg. Abwehr: Filme das Öffnen teurer Retouren in einem Durchgang. Verlange außerdem einen Beleg der Abgabe mit Gewicht, bevor du erstattest.

6. Alt gegen neu: Das defekte Altgerät kommt zurück

Der Kunde bestellt ein neues Gerät und schickt sein altes oder defektes Exemplar derselben Baureihe zurück. Optisch fällt der Tausch kaum auf. Deshalb landet das Altgerät ohne Kontrolle wieder im Bestand.

Erkennen: Seriennummer oder IMEI passen nicht zum Gerät aus deinem Versand. Außerdem stimmen Baujahr, Firmware und Spuren nicht mit der Lieferung überein. Abwehr: Scanne die Nummern beim Versand und gleiche sie bei jeder Retoure ab. Ohne Treffer stoppst du die Erstattung.

7. Fälschung statt Original: Das Plagiat im Karton

Sneaker, Parfum, SD-Karten und Markenmode sind die üblichen Ziele. Der Kunde behält das Original und legt eine Fälschung in den Karton. Rutscht sie in den Bestand, verkaufst du sie als Original weiter und trägst dafür das Risiko.

Erkennen: Prüfe Nähte, Etiketten, Codes, Gewicht und Druck der Packung gegen ein Muster. Abwehr: Markiere teure Artikel vor dem Versand dezent, zum Beispiel mit UV-Stift oder Siegel mit Nummer. Teure Retouren prüft außerdem ein geschulter Kollege.

8. Teile fehlen: Zurück kommt nur die Hülle

Der Kunde entnimmt teure Teile und schickt den Rest zurück. Betroffen sind RAM und GPU aus PCs, Akkus, Objektive aus Sets oder Figuren aus Bausätzen. Manche Täter schweißen die Packung sogar neu ein.

Erkennen: Das Gewicht weicht nur leicht ab, daher brauchst du enge Toleranzen. Zähle zudem das Zubehör anhand einer Liste und achte auf Spuren an Schrauben. Abwehr: Sichere Gehäuse mit Siegeln und mache vor dem Versand ein Foto der Sets.

Geld zurück ohne Ware: Vier Behauptungen, ein Ziel

Für diese vier Maschen muss beim Retourenbetrug oft gar kein Paket zurückgehen.

9. „Nicht angekommen“: Das Paket liegt längst im Flur

Der Kunde bestreitet die Zustellung oder behauptet, im Paket habe ein Artikel gefehlt. Beim Verkauf an Verbraucher trägst du das Risiko im Versand (§ 475 Abs. 2 BGB ). Deshalb musst du die Übergabe belegen können.

Erkennen: Dieselbe Adresse meldet wiederholt Verluste, obwohl der Zusteller die Übergabe gescannt hat. Verdächtig sind zudem Meldungen direkt nach der Zustellung teurer Ware. Abwehr: Versende ab einem festen Wert mit Unterschrift oder Ident-Check. Speichere außerdem Foto der Zustellung, GPS-Punkt und Gewicht.

10. Zu wenig drin: Fünf angemeldet, drei im Karton

Der Kunde meldet mehrere Artikel zur Retoure an, legt aber nur einen Teil in den Karton. Bucht dein Lager die Sendung pauschal ein, erstattest du alles. In der NRF-Studie melden 71 Prozent der Händler, die solche Fälle erfassen, einen Anstieg.

Erkennen: Zähle jede Retoure Position für Position gegen die Anmeldung. Auch hier dient das Gewicht als schneller Vorfilter. Abwehr: Erstatte je gescanntem Artikel statt je Sendung. Mache zudem bei jeder Abweichung ein Foto vom offenen Karton.

11. Falscher Mangel: Kratzer, die es nie gab

Der Kunde meldet einen Defekt oder Schaden vom Transport und verlangt Erstattung, Rabatt oder Ersatz. Sein Ziel ist die Kulanz, bei der er die Ware behalten darf. Manche zerkratzen den Artikel dafür selbst.

Erkennen: Der Schaden passt nicht zur Packung, oder derselbe Kunde reklamiert sehr oft. Hinzu kommen Fotos ohne Seriennummer und ohne Umgebung. Abwehr: Du darfst die Ware zur Prüfung verlangen (§ 439 Abs. 5 BGB ). Stelle dafür ein Label bereit und erstatte erst nach der Prüfung.

12. KI-Foto: Der Riss stammt aus der Bild-KI

Die neueste Variante braucht kein Werkzeug mehr. Der Kunde lädt ein Foto der heilen Ware in eine Bild-KI und lässt Risse, Flecken oder Brüche einfügen. Das Ergebnis schickt er dann als Beweis an deinen Support.

