Der Temu Aktionsplan ist durch: Die EU-Kommission hat am 26. Oktober 2026 die Zusagen des chinesischen Marktplatzes akzeptiert, wie sie in einer Pressemitteilung schreibt . Fünf Maßnahmen soll Temu umsetzen, darunter eine Prüfung, ob der eigene Empfehlungsalgorithmus illegale Ware pusht. Vorausgegangen war eine Geldbuße von 200 Millionen Euro im Mai. Bis zum 30. November 2026 muss Temu nun eine Zwischenbewertung liefern.

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200 Millionen Euro und 19 Monate Verfahren: Was dem Temu Aktionsplan vorausging

Die Kommission eröffnete im Oktober 2024 ein förmliches Verfahren gegen Temu nach dem Digital Services Act (DSA, das EU-Gesetz über digitale Dienste). Temu gilt als sehr große Online-Plattform mit mehr als 45 Millionen Nutzern pro Monat in der EU. Solche Plattformen müssen nach Artikel 34 DSA systemische Risiken selbst bewerten, etwa das Risiko, dass über ihre Systeme illegale Produkte verbreitet werden.

Am 28. Mai 2026 stellte die Kommission fest, dass Temu diese Pflicht verletzt hat, und verhängte eine Geldbuße von 200 Millionen Euro . Die Risikobewertung des Unternehmens stützte sich laut Kommission auf veraltete und lückenhafte Daten. Nach Artikel 75 DSA musste Temu daraufhin einen Aktionsplan vorlegen, der den Verstoß abstellt. Diesen Plan hat die Kommission nun gebilligt.

Fünf Zusagen: Temu muss den eigenen Algorithmus verdächtigen

Der Plan umfasst fünf Punkte. Erstens führt Temu eine plattformspezifische Risikoanalyse durch. Zweitens misst das Unternehmen mit verlässlichen Kennzahlen, wie wirksam seine Maßnahmen die Verbreitung illegaler Inhalte verringern. Drittens bewertet Temu die Grenzen der eigenen Inhaltsmoderation. Viertens analysiert der Marktplatz, ob und wie seine Empfehlungssysteme (die Algorithmen, die Nutzern Produkte vorschlagen) die Verbreitung illegaler Waren verstärken.

Der fünfte Punkt trifft den Kern des Marktplatzgeschäfts: Temu untersucht, wie Verkäufer die Funktionen der Plattform gezielt ausnutzen, um potenziell illegale Angebote zu verbreiten. Die Kommission spricht von vorsätzlicher Manipulation. Händler, die Produktlistings tricksen, Kategorien falsch wählen oder gesperrte Artikel unter neuem Namen wieder einstellen, werden damit erstmals Gegenstand einer DSA-Pflicht der Plattform selbst.

30. November 2026: Die Frist, die Temu teuer werden kann

Temu hat vier Monate Zeit, eine vorläufige Risikobewertung für einen Zeitraum von sechs Monaten bis zum 30. November 2026 durchzuführen. Damit will die Kommission sicherstellen, dass der Aktionsplan tatsächlich umgesetzt wird und nicht nur auf dem Papier steht. Die Annahme des Plans beendet das Verfahren nicht. Sie bestätigt lediglich den Weg, nicht das Ergebnis.

Setzt Temu die Zusagen nicht ausreichend um, kann die Kommission nach Artikel 76 DSA Zwangsgelder verhängen, und zwar täglich bis zu fünf Prozent des durchschnittlichen weltweiten Tagesumsatzes. Für einen Konzern wie PDD Holdings, die Muttergesellschaft von Temu, wäre das ein Betrag, der die 200 Millionen Euro vom Mai schnell übersteigt. Weitere Einzelheiten nennt die Kommission in ihren Daily News vom 26. Oktober 2026 .

Was ändert sich für dich als Onlinehändler? Vorerst nichts an der Kasse

Der Temu Aktionsplan verpflichtet Temu, nicht dich. Die Plattform muss ihre Systeme untersuchen und Kennzahlen liefern. Ob dadurch weniger gefälschte Markenware, weniger Spielzeug ohne CE-Kennzeichnung oder weniger Elektronik ohne Konformitätserklärung in deutschen Briefkästen landet, hängt davon ab, was Temu aus der Analyse macht. Die Kommission verlangt zunächst Messung und Bewertung, nicht konkrete Sperrquoten.

Mittelbar betrifft das Verfahren aber jeden, der auf Marktplätzen verkauft. Wenn Temu nachweisen muss, wie Verkäufer Plattformfunktionen ausnutzen, entsteht ein Standard, den die Kommission auch an Amazon, eBay, AliExpress oder Shein anlegen kann. Gegen Shein läuft seit Februar 2026 ein eigenes DSA-Verfahren. Wer selbst auf Temu verkauft, muss mit härteren Prüfungen beim Listing rechnen, sobald die Risikoanalyse Lücken in der Moderation offenlegt.

Zwei Jahre, 200 Millionen Euro, eine Zusage zum Nachdenken

Zwischen Verfahrensstart und Annahme des Aktionsplans liegen zwei Jahre. In dieser Zeit ist Temu in Europa weiter gewachsen und hat unsichere Produkte in Millionen Haushalte geliefert. Das Ergebnis der Aufsicht ist bislang eine Geldbuße, die PDD Holdings aus der Portokasse zahlt, und ein Plan, in dem Temu verspricht, seine eigenen Systeme zu prüfen. Konkrete Verpflichtungen zur Produktsicherheit enthält der Plan nicht.

Deutsche Händler tragen derweil die vollen Kosten für Verpackungsgesetz, Elektrogesetz, Produktsicherheitsverordnung und Abmahnrisiko. Der Wettbewerbsvorteil, den Temu durch fehlende Compliance hat, bleibt bis mindestens Dezember 2026 bestehen. Erst dann zeigt sich, ob die Kommission aus der Zwischenbewertung Konsequenzen zieht oder ob der Temu Aktionsplan ein weiteres Dokument bleibt, das Brüssel beruhigt und den Handel nicht entlastet.

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