Erkennen: Suche nach Fehlern im Bild. Modern Retail schildert einen Fall, in dem die Kartons trotz eines gemeldeten Lecks trocken aussahen. Vergleiche außerdem Maserung, Nummer und Hintergrund mit deinem Packfoto. Abwehr: Bitte um ein zweites Foto, auf dem ein Zettel mit der Nummer des Auftrags neben dem Schaden liegt. Ein kurzes Video hilft ebenfalls. Ab einem festen Wert zählt nur die Retoure.

Gefälschte Nachweise: Der Scan meldet „zugestellt“

Bei diesen vier Maschen stützen Täter den Retourenbetrug auf Belege und Buchungen.

13. FTID: Das gefälschte Label

FTID steht für Fake Tracking ID. Der Täter verändert das Label so, dass der Barcode lesbar bleibt, die Adresse aber fehlt oder zu einem anderen Ort führt. Laut Riskified zeigt das Tracking danach eine Zustellung. Der Karton mit wertlosem Inhalt landet jedoch bei einem Fremden oder lässt sich im Lager keinem Kunden zuordnen.

Erkennen: Der Scan der Zustellung liegt vor, aber im Lager fehlt die Sendung. Prüfe außerdem Ort, Empfänger und Gewicht im Tracking. Abwehr: Erstatte erst nach dem Scan im eigenen Lager. Nutze zudem QR-Retouren, bei denen der Paketshop das Etikett druckt.

14. Fake-Beleg: Die Quittung aus der KI

Der Kunde legt einen falschen Beleg der Abgabe vor, um die Erstattung auszulösen. Laut Modern Retail erzeugen Täter solche Quittungen inzwischen mit KI. Neben Betrug kommt dann Urkundenfälschung (§ 267 StGB) oder die Fälschung beweiserheblicher Daten (§ 269 StGB) in Betracht.

Erkennen: Gib die Nummer der Sendung selbst beim Carrier ein. Fehlt dort der Scan der Abgabe oder weichen Gewicht und PLZ ab, ist der Beleg wertlos. Abwehr: Akzeptiere nur Nummern, die du im System des Carriers prüfen kannst. Ein Foto der Quittung genügt also nicht.

15. Doppelte Erstattung: Retoure plus Chargeback

Der Kunde schickt die Ware zurück und erhält sein Geld. Parallel eröffnet er einen Fall beim Käuferschutz, widerruft die Lastschrift oder reklamiert die Zahlung bei seiner Bank. Ohne Abgleich zahlst du deshalb zweimal.

Erkennen: Prüfe bei jeder Rückbuchung, ob du schon erstattet hast. Dabei fallen Kunden auf, die Retoure und Streit um die Zahlung am selben Tag starten. Abwehr: Erstatte immer über denselben Zahlweg, wie es § 357 Abs. 3 BGB vorsieht. Lade danach den Beleg der Erstattung im Streitfall hoch.

16. Fremde Daten: Geklaute Karte rein, Gutschein raus

Täter bestellen mit geklauten Daten einer Karte oder über ein gekapertes Konto. Danach schicken sie die Ware zurück und verlangen die Erstattung als Gutschein oder auf ein anderes Konto. So machen sie aus fremden Daten eigenes Guthaben. Juristisch kommt Computerbetrug (§ 263a StGB) in Betracht.

Erkennen: Signale sind eine neue Mail, eine neue Adresse für die Lieferung und Retouren kurz nach dem Kauf. Zusätzlich fällt der Wunsch nach einem anderen Weg der Erstattung auf. Abwehr: Lehne solche Wünsche ab. Sichere Konten mit zwei Faktoren und informiere den Inhaber, sobald sich Daten ändern.

Profis, Serien, Insider: Betrug als Gewerbe

Die letzten vier Maschen machen aus Retourenbetrug einen Beruf.

17. Refund-as-a-Service: Der Betrüger arbeitet auf Provision

Profis übernehmen gegen einen Anteil an der Erstattung den gesamten Kontakt mit deinem Support. Sie kennen Grenzen der Kulanz, Textmuster und Wege der Eskalation. In den USA brachte eine solche Gruppe Amazon um rund 700.000 Dollar, wie OnlinehändlerNews berichtet. Nach internen Daten von Happy Returns stammt 2026 fast jede fünfte betrügerische Bestellung aus organisierten Netzwerken.

Erkennen: Mehrere Konten nutzen gleiche Sätze und denselben Ablauf. Außerdem drohen die Absender früh mit Chargeback, Bewertung oder Anwalt. Abwehr: Schreibe Regeln für Kulanz fest und begrenze bei hohen Beträgen, was ein einzelner Kollege freigeben darf. Bündle die Fälle danach für eine gemeinsame Anzeige.

18. Viele Konten: Der gesperrte Kunde kommt wieder

Auffällige Kunden legen neue Konten an. Sie ändern die Schreibweise, nutzen Packstation oder Nachbarn und wechseln die Mail. Dein Shop behandelt sie dadurch als Neukunden.

Erkennen: Bereinige Adressen und vergleiche Rufnummern, IBAN und Geräte-IDs. So verbindest du Konten, die zusammengehören. Abwehr: Hänge das Risiko an Adresse und Zahlweg statt an das Konto. Kläre das vorher mit deinem Berater für Datenschutz.

19. Insider: Der Scan ohne Paket

Manchmal sitzt der Täter in der Lieferkette. In Hamburg soll ein Paketshop Retouren als abgegeben gescannt haben, die nie im Lager ankamen. Laut der von Paketda zitierten Meldung der Polizei ging es um 50 Fälle und mehr als 100.000 Euro Schaden. Ebenso kann eigenes Personal in Lager oder Support Retouren verbuchen, die es nie gab.

Erkennen: Werte Verluste nach Abgabeort, Schicht und Bearbeiter aus. Häufen sie sich an einer Stelle, liegt ein Muster vor. Abwehr: Lass jede manuelle Erstattung von einer zweiten Person freigeben und halte jede Buchung fest.

20. Garantie: Ersatz kassieren, Schrott schicken

Der Kunde meldet einen Defekt und verlangt Ersatz vorab. Das neue Gerät behält er, zurück kommt nichts oder ein fremdes Altgerät. Andere reklamieren Ware, die sie woanders gekauft haben.

Erkennen: Die Seriennummer stammt nicht aus deinem Verkauf, oder der Kaufbeleg gehört zu einem anderen Kunden. Abwehr: Führe eine Liste aller Seriennummern. Tausche vorab nur, wenn du den Wert auf der Karte des Kunden blocken kannst oder ihn lange kennst.

Monitoring: Fünf Kennzahlen entlarven die Serie

Einen Fall erkennst du am Packtisch, eine Serie dagegen nur in den Daten. Werte deshalb jede Woche fünf Kennzahlen aus. Dazu zählen die Quote je Kunde und Adresse, Erstattung ohne Eingang der Ware und Abweichung beim Gewicht. Hinzu kommen Meldungen über fehlende Pakete je Zusteller und PLZ sowie Rückbuchungen nach einer Erstattung. Lege für jede Kennzahl eine Grenze fest. Sobald ein Kunde sie reißt, prüft ein Mensch seine nächste Retoure.

Wichtig ist der Vergleich mit dem Sortiment. Eine Quote von 40 Prozent ist bei Mode üblich, bei Elektronik dagegen ein Alarm. Miss daher den Abstand zum Schnitt der Kategorie statt fester Werte. Ein System mit Punkten für Kunden und Retouren beschreibt der Leitfaden von Wortfilter zum Retourenbetrug . Halte außerdem jeden bestätigten Fall mit Masche, Schaden und Beweisen fest. So entsteht mit der Zeit dein eigener Katalog der Maschen, die beim Retourenbetrug in deinem Sortiment auftreten.

Schutz ohne Verlust an Conversion: Die Kontrolle gehört ins Backend

Strenge Regeln für alle treffen vor allem ehrliche Kunden. In der NRF-Studie nennen 82 Prozent der Kunden kostenlose Retouren als wichtigen Grund für den Kauf. Laut EHI übernehmen wieder 60,6 Prozent der befragten Händler die Kosten der Retoure voll. Den Widerruf selbst darfst du ohnehin nicht erschweren, denn seit dem 19. Juni 2026 ist der Widerrufsbutton Pflicht. Der Schutz setzt deshalb dort an, wo der Kunde ihn nicht bemerkt. Das gilt für alle 20 Maschen beim Retourenbetrug.

Dafür eignen sich fünf Maßnahmen. Erstens erfasst du beim Versand Seriennummer, Gewicht und ein Packfoto. Zweitens wiegst und scannst du jede Retoure beim Eingang. Drittens steuerst du das Tempo der Erstattung nach Risiko. Bekannte Kunden mit sauberer Historie erhalten ihr Geld sofort, auffällige Profile dagegen erst nach der Prüfung. Viertens nutzt du Siegel und Hangtags, die ehrliche Kunden nicht stören. Fünftens erstattest du ohne Retoure nur bis zu einem festen Betrag und nur an bewährte Kunden.

Rechtlich ist die Erstattung nach Risiko gedeckt. Nach § 357 Abs. 4 BGB darfst du die Zahlung verweigern, bis die Ware zurück ist oder der Kunde den Versand nachweist. Verzichte dagegen auf Drohtexte im Shop und auf Hürden, die jeden Käufer treffen. Laut Appriss Retail haben 55 Prozent der Kunden in den USA schon einmal auf einen Kauf verzichtet, weil ihnen die Regeln zur Rückgabe zu streng waren.

KI als Werkzeug der Täter: Der Schaden entsteht per Prompt

KI verändert vor allem zwei Maschen beim Retourenbetrug: den falschen Mangel und den falschen Beleg. Meldungen über Schäden mit KI-Bildern wachsen laut Forter schneller als jede andere Form von Missbrauch bei Retouren. Nach einer Schätzung der Firma nahmen Fälle mit gefälschten Bildern weltweit binnen eines Jahres um mehr als 15 Prozent zu. Das berichtete Shopifreaks im Januar 2026 und verwies auf Händler bei eBay, die Karten für Sammler verkaufen. Dort schickten Käufer die Bilder per Nachricht, statt einen offiziellen Fall mit Pflicht zur Rückgabe zu eröffnen.

Auch in Deutschland ermittelt die Polizei. In Augsburg schickte ein Autohändler der Verkäuferin eines gebrauchten Autos ein offenbar per KI erzeugtes Bild des brennenden Wagens. Damit verlangte er den Kaufpreis zurück. Die Frau entdeckte das heile Auto jedoch zur selben Zeit in einer Anzeige im Netz. Die Polizei ermittelt seit Februar 2026 wegen versuchten Betrugs. Den Fall führt inzwischen auch der Monitor der OECD für KI-Vorfälle .

Auf Software zur Erkennung allein ist kein Verlass. Im Benchmark FraudBench der Nanyang Technological University und von Alibaba versagten aktuelle KI-Modelle bei vielen gefälschten Fotos von Schäden. Bei den meisten Bild-KIs erkannten sie deutlich weniger als die Hälfte der Fälschungen. Spezielle Detektoren schnitten zwar besser ab, stuften aber teils echte Schäden als Fälschung ein. Daten zur Herkunft in der Datei helfen ebenfalls nur begrenzt, denn ein Screenshot entfernt sie. Sicher bleibt daher der Prozess: Retoure verlangen, zweites Foto anfordern und mit dem eigenen Packfoto vergleichen.

KI als Wachhund: Dein Postfach schlägt Alarm

KI-Helfer wie ChatGPT , Claude, Copilot und Gemini lassen sich inzwischen mit einem Postfach bei Gmail oder Microsoft 365 verbinden. Dadurch liest die KI Beschwerden, Anfragen zu Retouren und Fälle vom Käuferschutz dort, wo sie ankommen. Im Handel ist das noch die Ausnahme. Laut EHI testet knapp jeder zehnte befragte Händler KI, um Retouren zu analysieren. In der NRF-Studie aus den USA geben dagegen 85 Prozent an, KI gegen Retourenbetrug zu nutzen.

Im Alltag übernimmt die KI sechs Aufgaben. Sie ordnet jede neue Mail einer der 20 Maschen beim Retourenbetrug zu und markiert, wie eilig der Fall ist. Zudem findet sie gleiche Sätze, Rufnummern und Bilder bei mehreren Absendern. Angaben gleicht sie mit Bestellung, Scan und Gewicht ab, sofern du ihr diese Daten gibst. Aus Mails, Tracking und Fotos baut sie außerdem eine Zeitleiste für die Anzeige. Schließlich entwirft sie sachliche Antworten und überwacht die Fristen.

Drei Grenzen: Mensch entscheidet, Vertrag steht, Mails bleiben fremd

Erstens entscheidet die KI nicht über Erstattung oder Sperre. Art. 22 DSGVO setzt enge Grenzen, wenn allein eine Maschine entscheidet und das den Kunden erheblich trifft. Die KI liefert also den Vorschlag, und ein Mensch gibt frei. Zweitens brauchst du eine Grundlage im Recht und einen Vertrag. Schutz vor Betrug gilt nach Erwägungsgrund 47 der DSGVO als berechtigtes Interesse, soweit die Verarbeitung unbedingt nötig ist. Mit dem Anbieter der KI schließt du zudem einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung (AVV).

Drittens kommen Mails von außen, und Betrüger können darin Befehle an die KI verstecken. Die 2025 geschlossene Lücke EchoLeak belegt das Risiko. Im Test der Forscher genügte eine einzige präparierte Mail, damit Microsoft 365 Copilot interne Daten preisgab. Gib der KI deshalb Rechte zum Lesen und für Entwürfe, aber keinen Zugriff auf Zahlungen.

Anzeige online: Die Beweise entscheiden

Anzeige erstattest du über die Onlinewache , das gemeinsame Portal der Polizeien der Länder. In den meisten Ländern lädst du Belege dort direkt hoch. Schildere den Ablauf der Reihe nach und ohne Wertung: Bestellung, Zustellung, Anmeldung der Retoure, Eingang, Erstattung. Füge Rechnung, Tracking, Gewichte, Fotos, Seriennummern und alle Mails bei. Ein Muster enthält der Leitfaden von Wortfilter. Bedenke dabei: Eine Anzeige kannst du nicht zurückziehen.

Je nach Masche treffen beim Retourenbetrug mehrere Delikte zusammen: Betrug, Computerbetrug bei automatischen Erstattungen und Urkundenfälschung bei gefälschten Belegen. Handeln die Täter gewerbsmäßig oder als Bande, drohen bis zu zehn Jahre Haft. Bei sehr kleinen Schäden verfolgt die Justiz den Betrug dagegen meist nur auf Antrag (§ 263 Abs. 4 StGB). Stelle deshalb zusätzlich Strafantrag, und zwar binnen drei Monaten ab Kenntnis von Tat und Täter.

Auf Marktplätzen gelten eigene Wege. Bei Amazon gehört der Hinweis auf eine Anzeige nicht in die Nachricht an den Käufer. Nutze dort stattdessen SAFE-T, den Antrag auf Erstattung und die Meldung von Missbrauch in Seller Central. eBay erlaubt Verkäufern mit Top-Bewertung oder Servicestatus „Überdurchschnittlich“, bei benutzter oder kaputter Rückware bis zu 50 Prozent der Erstattung zu behalten. Bei Serien mit gekaperten Konten hilft außerdem die Zentrale Ansprechstelle Cybercrime (ZAC) deines LKA.

Zivilrecht: Erstattung stoppen, Wertersatz fordern, Geld holen

Gegen die meisten Maschen beim Retourenbetrug wirkt zuerst § 357 Abs. 4 BGB: Du hältst die Erstattung zurück. Kommt ein leeres Paket an, muss der Kunde nach Ansicht der IT-Recht Kanzlei im Streit beweisen, dass die Ware im Karton lag. Als Nachweis taugt ein Beleg der Abgabe mit Gewicht. Fehlt er, kannst du eine strafbewehrte Erklärung verlangen. Zwar trägst du das Risiko auf dem Rückweg (§ 355 Abs. 3 BGB ). Dieses Risiko greift jedoch erst, wenn der Kunde die Ware wirklich abgeschickt hat.

Bei benutzter Ware verlangst du Wertersatz. § 357a BGB setzt dafür zwei Dinge voraus: Der Wertverlust geht auf einen Umgang zurück, der zur Prüfung nicht nötig war, und deine Belehrung zum Widerruf ist korrekt. Den Wertverlust musst du belegen, deshalb zählen Fotos und Notizen vom Packtisch. Hast du bereits erstattet, forderst du das Geld zurück: zuerst mit Frist, danach über das Mahnverfahren beim Gericht. Bei bewiesenem Betrug kommt Schadensersatz hinzu, der auch Kosten für Versand und Prüfung umfassen kann.

Künftige Käufe eines überführten Betrügers darfst du ablehnen, denn es gilt Vertragsfreiheit. Eine Sperre allein wegen häufiger Widerrufe ist nach Ansicht der IT-Recht Kanzlei dagegen angreifbar. Dieser Beitrag ersetzt keinen Rat vom Anwalt. Lass Klauseln und Muster deshalb vor dem Einsatz prüfen.

Das Kundenfoto hat als Beweis ausgedient

Die 20 Maschen beim Retourenbetrug folgen einem Prinzip: Der Täter nutzt aus, dass du Angaben, Scans und Bildern vertraust. KI senkt den Aufwand dafür auf wenige Sekunden. Deshalb verlagert sich der Schutz zu Daten, die du selbst erzeugst: Gewicht, Seriennummer, Packfoto und Scan beim Eingang. Ehrliche Kunden merken davon nichts, während Betrüger ihre wichtigste Annahme verlieren. Ein Foto vom Kunden beweist 2026 nichts mehr. Deine Waage schon.

Melde dich zum wöchentlichen Newsletter an!